Murmillo-Archiv

Mittwoch, 1. Juni 2016

LYCAON: VATER ALLER WERWÖLFE: OVID, MET. 209-252

Die Geschichte vom bösen Lycaon ist in die Erzählung einer Götterberatung eingebettet (Rahmenhandlung). Der Vater der Götter und der Menschen berichtet zornig vom Frevel des Lycaon:
"Da mir...lauernde Fallen gestellt der berüchtigte rohe Lycaon?"
(R. Suchier)
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Doch Lycaon hat längst gebüßt. Juppiter berichtet nun im Rückblick. Ihm war ein schlimmes Gerücht zu Ohren gekommen. In der Hoffnung, es sei unwahr, "entschwebt" der Gott dem Olymp und "durchstreifte die Erd', ein Gott im menschlichen Bilde". Doch-so bemerkt er- würde es zu weit führen, all die Bosheit der Menschen aufzuzählen, die er gesehen! Er gibt nun eine kurze Wegbeschreibung, wie er zum "ungastliche(n) Haus des wilden arcadischen Herrschers" gekommen ist. Die einfachen Leute der Umgebung beten, weil sie ahnen, daß ein Gott gekommen sei. Doch Lycaon, anscheinend Atheist, "höhnt die frommen Gebete". Lycaon will Zeus prüfen: "ob dieser ein Gott, ob ein Sterblicher, will ich erproben". Dazu will er den Göttervater "meuchlerisch" nachts im Schlaf ermorden!
"Also beliebt es ihm, Probe zu halten der Wahrheit."
Doch Lycaon war noch nicht zufrieden damit. Er geht in seiner Bosheit noch einen Schritt weiter: Lycaon durchschneidet einer Geisel die Kehle, kocht und brät das Opfer noch "halb lebendig" über dem Feuer! Als Lycaon auch noch das Fleisch des Opfers auftischt, ist das Maß voll, und Juppiter läßt das Haus über dem Frevler einstürzen. Lycaon flieht voller Schrecken "und zur Stille des Feldes entkommen-heult er laut und versucht zu sprechen umsonst." Er fällt die Herden an, "auch jetzt am Blute sich letzend." Und jetzt geschieht die Metamorphose:
"Rauh in Haare verkehrt sich das Kleid, in Beine die Arme:
Wolf ist er nun und bewahrt noch Spuren der vorigen Bildung."
Doch Juppiters Zorn ist schrecklich:
"So ist gestürzt ein Haus; doch nicht war wert zu verderben
Eines allein: wo Erde sich dehnt, herrscht wilde Verblendung."
Und der Gott beschließt:
"...Auf alle denn falle
ohne Verzug-so steht der Entschluß-die verwirkete Strafe!"
(Vers 242 f.; zit. nach R. Suchier)
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murmillo

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