Murmillo-Archiv

Mittwoch, 21. März 2012

Cursus 29


Teil 1: Die Macht einer Mutter

Dann kamen die Frauen zu Veturia, der Mutter des Coriolan, und zu seiner Ehefrau Volumnia zahlreich zusammen. Eine von diesen sagte:
"Da ja die Männer die Stadt mit Waffen nicht verteidigen können, werden (wollen) wir zu Coriolan hingehen, um ihn von der Stadt fernzuhalten. Wir bitten und flehen euch an (beschwören euch), uns nicht die Hilfe zu verweigern. Alle Hoffnung liegt bei euch. Ihr alleine werdet sowohl den Sohn als auch den Gatten bewegen, sich von den Waffen fernzuhalten. Schließt euch uns an!
Kommt mit uns, um die Wut des Coriolan vom Verderben der Stadt abzulenken (abzuwenden)!"
Weder Veturia noch Volumnia lehnte ab (verweigerte sich). Bald darauf kam eine große Schar Frauen zum Lager des Coriolan.-
Dieser ist weder durch ihre (deren) Bitten noch Tränen von seinem Vorhaben (Plan) abgebracht worden ( wurde....abgebracht; konnte...abgebracht werden; ließ sich abbringen).
Plötzlich sagte einer von seinen Vertrauten: "Wenn ich mich nicht täusche (irre; wörtl.: getäuscht werde), sind die Mutter, Ehefrau
und Kinder da!"
Coriolan sprang entsetzt von seinem Sitz auf und wollte die Mutter umarmen (wörtl.: "brachte der Mutter eine Umarmung"). Diese sprach, heftig erzürnt: "Bevor ich deine Umarmung annehme (empfange), lasse mich wissen (wörtl.: mache, daß ich weiß), ob ich vor einem Feind oder vor meinem Sohn stehe, ob ich in deinem Lager Gefangene oder deine Mutter bin. (...)"

Teil 2:


"(...) Warum hast du mein Alter unglücklich gemacht? Warum bist du so hart, daß du dieses Land, das dich erzeugt (hervorgebracht)
 und ernährt hat, verwüstest?
Kam dir nicht in den Sinn, als Rom in Sicht war (als du Rom sahest): 'Innerhalb jener Mauer(n) sind mein Haus und meine Schutzgötter, die Mutter, die Frau und Kinder?' Wenn du (so) weitermachst (fortfährst), erwartet deine Söhne entweder ein vorzeitiger Tod oder lange Knechtschaft."
Schließlich brachen die Worte der Mutter, die Umarmungen der Frau und Kinder, das Weinen (Geheule) der Weiber den Sinn (das Herz)
des Coriolan.-

Kommentar: Wie alle Südländer ein typisches Muttersöhnchen! Kaum kreuzt die gewiß peinliche "famiglia"  mit lautem Getöse auf (ich rede hier aus eigener Erfahrung), schon ist er weg und wird handzahm. Ich sehe den Zug keifender Weiber förmlich vor mir. Wahrscheinlich ertrug der gute Coriolan deren Geheul keine Minute länger.
Warum gab also Coriolan nach?
a) War es die Familie?
b) Eine Erkenntnis, ausgelöst durch die Rede der Mutter?
c) Humanitas?
d) Schlechte Nerven (vielleicht wollte er lediglich seine Ruhe)?
Bleibt noch eine Frage: War Volumnia volumnös?

Erec

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