Murmillo-Archiv

Montag, 4. Juni 2012

GERMANIEN IM ERSTEN JAHRHUNDERT N. CHR.: DIE GERMANISCHEN STÄMME: ES LEBE DER ÜBERBLICK!
Kein Germane hätte gesagt er sei Germane. Er hätte z.B. gesagt, er sei  Cherusker oder Bructerer usw. Ich hätte gesagt, ich sei Vangione, da ich gegenüber von Worms geboren bin (rechtsrheinisch!). (Neuer Eintrag im Paß: Vangione (rechte Rheinseite). Fertig!- Das Wort "Germane" ist ein Sammelbegriff, den uns die Römer "verpaßt" haben.
Im "kleinen Stowasser" lesen wir:
Germani, orum, m. die Germanen, zu des T (Tacitus) Zeit vom Rhein bis zur Weichsel, von der Donau bis zur Nordsee reichend.
Germania, ae, f. Germanien, teil das Gesamtgebiet, teils das rechte Rheinufer (als römische Provinz) T; pl. Ober-und Niedergermanien T; adi. Germanicus
germanitas, atis, f. 1.) Geschwisterschaft, Brüderlichkeit; 2.) met. Verwandtschaft von
germanus1.) leiblich, echt, rech: sorort; 2.)subst. m.f. Bruder, Schwester; 3.)met. echt, recht, wahr, wirklich: iustitia.
Wie sah es bei uns aus vor 2000 Jahren?-Düster, sehr düster!
Dazu: W. Völker: Als die Römer frech geworden..., Berlin 1981, (Kap. Germania Magna), S. 97f:
"Eine unberührte Urlandschaft mit undurchdringlichen Wäldern, Sümpfen, Hochmooren und Heide. Darin vereinzelt langgezogene Häuser, mit Rohr gedeckt, Menschen und Vieh unter einem Dach; Stallgeruch, Wärme vom Vieh und von der Feuerstelle in der Mitte. Fenster (lat. fenestra), gab es noch nicht, dafür Rauchabzugslöcher, sogenannte Windaugen (engl. window)."
Also nix für feine Römer!
Und weiter liest man: "Germanien war ein dünnbesiedeltes Gebiet. Es gab keine Städte, kaum Dörfer. Überall lag Dünger vor den verstreut liegenden Gehöften...Die Menschen waren einfach gekleidet. Immerhin kannten sie schon die von den Römern anfangs verlachte Hose. Ihre Kleidung stellten sie auf einfachen Webstühlen selbst her, sie waren Bauern und Jäger und nicht zuletzt Krieger."
(Hosen: Spätestens als die Römer merkten, daß man ohne sie sich bei uns den Hintern "verfriert", gingen sie auch zu dieser "barbarischen Sitte" über.)
Ähnlich wie in Gallien gab es auch in Germanien zahlreiche Stammesverbände. Im ersten Jh. n. Chr. haben wir etwa die folgende Situation:
Im heutigen Schweden: Sitones-Suiones ("Schweden")
Im heutigen Dänemark: Eudoses-Cimbri-Varini-Anglii-Aviones (von Nord nach Süd)
Nordsee (Oceanus Septentrionalis) Batavi-Frisii-Chauci-Reudigni (von West nach Ost)
An der Ostsee (Mare Suebicum/ Balticum) bis zur Weichsel (Vistula): Suardones-Rugii-Lemovii-Gotones
Südlich daran anschließend: Chamavi-Bructeri-Chasuarii-Angrivarii-Langobardii-Dulgubnii (südl. davon)-Semnones (die letzten drei ungefähr an der Elbe (Albis)-Helvaeones-Nahanarvali (südl. davon)
Südlich anschließend: Ubii (am Rhenus)-Marsi-Usipi-Fosi-Cherusci (südl. davon); weit im Osten: Manimi-Helsii.
Südlich anschließend: Tencteri (Rhenus) -Mattiaci (nördl. der Mündung des Main (Moenus))-Chatti (im Taunus)-Herminones-ganz im Osten: Marsigni-Harii-Buri (südl. davon).
Südlich anschließend: Vangiones (Rhein-und Südhessen)-Nemetes (südl.)- Triboci (Straßburg/Argentorate)-Hermunduri-Naristi (südl.)-Marcomani (in Boehmen=Boihaemum)-Quadi-Bastarnae(das östlichste germ. Volk zw. Weichselquelle und Donaumündung).
Hinzu kommen noch die Nervii, ein Belgierstamm, der sich seiner Abkunft von den Germanen rühmte; Caesar bell. Gall. II 4.( Wären gerne Gemanen gewesen. An alle Nervier: Ihr könnt ja einen Antrag stellen.)
Quelle: Altsprachliche Textausgaben/ Heft 1: Tacitus-Germania; Text und Erläuterungen (Hirschgraben-Verlag), nach d. Ausg. v. F. Adami, bearb. F. Wurzel, Frankf. 1970, S. 43-47 und Karte (letzte Seite).
Viele dieser Stämme verschwanden wieder oder gingen in größeren Stammesverbänden auf.
Jedenfalls konnten sich die Römer nicht über einen Mangel an Feinden beklagen.
Kritik am Deutsch-und Geschichtsunterricht: Die Kenntnis auf diesem Gebiet ist mangelhaft! Der Schüler hat meistens keinen blassen Schimmer von germanischer Stammeskunde. Er ist folglich nicht fähig, auch nur einen oder zwei germanische Stämme zu nennen, geschweige denn zu sagen, wo deren Siedlungsgebiete lagen. Dies ist mehr als armselig und wirft ein schlechtes Licht auf den Unterricht.
Für Überblicke dieser Art sind sich die meisten Schulmeister zu schade (ist ihnen wohl zu primitiv). Dies spricht aber nicht gerade für deutsche Gründlichkeit!
Also: Verschafft euch erst einmal einen Überblick, bevor ihr auf "höherer" Ebene diskutiert. Der Überblick ist ungemein wichtig, merkt euch das! (Sonst geht es euch wie Gerd Dudenhöfer/ Fam. Heinz Becker:"...de Heinz hat de Iwwerblick verlore...").
EREC (Lateinchef)


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