Murmillo-Archiv

Samstag, 9. März 2013

AD DISCIPVLAM LEIAM:

INTERPRETATIO: CICERO, DE OFFICIIS, I, 17



Nec vero illa parva vis naturae est rationisque, quod unum hoc animal sentit,
quid sit ordo, quid sit quod deceat, in factis dictisque qui modus.

Itaque eorum ipsorum, quae aspectu sentiuntur, nullum aliud animal pulchritudinem,
venustatem (Anmut), convenientiam partium sentit; quam similitudinem natura ratioque ab oculis
ad animum transferens multo etiam magis pulchritudinem, constantiam, ordinem in
consiliis factisque conservandam putat cavetque ne quid indecore effeminateve faciat,
tum in omnibus et opinionibus et factis ne quid libidinose aut faciat aut cogitet.

Quibus ex rebus conflatur et efficitur id, quod quaerimus, honestum,
quod etiamsi nobilitatum non sit, tamen honestum sit, quodque vere dicimus,
etiamsi a nullo laudetur, natura esse laudabile.
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Und es ist/gibt aber jene kleine Macht der Natur und der Vernunft, die dieses Lebewesen (Tier) allein fühlt, was die Ordnung ist, was das ist, was sich ziemt, in den Taten und Worten welches Mass (umstrittene Übersetzung!).

Und so fühlt von diesen Dingen (selbst), die durch den Anblick/Wahrnehmung gespürt werden/wahrgenommen werden, kein anderes Lebewesen/Tier die Schönheit, Anmut und Übereinstimmung/Harmonie der Bestandteile; diese Ähnlichkeit (strukturelle Ähnlichkeit), die Natur und der Verstand von den Augen zum Geist übertragen ("übertragend") und viel mehr die Schönheit, Standhaftigkeit und Ordnung, die sie in den Plänen und Taten zu bewahren glaubt und beschützt (hütet), damit sie nichts unrühmlich und verweichlicht tut und dann (zweitens) damit sie sie sowohl in allen Meinungen als auch Taten (in allen Meinungen und Fakten) nichts freizügig entweder tue oder denke.

Durch diese Dinge wird das zusammengebracht (geschürt) und bewirkt, dass was wir fragen, das Ehrbache, auch wenn das (es) kein Adel (Vortrefflichkeit; wörtlich: "von den Vortrefflichkeiten") ist, ist dennoch ehrbar, alles, was wir wahrhaft sagen, auch wenn es von keinem gelobt würde, ist von Natur aus lobenswert.
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Die Übersetzung/Interpretation dieses Textes ist nicht ganz leicht und auch unter Experten strittig.
Es treten philosophische Begriffe wie "ratio" (Verstand)", "natura" und "animus" (Geist) auf. Untersucht wird, wie diverse Sinneseindrücke, die beim Anblick der Dinge wahrgenommen werden, an den Geist weitergeleitet und dort verarbeitet werden.
Die Sinneseindrücke werden durch Begriffe wie "pulchritudo" oder "venustas" charakterisiert, also Schönheit und Anmut, aber auch durch "convenientia (partium)" und "similitudo" (Ähnlichkeit; similis - ähnlich) charakterisiert. Diese sind schwer zu übersetzen, am ehesten mit Harmonie, Übereinstimmung, Passung, Ähnlichkeit und meinen mutmasslich das (ästhetische) Zusammengefügtsein der Dinge.

Ciceros philosophische Ideen hatten eine Auswirkung bis in die Renaissance und den Humanismus:
Bei Philosophen wie Rorarius (deutsch: Georg Rörer) findet man sie wieder.
Aber auch in der Zeit der Voraufklärung und der Aufklärung findet man entsprechende Ansätze, wie z. B. bei Pierre Bayle.

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