Murmillo-Archiv

Sonntag, 8. Juli 2012


GERUNDIUM UND GERUNDIVUM

1.) Das Gerundium ersetzt die obliquen Kasus des Inf. Präs.:
ars legendi=die Kunst des Lesens
Def.: Das G. ist ein Verbalsubstantiv. Es handelt sich ursprünglich um das substantivisch verwendete Neutrum des Gerundivums. Es bezeichnet die Handlung ohne den Begriff der Notwendigkeit.
Bsp.:
legere=das Lesen
legendi=des Lesens
legendo=dem Lesen
ad legendum=zum Lesen
legendo=durch das Lesen

2.) Def.: Das Gerundivum ist ein passives Verbaladjektiv. Es bezeichnet die Notwendigkeit, aber auch die Möglichkeit. Ursprünglich ist es wohl ein altes participium medii oder passivi.
Es bezeichnet, was getan werden muß/soll, verneint, was nicht getan werden soll oder darf.
attributiv: vir laudandus=vir laudabilis=ein zu lobender Mann; ein Mann, der anerkannt werden muß/soll.
prädikativ: Liber legendus est=das Buch ist ein zu lesendes=das Buch muß gelesen werden.
Als Verbalsubstantiv vertritt es den Infinitiv ohne den Begriff der Notwendigkeit. Es läßt sich so durch ein Substantiv ersetzen:
in natura cognoscenda=in cognitione naturae=bei der Erkenttnis der Natur.
Gerundium oder Gerundiv-das ist hier die Frage und für viele Schüler eine crux! Doch verzweifelt nicht, o meine Schüler. Hier ist die Lösung:
1.) Ist es nicht Singular Neutrum, dann muß es ein Gerundiv sein. Glaubt mir, o meine Schüler.
2.)Ist es doch Singular Neutrum
und lehnt sich in KNG (Kasus Numerus Genus) nicht an ein Bezugswort an und hat es gar ein Akkusativobjekt bei sich, dann ist es ein Gerundium.
So einfach ist das!
Also sprach Zarathustra.
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"Der Name Gerundiv (gerundivum) ist von dem grammatischen Musterbeispiel 'gerundus' (statt 'gerendus') hergeleitet und besagt nichts über das Wesen dieser Form. Es ist eine Streitfrage, ob sich das Gerundiv aus dem Gerundium entwickelt hat oder umgekehrt."
BAYER-LINDAUER: LAT. GRAMMATIK, neu bearb. v. K. Bayer u. J. Lindauer, Bamberg,München, 2012, S. 182, Anm. 1.
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EREC (Firma Education and Drill limited)

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