Murmillo-Archiv

Freitag, 11. April 2014

NOVEMBER 54 V. CHR. IN DER GEGEND VON TONGERN

Eine ganze LEGIO plus fünf weitere COHORTES liegen im Winterquartier im Stammesgebiet der EBURONES. Es war militärischer Usus nach den Sommerfeldzügen "IN HIBERNA" zu gehen. Dort wartete man auf besseres Wetter.
Die Lager waren standardisiert: Die Form des Lagers war annäherungsweise quadratisch. Das vordere Tor hieß PORTA PRAETORIA, das hintere PORTA DECUMANA. Die beiden Seitentore waren die PORTA PRINCIPALIS DEXTRA und die PORTA PRINCIPALIS SINISTRA. Das Lager wurde von zwei Hauptstraßen durchschnitten: von der VIA PRAETORIA vom vorderen zum hinteren Tor und die VIA PRINCIPALIS von einen Seitentor zum anderen. Rechts und links von der VIA PRAETORIA lagen die Baracken der COHORTES, ganz außen am Wall die der SOCII. Südlich der VIA PRINCIPALIS lagen die Unterkünfte der PRAEFECTI SOCIORUM und der TRIBUNI (1. Reihe), dann kamen die der EVOCATI, der LEGATI, das QUAESTORIUM und das PRAETORIUM (2. Reihe) und schließlich die der AUXILIA (3. Reihe). Befestigt waren sie "VALLO FOSSAQUE" sowie "TURRIBUS". Das nannte man "CASTRA MUNIRE" oder "COMMUNIRE". Der Graben war doppelt so breit wie tief. Caesars Lager an der Aisne hatte einen Graben, der 18 röm. Fuß breit war (das sind 5 m) und 9-10 Fuß tief. Der Wall war ungefähr 3, 5 m hoch und mind. ebenso breit. Auf ihm standen Türme und Geschütze sowie einer Brustwehr (LORICA), die aus geflochtenen Deckschirmen (PLUTEI) und Zinnen (PINNAE) bestand.
Länge des Walls: Quadratwurzel aus der Zahl der Kohorten mal 200!
Doch zurück zu unserem Lager bei Tongern (in der Provinz GALLIA BELGICA). Das römische Lager wurde von den EBURONEN mit Lebensmitteln versorgt. Die Stammesfürsten dieses germanischsprachigen Volkes waren AMBIORIX und CATUVOLCUS. Doch irgendwann hatten die EBURONEN keine rechte Lust mehr, die Römer mit "Carepaketen" zu versorgen. Bestärkt durch einen Aufstand an einem anderen Ort und durch INDUTIOMARUS, Anführer der TREVERER (Moseltal), überfielen sie einen Trupp Römer und töteten sie. Dann stürmten sie das Lager, wurden aber durch Wurfgeschosse zurückgeschlagen. Die beiden Stammesführer, die als gute Verbündete der Römer dastehen wollten (wer's glaubt, wird selig), versuchten diese zu beschwichtigen, indem sie behaupteten, daß der Angriff lediglich von einigen Leuten durchgeführt worden sei, die ihr Temperament nicht so ganz im Griff hätten (heute würden wir sagen: die ein Gewaltproblem hätten). Dann erklärten sie, daß es einen noch größeren Aufstand geben werde und daß eine ungeheure Menge von Germanen vom Osten her im Anmarsch sei, um in Gallien einzufallen. Es gebe aber (wundersame) Rettung (in Form ihrer selbst und der Eburonen). Wenn  die Römer und Eburonen nämlich ihre Kräfte vereinigten, dann könnten sie einen gesicherten Abzug zu einem der beiden Lager garantieren, die sich 80 km südwestlich bzw. südöstlich befanden. Nun war guter Rat teuer. "Was tun", sprach Zeus?
Die Kommandeure der Römer waren die LEGATI QUINTUS TITURIUS SABINUS und LUCIUS ARUNCULEIUS COTTA. Sie hielten lange Kriegsrat, da sie sich nicht einig waren. COTTA wollte ausharren und sich verschanzen, wohingegen SABINUS kalte Füße bekam und abmarschieren wollte. Als er die Soldaten gegen COTTA aufbrachte, gab dieser schließlich nach, um nicht die Einigkeit unter den Offizieren zu gefährden. Dies sollte schicksalhafte Folgen haben.
Die Römer zogen also ab. Da sie naiverweise Ambiorix und co. glaubten, allerdings nicht in Gefechtsformation, sondern in einer langen Marschkolonne.Sie kamen durch dichte Wälder und in ein tiefes Tal. Da plötzlich erschienen die Eburonen oben auf zwei Seiten und ließen einen Geschoßhagel (Speere, Pfeile, Schleudergeschosse) auf die Römer niedergehen. Sabinus verlor die Nerven. Cotta, der Realist, dem die Sache von Anfang an nicht geheuer war, reagierte besser und formierte seine Leute zu einem Quadrat. Doch die Eburonen waren clever genug, nicht direkt anzugreifen. Immer wenn die Römer einen Ausfall machen wollten, gab es Geschoßhagel. Das ging so ganze acht Stunden (war bestimmt nicht lustig). Sabinus wollte verhandeln und versuchte mit Ambiorix zu reden. Cotta, von einenm Schleudergeschoß im Gesicht getroffen, lehnte dies rigoros ab. Dies sei unrömisch. Wahrscheinlich war Cotta lediglich ein Sturkopf. Die Eburonen hatten anscheinend wenig Sinn für Rhetorik und ließen Sabinus nicht ausreden. Mitten in seinem Redeschwall wurde er niedergemacht. Das war für die Eburonen das Signal, zum Nahkampf überzugehen. Cotta und viele seiner Leute fielen unten im Tal, tapfer kämpfend. Einige Einheiten konnten sich jedoch geordnet zum Lager zurückziehen.
Die Mehrzahl der 7000 Legionäre war gefallen.
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Quelle: PETER HEATHER: DER UNTERGANG DES RÖMISCHEN WELTREICHS
            TEUBNERS SCHÜLERAUSGABEN: CAESARS GALLISCHER KRIEG, Leipzig, Belin 1902.
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Lang lebe Ambiorix, unser Häuptling!
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