Murmillo-Archiv

Samstag, 8. September 2018

ADDENDUM ZU VERGIL, BUCH 8, SCHILD DES AENEAS

AENEAS bekommt von seiner Mutter VENUS eine neue Ausrüstung (Schwert, Schild, Lanze, Brustpanzer, Beinschienen). Er ist also wie ein griechischer Hoplit gerüstet. Hier stellt sich doch die Frage: Warum in aller Welt schleppt die Liebesgöttin die ganzen Mordwaffen mit sich herum?-Waffen und Liebesgöttin: paßt das zusammen?
Nun, sie tut es aus Liebe und Sorge um ihren Sohn, der es bald mit TURNUS, einem zweiten Achill, zu tun bekommt. Dieser ist vermutlich stärker als Aeneas, der dafür "pius" ist. Sie macht dies vielleicht, damit ihr Sohn durch die neuen Waffen eine Chance hat. Mit diesen hat es etwas Besonderes auf sich:
1) Sie sind lang versprochene Geschenke ihres gehbehinderten Gatten Hephaistos=Vulcanus=Volcanus, seines Zeichens Götterschmied (eine unbefristete Stelle, by the way), den sie übrigens mit Anchises betrogen hat.
2) Die Waffen sind "perfecta...arte" (also sozusagen "made by Vulcanus").
3) Mit ihnen ist die nicht unerhebliche Verpflichtung verbunden, Turnus und die Laurenter plattzumachen (Vers 613 f.).
4) Die Waffen sind irgendwie magisch; so ist z.B. das Schwert schicksalsbringend (vgl. etwa Excalibur; Balmung etc.); sie sind also im wahrsten Sinne des Wortes nicht ganz von dieser Welt, was ja auch einem Halbgott durchaus angemessen ist. Und der Schild kündet sogar von der Zukunft und erzählt Episoden aus der Frühgeschichte Roms (die Wölfin, die die Zwillinge Romulus und Remus säugt etc.).
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Mit solchen Waffen muß man siegen, besonders wenn man die Tugenden eines Aeneas hat. Insofern ist die Stelle eine Art Vorausgriff des Künftigen.

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