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Donnerstag, 24. Mai 2012

AD NERONEM: NERO SUPERSTAR ODER IMMER DEN ERSTEN PLATZ MACHEN
ODER: DIE KUNST WIRD UNS ERNÄHREN
Neros lustige Kunstreise nach Griechenland 66/7 n. Chr.
Der Kaiser Nero hielt sich für einen großen Künstler, für ein "genio non compreso", umgeben von Ignoranten und Banausen. Frustriert vom Publikum in Rom (allesamt Banausen!), das ihn nicht verstand (nur er verstand sich selbst!), drängte es ihn, ins Mutterland der Künste, nach Griechenland, zu gehen, um dort vor (wie er glaubte) fachkundigem Publikum aufzutreten.
Dazu SUETONIUS: "Aber nicht damit zufrieden, Proben dieser Künste in Rom gegeben zu haben, ging er, wie schon gesagt, nach Griechenland, und zwar vor allem aus folgendem Grund: die Städte, die musische Wettkämpfe zu veranstalten pflegten, hatten beschlossen, alle Siegeskränze für Kitharoeden Nero zu übersenden. Diese nahm er mit solcher Befriedigung entgegen, daß er die Gesandten, welche sie überbracht hatten, nicht nur vor allen anderen empfing, sondern sie auch im kleinen Kreis zur Tafel lud." (cap. 22)
Nero war vor allem eins: naiv und eitel.
Und die Griechen: gerissen und zynisch.
Sie forderten den großen Künstler sogar auf, etwas zu singen-einen größeren Gefallen hätten sie Nero gar nicht tun können!
Hören wir, was Sueton sagt: "Da ersuchten ihn einige dieser Leute, bei Tisch etwas zu singen. Seine Darbietung wurde mit solchem Beifall aufgenommen, daß er sagte, allein die Griechen verstünden zu hören und sie allein seien seiner und seiner Kunst würdig." (ibd.)
"Also ab nach Griechenland", dachte Nero. Kaum angekommen, trällerte er ein Liedchen in Kassiope am Altar des Jupiter (der Gott wird sich die Ohren zugehalten haben).
Nero war auch als Künstler ganz Tyrann:
"Während er sang, war es nicht gestattet, das Theater zu verlassen (Cantante eo ne necessaria quidem causa excedere theatro licitum est. Es gab also keine Pinkelpause!) So erzählt man, daß einige Frauen sogar während der Vorstellungen geboren hätten und viele Leute, des Zuhörens und Lobens müde, von der Mauer gesprungen seien oder sich tot gestellt hätten, um so herausgetragen werden zu können." (cap. 23)
Selbst bis hierhin verfolgte den armen Nero das Banausentum.
Beim Wettstreit verhielt er sich recht pragmatisch: Gegner wurden beschimpft und verleugnet, einige versuchte er zu bestechen. Die Kampfrichter behandelte er fast unterwürfig, ängstlich bemüht, ja nichts falsch zu machen.
Außerdem hatte er die überaus praktische und effiziente Angewohnheit, sich selbst stets zum Sieger zu erklären und auszurufen (Statuen früherer Sieger ließ er umstürzen und in die Latrinen werfen-was haben Banausen auch anderes verdient!).
In Olympia gab er dann noch eine Zugabe: Er trat als Rennfahrer mit einem Zehngespann auf! Zwar fiel er vom Wagen und hielt nicht durch, aber nichtsdestoweniger (wie sollte es anders sein) erhielt er den Siegeskranz. Ehre, wem Ehre gebührt!
Und so glich auch die Heimreise einem Triumphzug: Er fuhr auf Augustus' Triumphwagen mit purpurnem Gewand und einem Mantel mit goldenen Sternen, einen Kranz auf dem Haupt, einen in der Rechten, also ganz die große Geste! Ein Festzug trug die übrigen Kränze und Inschriften, wo und wie er überall gesiegt hatte. Alle waren happy. Das Volk bejubelte seinen tollen Künstler-Kaiser (war auch gesünder so), Nero war auf dem Zenit als "artifex", Griechenland erhielt die Freiheit (gerissen, diese Griechen!) und die Kampfrichter das Bürgerrecht und Geld. Alles war gut.
(Ich glaube, Nero hatte, wie alle Künstler, die ja meistens eitel sind, ein starkes Bedürfnis zu gefallen und von allen geliebt zu werden, also eine Art Harmoniebedürfnis.)
Seine letzten Worte: Welch ein Künstler stirbt in mir!=Qualis artifex pereo!
EREC (president of the "Qualis-artifex-society")----
Filmempfehlung: "Quo vadis" mit dem unsterblichen Sir Peter Ustinov! Hat mein Nerobild entschieden geprägt. Unbedingt ansehen!

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