Murmillo-Archiv

Mittwoch, 11. Mai 2016

MARKUS CAELIUS: DIE BERÜHMTE GRABINSCHRIFT (ADDENDA ET CORRIGENDA)

Statt "C" muß es heißen: (I) O(rdinis): Marcus Caelius war also ein Centurio erster Ordnung (Hauptmann der ersten Kohorte). Statt "cecidit"=fiel lese man besser "(oc)cidit=starb.
Darunter:  unter die zwei Bilder der Freigelassenen (amtlich) hinzugefügt/ daruntergeschrieben:
"Caelius/ M(arci) l(ibertus)/ Privatus.-M(arcus) Caelius M(arci) l(ibertus)/ Thiaminus.=Caelius Privatus, Freigelassener des Marcus.-Marcus Caelius Thiaminus, Freigelassener des Marcus.
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Der Stein steht heute im RHEINISCHEN LANDESMUSEUM BONN. Er bezieht sich auf die Niederlage des Legaten Varus anno 9 nach Christus. Damals gingen drei Legionen unter. CAELIUS war ein CENTURIO der LEGIO XVIII. Sein Rang war der eines "primi ordinis", er war also "Centurio erster Ordnung". TACITUS, Historien 3, 22, 4 legt nahe, daß alle Offiziere der ersten Kohorte diesen Rang hatten.
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zum Verlust dreier Legionen: VELLEIUS, 2, 119, 2-4; SUETONIUS: Aug. 23.
zur LEGIO XIX: TACITUS, Ann. 1, 60, 4.
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Auch Privatus und Thiamus wurden in der Schlacht (oder eher auf der Flucht) getötet. Es müssen sich unsägliche Dramen abgespielt haben. Ihre Leichen blieben wie die des CAELIUS verschollen (wahrscheinlich verscharrt und verwest oder von Tieren gefressen). Das Grab ist somit ein Leergrab (Kenotaph), worauf die Formel "ossa inferre licebit" hindeutet. Der Bruder Publius hat die Hoffnung, irgendwann einmal die Knochen seine gefallenen Bruders zu finden oder überbracht zu bekommen und diese ordnungsgemäß beizusetzen.
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weiterführende Literatur:
H. v. Petrikovits: BJ 151 (1951) 116-118; E. Bickel: RhM 95 (1952) 97-135; K. Christ: Chiron 7 (1977) 149-205; H. V. Petrikovits: Die Rheinlande in römischer Zeit (Düsseldorf 1980) Abb. 63 (farbig); G. Bauchhenß: CSIR Deutschland III 1 (Bonn 19978) Nr. 1.
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meine Quelle: RÖMISCHE INSCHRIFTEN LATEINISCH/ DEUTSCH, Reclam, mit 10 Abbildungen ausgewählt, übersetzt, kommentiert und mit einer Einführung in die EPIGRAPHIK herausgegeben von LEONARD SCHUMACHER, Stuttgart 1988, S. 247 f.
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murmillo

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