Murmillo-Archiv

Montag, 3. November 2014

PHILEMON UND BAUCIS: OVID: MET. VIII, 611-724: VORGESCHICHTE: 547-610

VORGESCHICHTE: THESEUS kommt gerade von der Calydonischen Jagd und will nach Athen zurück. Auch in der Antike galt schon: It's a long way to Tipp-a-ra-ry, it' s along way back home. Also nimmt sich unser Superhero erst einmal eine Auszeit und macht eine Künstlerpause beim Flußgott ACHELOUS. Passenderweise lädt der ihn in seine Grotte ein (maximal 2 Sterne). Dort erzählt ihm der Flußgott von den ECHINADEN. Diese waren dermaleinst Nymphen, die der Gott fieserweise aufs Meer hinausgespült und in Inseln verwandelt hatte, nur weil die armen Dinger es vergaßen, dem alten Sack zu opfern. Eine weiter draußen liegende ist PERIMELE, die Ex vom Flußgott. Der Alte von PERIMELE fand das gar nicht gut, daß diese mit dem "Sugardaddy" ACHELOUS rummachte und stürzte sie ins Meer. Damit war erst einmal "Schluß mit lustig". Das einzige was der nunmehr unbeweibte ACHELOUS tun konnte, war sich an NEPTUN zu wenden (sozusagen an die nächst höhere Instanz bzw. seinen Vorgesetzten). Dieser verwandelte nun auf Bitten des Flußgottes die PERIMELE in eine Insel. So weit, so schlecht.
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Ganz ergriffen von sich selbst, schweigt der Flußgott erst einmal:
"Amnis ab his tacuit;..."
Der Rest der Truppe ist ebenfalls schwer bewegt:
"...factum mirabile cunctos
moverat."
Nur einer glaubt kein Wort von dem Gefasel des alten Narren: PIRITHOUS, Sohn des IXION, des Königs der LAPITHEN und guter Kumpel vom THESEUS. PIRITHOUS, allem Anschein nach ein Nihilist und Atheist, lacht erst einmal herzhaft über den ganzen Unsinn:
"...Irridet credentes...". Dies paßt gut zu seinem Wesen, denn er ist "deorum spretor" und auch noch "mentis ferox". Er glaubt
1.) "ficta refers"= you talk rot, mister; alles Lüge
2.) "nimiumque putas, Acheloe, potentes
     esse deos...si dant adimuntque figuras."
(Also, guter Mann, du glaubst, daß die Götter allzu mächtig sind, wenn sie Gestalten geben und nehmen.)
Die Übersetzung von R. SUCHIER ist wie immer ungewollt komisch und verdient daher hier zitiert zu werden:
"Still schwieg jetzt der Strom. Tief hatte das Wunderbegebnis
Alle bewegt. Der Gläubigen lachte Ixions Erzeugter,
Trotzigen Sinns, wie er war, und Verächter der Götter, und sagte:
'Märchen erzählst du da, Achelous, und leihest den Göttern
Allzu große Gewalt, wenn Formen sie geben und nehmen.'"
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Ja, so war er halt, der PIRITHOUS: faith no more!
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Hier stellen sich für mich zwei Fragen:
1.) Übt hier OVID durch PIRITHOUS Kritik an den Göttern?
2.) Oder nimmt dieser eine Gegenposition zu OVID ein (PIRITOUS glaubt ja nicht an Metamorphosen)?
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Sei dem, wie dem wolle. Alle sind zunächst geschockt. Es verschlägt ihnen geradezu die Sprache: "Obstipuere omnes..." (was wieder das "tacuit" vom Anfang aufgreift.)
Also, alle finden das gar nicht gut, was der PIRITHOUS so abläßt ("nec talia dicta probarunt"), vor allem einer nicht: ein gewisser LELEX (blöder Name, wollte nicht so heißen), von dem es heißt, er sei "animo maturus et aevo". Der glaubt nun an all den Mist und stellt folgende Antithese auf:
"Immensa est finemque potentia caeli
non habet et, quidquid superi voluere, peractum est."
"Endlos ist des Himmels Gewalt und von Grenzen
Nimmer beengt; stets ward vollführt, was Himmlische wollten."
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Um seine These zu beweisen, erzählt LELEX nun die rührende Geschichte von PHILEMON UND BAUCIS. Wenn Männer alt werden, werden sie oft sentimental und rührselig.
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decurio





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