Murmillo-Archiv

Montag, 3. März 2014

MIT CICERO DURCH DIE NACHT: DE FINIBUS I, 33

MULTA NOCTE.

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Et harum quidem rerum (Und von diesen Dingen freilich; allerdings) facilis est et expedita distinctio (gibt es eine leichte und freie (ungehinderte) Unterscheidung). Nam libero tempore (Denn in einer (der) freien Zeit; günstigen Lage; günstigen (Zeit-) Umständen), cum (wenn; dadurch, daß) soluta nobis est eligendi optio (uns eine freie (ungebundene; zwanglose) Möglichkeit (Wahl; Wunsch) des Auswählens ist; wenn...wir haben), cumque nihil impedit (und wenn nichts hindert (uns festhält), quo minus id (wodurch wir das weniger; daß wir das), quod maxime placeat (was besonders gefällt), facere possimus ( machen können), omnis voluptas assumenda (muß (kann) jedes Vergnügen ergriffen angenommen werden), omnis dolor repellendus (jeder Schmerz zurückgestoßen; zurückgewiesen; abgewehrt werden). Temporibus autem quibusdam (In  gewissen Zeiten aber; allerdings unter gewissen Umständen) et aut officiis debitis (und entweder durch (bei) geschuldete(n) Pflichten; schuldige; gebührende Pflichterfüllung) aut rerum necessitatibus (oder durch die Notwendigkeit der Dinge; durch Sachzwänge; Notlage) saepe eveniet (wird es oft geschehen; vorkommen), ut et (daß sowohl) voluptates repudiandae sint (die Sinnengenüsse zurückzuweisen sind) et molestiae non recusandae (und die Beschwerlichkeiten nicht abgelehnt werden dürfen; man darf sich ihnen nicht verweigern!). Itaque earum rerum (Daher; also dieser Dinge) hic tenetur a sapiente delectus (diese Auswahl wird vom Weisen getroffen; "gehalten") , ut aut reiciendis voluptatibus (daß entweder durch die Zurückweisung (Verwerfung) von Vergnügen) maiores alias consequatur (er andere größere erlangt) aut perferendis doloribus (oder durch das Ertragen von Schmerzen) asperiores repellat (schlimmere; größere abwehrt).-
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Spaßbremse Cicero, so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick. Doch in Wirklichkeit will uns Cicero nicht den Spaß am Leben verderben, sondern nur darauf hinweisen, daß man unter dem ehernen Gesetz der "anágke" bisweilen nicht den Vergnügungen nachgeben darf und Mühen ertragen muß. Das ist echt römisch gedacht! Früher dachte man übrigens auch bei uns so. Die heutige weichgespülte Spaßgeneration ist aber nicht mehr hart genug, um sich Gewalt anzutun, wie es NIETZSCHE z.B. fordert ("Werdet hart!" etc.).
Das Ziel eines solchen Vorgehens ist es nun, kein "Minus", sondern ein "Plus" zu machen. Daher trifft der Weise die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:
a) er verzichtet auf momentane Vorteile, um größere zu erlangen
b) er erträgt Ungemach, um schlimmeres zu vermeiden.
Er will also-getreu dem Motto des Soldatenkönigs- "ein Plus machen"!
An alle nichtsnutzigen Schüer: Habt ihr heute schon "ein Plus gemacht"?-Nein?-Dann wird euch der Zorn des Soldatenkönigs gewiß sein! Et la colère du Roi est terrible!
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by TRIBUNUS (Ende Durchsage)

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