Murmillo-Archiv

Dienstag, 9. September 2014

MTC (=CICERO): DE RE PUBLICA II, 1: DER ANFANG DES 2. BUCHES

Die ersten drei Zeilen sind verblichen und daher unleserlich. Zu ergänzen wäre:
(cum omnes flagrarent cupidi)tate (als alle entflammt waren (entbrannten; "erglühten") durch die Begier; vor Begier; als alle es kaum noch erwarten konnten) audiendi (des Hörens; zu hören), ingressus est (fing an; begann) sic loqui (so zu reden) Scipio (S.): "Catonis hoc senis est (Dies ist ein Wort des alten Cato), quem (den) ut scitis (wie ihr wißt) unice dilexi (ich außerordentlich (einzig) geliebt habe) maximeque sum admiratus (und besonders bewundert habe), cuique (und dem) vel patris utriusque iudicio (entweder durch das Urteil; die Meinung; "die Entscheidung" (Reclam) meiner beiden Väter; beider Väter) vel etiam meo studio (oder auch durch mein Bemühen; Bestreben; Interesse; durch meine "Leidenschaft" (Reclam)) me totum ab adulescentia dedidi (ich mich ganz von Jugend an gewidmet habe (hingegeben habe; "ergeben habe" (Reclam)); cuius (dessen) me numquam satiare potuit (mich niemals sättigen konnte) oratio (Rede; von dessen Rede ich nie genug bekommen konnte); tantus erat in homine (ein so große war in dem Mann) usus rei publicae ("Erfahrung" (Reclam) des Staates; Wissen; Kenntnis in staatlichen (politischen) Angelegenheiten; C. war ein "elder statesman"), quam (den; bezogen auf die "res publica") et domi et militiae (sowohl zuhause als auch im Krieg(sdienst)) cum optime (sowohl in bester Weise (in hervorragender Weise) tum etiam (als auch besonders) diutissime gesserat (sehr lange verwaltet hatte; geführt hatte (?)), et modus in dicendo (und ein so großes Maß im Reden; ein solches Maß; eine solche Mäßigung) et gravitate mixtus lepos (und eine solche Feinheit; Anmut; geistreiche Art, vermischt mit Würde; "Ernsthaftigkeit" (Reclam); Erhabenheit; Bedeutsamkeit, die verbunden mit Würde war), et summum vel discendi studium (und sowohl der höchste Eifer des Lernens; der größte Lerneifer; zu lernen) vel docendi (oder des Lehrens; zu lehren; vel-vel: auch gleichstellend), et orationi vita admodum congruens (und ein völlig mit der Rede übereinstimmendes Leben; ein Leben, das mit dem, was man sagt, übereinstimmt).
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Weil Autoritäten bei den Römern immer gut ankommen, beginnt SCIPIO mit einer Charakteristik  von "old Cato". So etwas macht sich gut und verleiht Glaubwürdigkeit (Autoritätsbeweis).
"Es ist bezeichnend, wie SCIPIO (CICERO!) sich bei der Erwähnung des Namens CATO zu einem persönlichen und einer zwar knappen, aber klaren und verklärenden Charakteristik des bewunderten Mannes hingerissen fühlt (der ganze Satz tantus eqs. ist eine 'Formel' des vir bonus, bevor er (§ 2) das Eingangs versprochene Zitat bringt; die Anfangsworte werden dadurch zum Anakoluth."
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M. TULLIUS CICERO: DE RE PUBLICA, Erläuterungen, Lateinische Klassiker, Schöningh, von D. H. Schwamborn, Paderborn 1958, S. 147 f.
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hoc: folgender Ausspruch
senis: h.=maior; vgl. Ciceros Monographie; durch die Apposition wird der Zensor CATO (CATO CENSORIUS) von dem Stoiker M. PORCIUS CATO unterschieden: Letzterer, ein Optimat und Republikaner, beging 46 v. in Utica Selbstmord (daher CATO UTICENSIS); nach stoischer Auffassung ein eulogos exagoge=wohlüberlegter Weggang bzw. stilvoller Abgang (exitus triumphalis), daher ethisch gerechtfertigt).
patris utriusque iudicio: der leibliche Vater und der Adoptivvater
meo sudio: SCIPIOS eigene Beschäftigung mit der Person des CATO; daraus resultierend: Zuneigung; Begeisterung
tantus etc.; vgl. I, 36 und 37.
militiae: I, 18
gesserat: I, 12
gravitate; lepos: I, 16
dicendi studium: leidenschaftliches Bemühen, das sich auf sachliche Ziele richtet; vgl I, 13, wo CICERO in dieser Weise von sich spricht
CATO war nicht gerade graecophil. Er versuchte, die Verbreitung griechischer Bildung in Rom zu verhindern, weil er fürchtete, daß dadurch Dekadenz und Verweichlichung in Rom sich breitmachen und die Fundamente römischer Werte (wie "prisca virtus" und "mos maiorum") Schaden nehmen könnten. Später scheint in CATOS Charakter die alte Boshaftigkeit ein wenig gewichen zu sein und eine gewisse Altersmilde sich eingestellt zu haben, was irgendwie rührend ist. Angeblich hat er in hohem Alter noch Griechisch "gebüffelt". Par. 26 in CICEROS Monographie: "...qui litteras Graecas didici;..." (mein Graecum anno 82 (letztes Jahrhundert!) war schon hart genug; wie muß es da sein, wenn man bereits halb debil ist und Griechisch lernt?).
Der alte CATO war schon gut.
Die Gefahr der Verweichlichung durch Kultur sah schon THUKYDIDES, der den PERIKLES so sprechen läßt:
"Wir pflegen die Künste, jedoch mit geringem Kostenaufwand, wir lieben die Wissenschaft, jedoch ohne uns dadurch verweichlichen zu lassen (Rede auf die Gefallenen, II, 40)." Gute Einstellung!
docendi: s. seine Schriften "origines", "praecepta ad filium", "de agricultura" sowie die "dicta".
orationis...congruens: schon SOKRATES forderte die "Übereinstimmung von Wort und Tat, Gesinnung und Handeln").
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vgl.SCHÖNINGH-KOMMENTAR
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Und HEINE dichtet: "...ich kenne die Herren Verfasser,
                                sie tranken heimlich Wein
                                und predigten öffentlich Wasser."
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Also: Nieder mit allen Heuchlern! Es lebe der "vir bonus", CATO was right!
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by tribunus

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