Murmillo-Archiv

Dienstag, 17. Juli 2012

DIE ZWEI SPRACHEN DES LATEIN: PARS SECUNDA

ad 1) In den Komödien der PLAUTUS und TERENZ kommen vor allem die niederen Schichten zu Wort (Köche, Friseure, Türsteher, Händler, Nutten, Zuhälter, gerissene Bedienstete u. dergl. Volk):
Bsp.e:
malum!=verflucht!
turbas dare=Krach machen
os opprimere=den Mund halten (VOSSEN, S. 75)
ehem opportune!=da bist du ja (gut, dich zu treffen)!
quid fit?= was ist los mit dir?
in tutost omni' res=alles in Ordnung (o.k.)
dividuom face!=mach halbe-halbe!
quid istuc, Sanniost=he, Sannio, stimmt es...
ei, miseriam!==au, das tut weh (verdammt)!
omitte mulierem!=laß los die Frau (Finger weg von der Frau)
em, serva=he, paß doch auf!
quid hoc reist?=was geht hier vor?
o hominem inpurum!=Dreckskerl!
abi prae strenue ac fores aperi!=vorwärts, los, die Tür mach auf!
i intro nunciam!=geh schon hinein!
em, sic volo!=ja, so ist's recht!
ausculta!=halt, nun hör' mal zu!
(TERENZ: ADELPHOE (die Brüder), Reclam, 1. u. 2.Akt.)
Hier nun einige Bsp.e aus PLAUTUS:
dic quicum fabulare?=sag, mit wem sprichst du?
quicum nisi tecum=mit dir, mit wem sonst
egone?=ich?
tune!=ja, du!
unde nisi domo=von zuhause, von wo sonst
quid iam?=wie denn das?
fer aequo animo!=nimm's leicht!
quid istuc quasost?=was heißt das? (wie bitte?)
iam/ bene vale=nun leb' wohl
abi iam!=hau schon ab!

ad2) Eine witzige Wandinschrift in Pompeji lautet:
"Nycerate, vana succula, que amas Felicione et at porta deduces, illuc tantu in mente abeto."
(=Nykerate, du nichtsnutziges Ferkel, die du den Felicio liebst und ihn mit vors Tor nimmst, das sollst du gut bedenken.)
(que=quae, Felicione=Felicionem, abeto=habeto: Imperativ II)
(VOSSEN, S. 76 u. CIL 4, 2013)

ad 3) Ein Steinmetz (8, 146) schreibt inkorrekt:
"quisque hanc memoriam lexerit (korrekt: legerit) sit illo (korrekt: illi) semper bene."
(=Jeder, der diese Gedenktafel gelesen hat, dem sei es immer zum Guten!)

ad 4) Kein Beispiel gefunden.

 ad 5) Auf einem Papyrus (4. Jh.) lesen wir:
con matrem für klass: cum matre
(cum+Akk. statt Abl.)
sopera für supra (vgl. ital sopra)
(CLAUDIUS TERENTIANUS an seinen Vater)

ad 6) Es ist eine Liste aus dem 4. Jh. überliefert. Der falschen wird jeweils die korrekte Form gegenübergestellt:
calida, nicht calda
auris, nicht oricla (vgl. frz. oreille)
pauper mulier, nicht paupera mulier
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An diesen Beispielen wurde deutlich, wie das VL ein Eigendasein im Schatten des klassischen Lateins führte. Doch war es wirklich ein Schattendasein? Wir dürfen nicht vergessen, daß wir durch die Konzentration auf das klassische Latein eine verzerrte Optik haben.
Es ist amüsant zu sehen, daß im VL Dinge möglich sind, für die man im Lateinunterricht eine glatte 5 bekäme.
Ein gutes VL-Buch ist längst überfällig. Mein Vorschlag für den Titel: "Fluchen wie die alten Römer".-
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EREC

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