Murmillo-Archiv

Montag, 4. Juni 2012

CURSUS 41: ENDE GUT, ALLES GUT
("Der Athener Daemones hat eine Tochter, die als Kind entführt worden ist. Daraufhin sind er und seine Frau nach Kyrene in Nordafrika ausgewandert. Dort tauchen eines Tages zwei junge Frauen auf, die Schiffbruch erlitten haben und Daemones um Hilfe bitten: Palaestra, seine Tochter, und ihre Freundin Ampeliska. Die jungen Frauen erzählen von ihrem Schicksal, doch Vater und Tochter erkennen sich nicht.")
DAE: Ich fürchte, daß meine Frau mich wegen euch aus dem Haus wirft. Sie könnte sagen, daß ich Nebenfrauen vor ihren Augen herbeigeführt habe (hergebracht habe). Daher flieht zusammen (gemeinsam) zum Altar der Venus!
(Palaestra und Ampeliska laufen zum Venus-Heiligtum, das sich direkt neben dem Haus des Daemones befindet, und setzen sich auf den Altar.)
PAL: "Wir sind elend zugrunde gegangen." (Mit uns ist's aus: wir sind erledigt.)-DAE: Ich werde mich bemühen, daß ihr heil (wohlbehalten) und unversehrt seid mit Hilfe der guten Venus. Fürchtet euch nicht (habt keine Angst)! Ich werde mich um euch kümmern, als ob ihr meine Töchter wärt.
(Gripus, ein Sklave des Daemones, kommt mit einem Koffer in der Hand heran, ihm folgt außer sich vor Zorn Trachalio, der Sklave eines jungen Atheners, der sich gerade in Kyrene aufhält.)
GRI: Sei gegrüßt, Herr!-DAE: Du mögest wohlbehalten sein (Hello! Hi!). Worum geht's? (Was ist "des Geschäfts") Um welche Sache  streitet ihr ("macht ihr einen Streit"; zettelt ihr... an) unter euch  "in feindlichster Gesinnung" (Worüber streitet ihr euch so verbittert; worum geht's)? Soll ich euch denn nicht zu Hilfe kommen?
TRA: Dieser hat einen Koffer, der zusammen mit diesen Jungfrauen  nach einem Schiffbruch ("nachdem das Schiff zerbrochen war") ins Meer gefallen ist. Er ist ein sehr schlechter (abgrundschlechter) Dieb und ein sehr unanständiger und...
DAE: Genug der Worte, Trachalio! Nun soll (möge) Gripus reden!
GRI: Ich habe diesen Koffer aus dem Wasser mit einem Netz geholt (gefischt; "ergriffen"). Daher ist er mein (gehört er mir).
Und alles, was in ihm drin ist (was auch immer), ist mein! Trachalio denkt sich Gründe aus (erfindet Gründe; lügt), denn er selbst "wünscht" den Koffer (zu haben; will den Koffer).
DAE: Was sagst du , Trachalio?-TRA: Den Koffer fordere ich nicht für mich, sondern für diese Jungfrau, die du gerade eben beschützt hast (in Schutz genommen hast).- DAE: Meinst du die(se), die in Ahen, wie sie selbst sagte, frei geboren ist?-TRA: So ist es.-DAE Wir werden in den Koffer hineinschauen (unter die Lupe nehmen). (zu Palaestra): Doch sag' mir vorher (zuvor): Ist er dein, dieser Koffer? (zu Gripus): Schweig!-PAL: So ist es.-GRI: Wenn doch Jupiter und die Götter dich verderben würden (Möge Jupiter...zugrunde richten)!-DAE: Sei nicht entrüstet (reg dich nicht auf), Gripus! Dir, Palaestra, werde (will) ich alles zurückgeben, was dein ist. Öffnen wir den Koffer ("lösen"; brechen wir  den Koffer auf; wir wollen...)! Zögern wir nicht (Wir wollen nicht zögern)! Wir wollen sehen, was drinnen ist. (Der Koffer wird geöfnet.)-PAL: Es sind die Rasseln, die ich als Kind "trug" (hatte).-DAE: Auch ich sehe sie.-GRI: Ich bin "im ersten Gefecht untergegangen" (1:0 für dich). (Daemones greift in den Koffer und holt ein kleines Schwert heraus).
DAE: Welche Buchstaben ("Was der Buchstaben"; gen. partit.) sind auf dieses kleine Schwert geschrieben?- PAL: Der Name meines Vaters: Daemones.-GRI: "Ich bin zugrunde gegangen" (erledigt, tot, fix und fertig), beim Hekules, ich Armer (ich armes Schwein).-DAE: Unsterbliche Götter (Bei den...)! Diese muß meine liebe Tochter sein. Die Götter wollen, daß ich gerettet (worden) bin.-GRI: Doch, daß ich zugrunde gerichtet bin (erg.: die Götter wollen, daß...; mein Verderben).
PAL: Sei gegrüßt, mein unverhoffter Vater!-DAE: Sei gegrüßt, "süßeste Tochter" (mein allerliebste Tochter)! Wie gern umarme ich dich (würde ich dich...)!-TRA: Es ist ein Vergnügen (Spaß, Lust, eine Wonne; ), daß euch dieses da wegen eurer gegenseitigen Zuneigung gelang (zuteil wurde; Schön, daß euch...(iron.)).
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TITUS MACCIUS PLAUTUS, um 250 -184 v. Chr., römischer Komödiendichter, bearbeitete griech. Komödienstoffe für den römischen Geschmack.
Bei Plautus kommen vor allem die niederen Schichten zur Sprache:  gerissene Dienstboten, schlitzohrige Sklaven, Friseure, Köche,  also Knechte jeder Couleur, Kupplerinnen (Puffmütter), Zuhälter,  alte Nutten und kleine Nuttchen, Kneipiers und dergleichen Gelichter, aber auch vertrottelte Alte, junge Schönlinge und die obligatorischen hübschen Mädchen etc.pp.
EREC (LATEINBOSS)

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