Murmillo-Archiv

Sonntag, 19. Oktober 2014

CICERO: DE LEGIBUS I, 41: GERECHTIGKEIT ALS ILLUSION

Iam vero (Nun aber; ferner; außerdem) illud stultissimum (ist jenes das Dümmste), existimare omnia iusta esse (zu glauben, daß alles gerecht sei), quae scita sint (welches; weil es festgelegt ist; Plural!) in populorum institutis aut legibus (in den Einrichtungen und Gesetzen der Völker). Etiamne si quae leges sint tyrannorum (Etwa (dann) auch, wenn es irgendwelche Gesetze von Gewaltherrschern sind; Potentialis)?
(...) Est enim unum ius (Es gibt nämlich ein einziges Recht), quo devincta est hominum societas (durch das die Gesellschaft der Menschen eng verbunden ist) et quod lex constituit una (und welches ein einziges Gesetz begründet), quae lex est recta ratio (welches Gesetz; welches die rechte Art ist) imperandi et prohibendi (des Befehlens und des Verbietens; zu befehlen und zu verbieten). Quam qui ignorat (Wer dieses nicht kennt), is est iniustus (der ist ungerecht), sive est illa scripta uspiam (sei es daß jenes aufgeschrieben; niedergeschrieben; aufgezeichnet ist) sive nusquam (oder nirgends).
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1.) Völlige Gerechtigkeit: Ist nicht! Ein Kinderglauben.
2.) Es kommt auf "die rechte Art an". Dies ist sozusagen ein Universalgesetz, welches alle verbindet.
3.) Recht und Wissen gehören zusammen. Ungerechtigkeit infolge eines Mangels an Wissen (idealistische Sichtweise). Aus Wissen folgt Gerechtigkeit.
(Dem könnte man entgegenhalten: So mancher Tyrann hatte großes Wissen und war trotzdem ungerecht. Hierauf könnte man erwidern: Dann hatte er eben das falsche Wissen oder vom richtigen falschen Gebrauch gemacht.)
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devincire, vinxi, vinctus=um-, festbinden
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decurio



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