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Donnerstag, 12. Juli 2012

OVID: METAMORPHOSEN, I, 5-88: DAS URCHAOS (WELTENTSTEHUNG)

LIB. I, v. 5-9:

Ante mare (Vor dem Meer) et terras (und den Ländern) et (und), quod omnia tegit (was/ der alles bedeckt) caelum (vor dem Himmel; vor dem alles bedeckenden Himmel)
unus erat (war ein (einziges)) toto (auf dem ganzen) naturae vultus (Aussehen der Natur; hierauf bezieht sich "unus") in orbe (auf dem Erdkreis; hierauf bezogen: toto),
quem dixere CHAOS (das sie Chaos nannten; das Ungeordnete=Zustand vor dem Schöpfungsakt, das Ungestalte, Gestaltlose etc.), rudis indigestaque moles (eine rohe ungestalte (gestaltlose, ungeschlachte) Masse)
nec quicquam nisi pondus iners (und nichts als ein "träges Gewicht") congestaque (und zusammengehäufte) eodem (ebendahin; an ein und dieselbe Stelle)
non bene iunctarum (nicht gut verbundener) discordia semina (uneinige Elemente; zwieträchtige Atome, die sich abstoßen; hieauf bezogen "congestaque") rerum (der Dinge; hierauf bezogen "non bene iunctarum").

Goldmann-Übersetzung von R. Suchier:
"Vor dem Meer und dem Land und dem alles bedeckenden Himmel
war in dem ganzen Bereich der Natur ein einziges Aussehn,
das man Chaos genannt, ein verworrenes rohes Gemenge,
anderes nicht als träges Gewicht und zwistige Keime,
trübe zusammen gehäuft zu lose verbundenen Stoffen."
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Der Anfang erinnert ein wenig an die Genesis.
Im Anfang sah es überall gleich aus. Hat sich nicht viel geändert, verglichen mit heute!
eine rohe ungestalte Masse, nichts als ein träges Gewicht: Beim Anblick einer besonders dicken Kommilitonin kam mir dieser Ovidvers immer in den Sinn!
Chaos: griech. to chaos, gen. -ous: "das gähnend Leere" (s. auch die Gehirne vieler Schüler)
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EREC

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