Murmillo-Archiv

Montag, 29. Oktober 2018

SENECA: DE VITA BEATA=VOM GLÜCKSELIGEN LEBEN (1)

1) Das glückselige Leben wollen alle; doch wir wissen nicht, was dahin führt, denn uns fehlt der richtige Blick; je mehr man es erstrebt, desto weiter entfernt es sich, wenn man den Weg verfehlt hat; Eile in die falsche Richtung führt dazu, daß sich der Abstand vergrößert; daher: sich Klarheit verschaffen, über Wesen des Zieles; wo ist der Weg, auf dem wir schnellstens dahin kommen; ist es der rechte, erkennen wir, wieviel wir täglich näher kommen; planloses Vorgehen oder dem Geschnatter der Menge folgen führt zu Fehltritten; dabei entschwindet unser kurzes Leben; wir brauchen einen Sachverständigen, der den Weg kennt; nicht zu vergleichen mit einer Wanderung; denn hier täuscht gerade der am meisten frequentierte Weg; nicht wie das Herdenvieh laufen; der am meisten betretene Weg ist ungleich der richtige; was alle gut finden ist nicht das Beste; nach eigener Einsicht leben; nicht nach der anderer; Negativbeispiel Menschengedränge; keiner irrt nur für sich, sondern zieht andere mit; nur glauben und nicht denken führt nicht zu eigenem Urteil; auch nicht an andere glauben; Irrtum treibt sein Spiel mit uns; er geht von einem zum anderen; Beispiele anderer: verderblich; daher: absondern von der Menge; diese verteidigt die Unvernunft; wankelmütige Volksstimmung bei Wahlen; Gerichte, die nach Gutdünken der Menge entscheiden.
2) Lebensglück ist nicht eine Abstimmung im Senat, wo Majorität zählt; diese=schlecht; der Mehrzahl gefällt nicht das Bessere; Standpunkt der großen Masse=schlecht; was ist das Beste und nicht das Gebräuchlichste?-was sichert uns das wahre Glück?- nicht: was ist der Masse genehm;=Gegenteil von Wahrheit; durch Geist: Unterscheidung von wahr und falsch; was man fürchtet=relativ; wer sich aus der Masse herausheben will, wird angefeindet; Streben auf Erprobtes richten;=innerlich gewiß; nicht auf das, womit angegeben wird; was bestaunt wird=nur äußerer Glanz ohne inneren Wert.
3) Nach nicht äußerem Gut suchen; sondern nach einem in sich gefestigten, gleichmäßigen etc.; dieses liegt nicht fern; man muß nur wissen, wo; doch wir tappen im Dunkeln, gehen dicht dran vorbei; Senecas undogmatisches und eklektisches Vorgehen; Orientierung an Natur;=gemeinsame Position aller Stoiker; nicht von ihr abirren; sich nach ihr bilden=Weisheit; glückliches Leben=das, was mit Natur im Einklang steht; dazu: gesunder Geist; sich nicht vom Schicksal beherrschen lassen; sondern Schicksalsgaben nutzen; Folge: dauerhafte Ruhe; Freiheit; alles fernhalten, was uns reizt oder in Schrecken versetzt; frohe sich gleichbleibende Stimmung; Freude und Eintracht der Seele.
4) Das höchste Gut achtet das Zufällige gering; es erfreut sich nur an der Tugend=Gutheit; glücklich=der, für den nur die gute bzw. schlechte Gesinnung wichtig ist; Unverzagtheit; Verachten billiger Lüste; glücklich=freimütig, aufrecht, unerschrocken standhaft, furchtlos, ohne Begierde; eitle Dinge erhöhen nicht das Lebensglück=bedeutungslos; Reizungen des Körpers=verächtlich; wer die Lust zum Herrn macht, tut dies auch mit dem Schmerz; sich davon losreißen; Gelassenheit; Hoheit des Geistes, erhabene Freude; durch Erkenntnis der Wahrheit.
5) Glück=dessen Bewußtsein; verkehrte Vernunft der Menschen, die wie das Vieh sind; Glück ohne Wahrheit=unmöglich; ohne sicheres Urteil auch nicht; der fest entschlossene Geist, der nicht weicht; Sinnenlust führt zu Unruhe.
6) Das Schlechte zu wollen=Torheit; Glück ohne Vernunft=unmöglich; wer das Schlechte erstrebt=geistig nicht gesund; glücklich nur der, der gesundes Urteil hat; der sich mit seiner Situation arrangiert; dessen Lebenslage die Vernunft billigt.

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