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Mittwoch, 16. Mai 2012

PROTAGORAS UND GORGIAS: die wichtigsten Sophisten
Im Unterschied zu den "echten" Philosophen machten die Sophisten ihr Wissen zu Geld, so etwa wie die heutigen Lehrer oder auch Anwälte. Ganz schlimm sind die, die ihr Halbwissen zu Geld machen ( z.B. Nachhilfelehrer, die 10 Fächer geben). Ganz anders die Philosophen: Diese philosophierten um der Sache selbst willen (also zweckfrei mit interesselosem Wohlgefallen). Für sie trug die Philosophie ihren Lohn in sich. ("Schön blöd", werden die Sophisten gesagt haben.)
Für die Sophisten gab es keinen objektiven Maßstab, keine objektive Erkenntnis. Diese sei ganz und gar unmöglich. Wenn dem aber so sei, dann komme es ganz darauf an, nicht recht zu haben, sondern recht zu behalten. Der mit den besseren Argumenten siegt, nicht unbedingt der "Sittlich-Gute". Was zählte war: Erfolg und nochmals Erfolg. Dazu waren alle Mittel recht. Das Ziel: Sich einen ( mehr oder weniger billigen, AdV) Vorteil zu verschaffen.
Kein Wunder, daß die Sophisten keinen guten Ruf hatten.  Hauptsächlich zwei Dinge wurden ihnen vorgeworfen:
1.) Das Leugnen objektiver Maßstäbe (mit fatalen Folgen für die Wahrheit und Gerechtigkeit)=ihr Relativismus
2.) Daß sie Geld nahmen, und das nicht zu wenig (für den Griechen war Erwerbsarbeit verächtlich; der Handwerker hieß "banausos", woher unser Wort "Banause" abgeleitet ist)
Platon führte einen lebenslangen Kampf gegen sie, s. auch die platonischen Dialoge Protagoras, Gorgias, Sophistes.
1.) Protagoras von Abdera (480-410 v. Chr.), bekannt durch seinen ""Homo-mensura-Satz":
"Der Mensch ist das Maß aller Dinge, des Seienden für sein Sein, des Nichtseienden für sein Nichtsein."
In anderer Form: "Aller Dinge Maß ist der Mensch, der seienden, daß sie sind, der nicht seienden, daß sie nicht sind."
Also: Keine objektive Wahrheit. Jeder Mensch hat seine eigene! Schön!
2.) Gorgias von Leontinoi (5. Jh. vor, etwa gleichzeitig mit Protagoras): Hauptthese: Es ist nichts (nix is', AdV). O.k., o.k., langsam! Gorgias meint :in seiner Schrift "Über das Nichtseiende oder die Natur"
a) es existiert nichts!
b) wenn doch (etwas existierte), dann sei es unerkennbar
c) selbst dann (wenn es erkannt würde), sei es nicht mitteilbar, nicht kommunizierbar.
Meine Kritik daran:
ad a) Dann existiert aber das Nichts (oder kann es dies nicht? Schließen sich Nichts und Existenz aus?). Und Gorgias und seine These existieren auch nicht (logischerweise). Und sein Buch, was damit?
ad b) Doch er erkennt zumindest die Unerkennbarkeit, was ja auch eine Erkenntnis ist. Ist dies nicht ein Widerspruch dazu, daß Erkenntnis nicht möglich sei? Ein Widerspruch in sich?
ad c) Teilt nicht Gorgias hier etwas mit? Ist dies kein Widerspruch dazu, das Erkannte sei nicht mitteilbar?
Sei dem, wie dem wolle. Gorgias erreichte trotz aller Skepsis das biblische Alter von 109 Jahren. Die Skepsis war also nicht seiner Gesundheit abträglich, wie man meinen könnte.
EREC (anknüpfend an ein Gespräch mit meiner Schülerin Tamara über Sein, Seiendes und Nichtsein)
Quellen: B.H.F. Taureck: Die Sophisten
             H.J. Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Bd. 1(es gibt auch einen Band 2, vielleicht existiert der aber nicht, falls doch, dann ist er unerkennbar, falls doch erkennbar, dann kann man nichts darüber sagen etc. pp.)
Aber eins sage ich euch allen: Die nächste Lateinarbeit ist zwar noch nicht existent, aber bald. Und dann solltet ihr besser Erkenntnisse haben und diese auf Papier mitteilen, ist gesünder für die Endnote.

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