Murmillo-Archiv

Freitag, 6. Juli 2012


PHAEDRUS 3, 12:

Übersetzung: by Erec

Das Huhn zur Perle

Als ein Huhn (eine Henne) auf einem Misthaufen Futter suchte, fand es eine Perle.
Es sprach: „Als so große Sache liegst du an unwürdigem Ort!“
(Du bist eine so große Sache und liegst an unwürdigem Ort. Obwohl du eine...,liegst du...)
Wenn jemand, verlangend nach deinem Wert, dies gesehen hätte,
wärst du einst (längst) zu deinem früheren Glanz zurückgekehrt
(hättest du wieder deinen alten Glanz bekommen).
Weil hingegen ich dich gefunden habe, dem Futter viel lieber ist,
kann es weder dir noch mir irgendetwas nützen.“
Dies erzähle ich für jene, die mich nicht verstehen.

Mögliche Erklärung: Wie für das Huhn die Perle von keinem Nutzen ist, weil es lieber frißt, so schätzen auch viele die „Perlen“ der Dichtung gering. Das sind diejenigen, die den Dichter nicht verstehen (Idee: Fr. Maturi, Mannheim).
Ganz richtig erkennt das Huhn (in einem lichten Moment!), daß es auch der Perle nicht nützen kann. Es hat kein Verständnis für das Wertvolle. Das Huhn hat vor allem zwei Ziele:
  1. Futter suchen und fressen
  2. auf dem Misthaufen hocken bleiben
    So sind auch die meisten Menschen nur ihrem Bauche ergeben ohne Sinn für das Höhere!
    Sie wollen lieber auf ihrem Misthaufen (das ist ihr banales Alltagsleben) sitzen bleiben.
    Die Perle zeigt erst ihren alten Glanz in der Hand dessen, der sie zu schätzen weiß. Genauso ist ein Buch in den Händen eines Ignoranten ohne Wert. Ja, es kommt sogar oft vor, daß solche Leute noch abschätzig darüber urteilen.
    Ich wurde einmal vom Hausmeister (im Dialekt) gefragt:
    „Für was braucht man all diese Bücher hier bei Ihnen?“
    Mir lag auf der Zunge: „Für was braucht man sowas wie dich?“
    Zum Schluß noch ein Zitat vom großen Schopenhauer:
    „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, liegt es da allemal am Buche?“ (das Zitat stammt ursprünglich von Lichtenberg).-
    ---
    EREC ("Schopenhauerianer")


Keine Kommentare:

Kommentar posten