Murmillo-Archiv

Mittwoch, 22. Juni 2016

SENECA: DE PROVIDENTIA AD LUCILIUM (ÜBER DIE VORSEHUNG)

Adressat: LUCILIUS, Dichter und Prokurator von Sizilien; junger Freund SENECAS (an ihn sind auch die EPISTULAE MORALES gerichtet).
Zentralbegriff STOISCHER PHILOSOPHIE ist die PRONOIA=PROVIDENTIA=GÖTTLICHE VORSEHUNG.
Hier ergibt sich gleich ein Problem: Warum trifft oft gerade die rechtschaffenen und "guten" Menschen das Schicksal so hart?
ARGUMENTUM: Das Ganze der Welt ist in hervorragender Weise geordnet; daraus kann man auf einen gütigen Schöpfer schließen. Dem widerspricht aber die Härte des Schicksals! Sind also die Götter uns doch feindlich gesinnt? Erklärung: Unglück ist nur ein scheinbares. In Wirklichkeit wollen uns die Götter auf die Probe stellen und abhärten, damit wir Tugend üben. Der Kampf des Tugendhaften ist ein großes Schauspiel für die Götter. Der Tugendhafte wird in seinem Kampf anderen zum Vorbild. Unglück kann den Tugendhaften nicht treffen. Unglück wird mit der schmerzhaften Heilung durch den Arzt verglichen. Glück und Lust wirken sich oft schlecht auf die Sitten aus. Zu großes Glück führt nicht selten zu Unglück; Unglück aber ist eine Bewährungsprobe. Die Tugendhaften heben die Sitten der Masse. Der Tugendhafte folgt dem Willen der Götter. Dies erfüllt ihn mit Freude. Er ist Teil der Ordnung der Natur. Diese macht es der Tugend jedoch schwer. Dennoch hilft sie ihm, nicht böse zu werden. Der Tugendhafte hat schließlich immer den Ausweg des Selbstmordes, wenn es keinen Ausweg mehr gibt!
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An dieser Stelle möchten wir hervorheben: Dies sind die WORTE SENECAS, NICHT UNSERE! Über die oben geäußerten Thesen kann man durchaus anderer Meinung sein!
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murmillo

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