Murmillo-Archiv

Mittwoch, 2. Januar 2013

PLINIUS XX, 96: Nec mediocriter...

2) Nec mediocriter haesitavi (Auch habe ich nicht wenig ("gering") gezweifelt; bin ich kaum schwankend gewesen; unentschlossen gewesen), sitne aliquod discrimen aetatum (ob irgend ein Unterschied der Altersstufen (bei den...) ist; bestehe), an quamlibet teneri (oder ob beliebig ("wie es beliebt") die Jungen (vgl. den Ausdruck: in zartem Alter) nihil ab robustioribus differant (von den "Stärkeren"=Älteren sich gar nicht unterscheiden); detur paenitentia venia (ob der Reue Verzeihung gegeben werden möge), an ei (oder diesem), qui omnino Christianus fuit (der überhaupt einmal Christ gewesen ist), desisse non prosit (es nicht nützt, aufgehört zu haben (scil. Christianum esse=Christ zu sein;=abzuschwören); nomen ipsum, si flagitiis careat (allein der Name; schon der Name, wenn er frei ist von Schandtaten; wenn ihm keine Verbrechen anhaften), an flagitia cohaerentia nomini puniantur (oder sollen die Untaten, die dem Namen anhängen; die mit dem Namen verbunden sind, bestraft werden; Zeugma?). Interim, (in) iis qui ad me tamquam Christiani deferebantur (Inzwischen, bei denen, die mir ("zu mir") als (wie) Christen angezeigt wurden, hunc sum secutus modum (habe ich dieses Verfahren verfolgt; folgendes...angewendet).
3) Interrogavi ipsos (Ich habe sie persönlich gefragt), an essent Christiani (ob sie Christen seien). Confitentes (Die "Gestehenden"; die es zugaben) iterum ac tertio interrogavi (habe ich zum zweiten und dritten Mal gefragt) supplicium minatus (die Todesstrafe androhend; indem ich...); perseverantes (die "Beharrenden"; die sich beharrlich weigerten; die standhaft beharrten; also die "Sturköppe") duci iussi (habe ich befohlen, daß sie  "geführt werden" (scil. ad supplicium=zur Hinrichtung). Neque enim dubitabam (Denn ich zweifelte auch nicht) qualecumque esset (was auch immer es wäre; sei; war; ) quod faterentur (was sie gestanden; egal, was sie gestanden; gestehen würden), pertinaciam certe (daß die Hartnäckigkeit; Sturköpfigkeit; Starrsinn; gewiß) et inflexibilem obstinationem debere puniri (und ihre unbeugsame Verstockung bestraft werden müsse).
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Die Christen nannten dies natürlich Glaubensstärke bzw. -festigkeit.
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Für den Römer der damaligen Zeit war das Christentum eine von vielen mehr oder weniger (eher weniger) legalen Vereinigungen. Es gab viele Sekten dieser Art. Keine war besonders originell. So hatte sogar JESUS einen Vorläufer. Bei den ESSENERN, einer asketischen Sekte in der Wüste am Toten Meer, die den ganzen Tag auf den MESSIAS warteten (ein beliebter "Volkssport" zur damaligen Zeit), gab es jenen geheimnisvollen"LEHRER DER RECHTSCHAFFENHEIT" der schon 150 Jahre  vor Jesus Ähnliches verkündet bzw. von sich gegeben hat (s. auch die Schriftrollen von QUMRAN).
(Zu den ESSENERN s. auch FLAVIUS IOSEPHUS: DER JÜDISCHE KRIEG, PHILO VON ALEXANDRIEN, PLINIUS SECUNDUS)
Die Christen waren also, anders als sie von sich selbst glaubten, nichts Besonderes.
Vor allem die niedrigen Schichten hingen (aus verständlichen Gründen) der neuen Lehre an. Sie lehrten den einen unsichtbaren Gott, dessen Reich nicht von dieser Welt sei und der seinen Sohn geopfert hatte. JESUS selbst, der Gründer der Sekte und ihr Meister, wurde hingerichtet.
Hinzu kam, daß die Christen etwas von einem Geheimclub umwehte: nächtliche Zusammenkünfte an geheimen Orten, angebliche Opferrituale, subversives Gebaren, Fanatismus, Verbohrtheit u. dergl.
Diese Sturheit offenbarte sich besonders in ihrer Ablehnung der röm. Staatsgötter und des Kaiserkultes.
(Pech, daß die Römer gerade darin keinen Spaß verstanden!)
Es ist also nicht verwunderlich, daß die Christen für die Römer Staatsfeinde, Kriminelle und Pöbel waren, die ihr schönes Reich zu unterminieren drohten und die es daher zu bekämpfen galt.
Im besten Fall sahen sie in ihnen einen Haufen Verblendeter, die einer "spinösen" Irrlehre folgten.
Es war ein Kampf Spiritualismus gegen Materialismus.
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E.

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