Murmillo-Archiv

Mittwoch, 5. März 2014

EPIKUREER (KEPOS, EPIKUREISMUS)

LINKS:

Epikur



Unter der Epikureischen Schule versteht man die Schule und Lehre des griechischen Philosophen Epikurs. 
Da es aus der Antike keine prägnante ("knackige") Eigenbezeichnung gab, kann man auch von EpikureernEpikureismus oder Kepos sprechen. Kepos (κῆπος) bedeutet Garten oder in diesem Fall philosophischer Garten. Epikur galt auch als Gartenphilosoph. 
Der Epikureismus galt als eine der vier grossen Philosophenschulen der Antike, obwohl es auch weitere bedeutende gab. Die vier Schulen wären: Akademie, Peripatos (Lykeion), Stoa, Kepos. 


Epikur

Über den Begründer der Schule, Epikur, legen nur unvollständige biographische Daten vor. Viele stammen von Diogenes Laertios. 
Epikur wurde um 341 v. Chr. auf der Insel Samos in der Ägäis geboren. Die Schule feierte nach seinem Tod jedes Jahr seinen Geburtstag, den 20. Tag des Gamelion. 
Sein Vater war der athenische Kolonist (Kleruch) Neokles und arbeitete in Samos als einfacher Lehrer und Landwirt. 
Mit 14 Jahren begann Epikur, sich mit der Philosophie zu beschäftigen, weil er sich angeblich mit der Beschaffenheit des Chaos beschäftigte. Seit Hesiod sah man das Chaos als gähnenden Abgrund an, von dem alle Dinge abgeleitet seien. 
Die ersten Lehrer Epikurs waren der Platoniker Pamphiles und der Demokriteer Nausiphanes. Pamphiles trat für Epikur aber zu prahlerisch auf und entfremdete ihm die Rhetorik mit ihren Tricksereien. 
Die Lehre des Demokrit sagte ihm dagegen mehr zu, besonders dessen Atomlehre (Atomismus). 

Mit 18 Jahren ging Epikur nach Athen, wo er als Ephebe im Gymnasion an einer zweijährigen vormilitärischen Ausbildung teilnahm. Danach wurde er in die athenische Bürgerliste aufgenommen. 
Kurz danach starb im Jahre 323 v. Chr. Alexander der Grosse, was zu Aufständen gegen die makedonische Herrschaft führte. Der Athener Aufstand gegen die Makedonen schlug fehl und so musste auch Neokles, der Vater Epikurs, seinen Besitz auf Samos an die Makedonen unter Perdikkas abgeben. Neokles musste nach Kolophon fliehen, wohin Epikur ihm bald nachfolgte. 319 v. Chr. wurden einige der Entscheidungen wieder rückgängig gemacht und Neokles erhielt eine finanzielle Entschädigung. 

Über die folgenden Lebensjahre des Epikur kann man nur spekulieren. Einige Forscher meinen, er sei aber 311 v. Chr. Philosophielehrer auf Mytilene (Lesbos) und Lampsakos (Hellespont) gewesen und habe dort die Jünger Metrodoros von Lampsakos, dessen Bruder Timokrates, Hermarchos von Mytilene, Idomeneus, Leonteus, dessen Frau Themista, Kolotes und Polyainos gewonnen. 306. v. Chr. zog Epikur auf jeden Fall nach Athen, wo nach dem Sturz des Demetrios von Phaleron die Attische Demokratie für einige Zeit wieder auflebte. 
In Athen erwarb Epikur für 80 Minen einen Garten (Kepos), der das Symbol seiner entstehenden Schule werden sollte und für Epikur Lehr- und Lebensort werden sollte. Dort versammelten sich Menschen aus verschiedenen Regionen und Schichten. Angeblich hatte Epikur an die 200 Schüler, darunter auch Frauen und Sklaven. 

Im Garten Epikurs versuchte man, die Lebensmaximen der eigenen Lehre umzusetzen. Aber nicht im Übermass. 
Das Motto "Lathe bioses!" (Lebe im Verborgenen.) wurde durch die Einrahmung des Gartens praktiziert, aber Epikur zog sich sichtbar nicht ins Eremitendasein zurück. Ebenso galt es mit dem Streben nach Glückseligkeit, auf das schon der Sinnspruch über dem Eingang des Gartens einging: 
"Tritt ein, Fremder! Ein freundlicher Gastgeber wartet dir auf mit Brot und mit Wasser im Überfluss, denn hier werden deine Begierden nicht gereizt, sondern gestillt!" 

Der "Meister" Epikur konnte mit weiteren Weisheiten aufwarten, die an anderer Stelle anhand seiner Lehre genauer erörtert werden.

Epikur sagte einmal "Ich versuche nie, anderen zu gefallen. Was sie von mir wollen, habe ich nicht gelernt, und was ich gelernt hatte, wollten sie nicht!"
Oder zum Thema Freundschaft: "Ohne Freundschaft ist das Leben wie das Fressen von Löwe und Wolf!"
Oder zum Tod: "Was kümmert mich der Tod? Bin ich da, ist der Tod nicht da. Und ist der Tod da, bin ich nicht mehr da."
Oder zum Besitz: "Wem das seine nicht ausreicht, der ist arm, und wenn er der Welten Herr wäre."
Oder: "Wer Brot und Wasser hat, darf sich mit Zeus an Glückseligkeit messen!"
Oder: "Schick mir ein Stück Käse, damit ich einmal gut essen kann."

[vgl. Kurt Tepperwein: Die Praxis der geistigen Gesetze]

Ungefähr 40 Jahre lang blieb Epikur Mittelpunkt des Gartens. Im Alter wurde er durch Nierensteine geplagt und verstarb 271 oder 270 v. Chr. Nach seinem Tod ging die Leitung auf Hermarchos über, da Metrodoros bereits verstorben war.

Epikurs These, dass es besser sei, zurückgezogen (wenn auch nicht isoliert) zu leben, führte leider dazu, dass seine Schule nur eine begrenzte Nachwirkung und nur einen begrenzten Einfluss auf die Politik hatte.
Trotzdem hielt sich die Schule bis in die römische Zeit und endete ungefähr bis zum 3. Jhd. n. Chr.
Römische Förderer der Schule waren Lukrez und Kaiser Mark Aurel. Auch Cicero ging auf einige ihrer Thesen ein.

Dienstag, 4. März 2014

NOVITATES: Salve!/Chaire!


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Montag, 3. März 2014

Marcus Tullius "MTC" Cicero: DE FINIBUS I, 37-MULTA NOCTE

(...) Nunc autem explicabo (Nun werde ich aber erklären), voluptas ipsa quae qualisque sit (was und wie beschaffen die Lust; Freude; das Vergnügen ist), ut tollatur error imperitorum (so daß/ damit der Irrtum der Unwissenden beseitigt wird) intellegaturque ea (und dieses begriffen wird; eingesehen wird), quae voluptaria, delicata, mollis habeatur disciplina (welche Lehre für wollüstig, genußsüchtig und verweichlichend gehalten wird), quam gravis (wie sehr ernst), quam continens (wie genügsam), quam severa sit (wie streng; gewissenhaft; ernst sie ist). Non enim (Denn nicht) hanc solam (dieser (Lust) allein) sequimur (folgen wir), quae suavitate aliqua (die durch irgendeine "Süße"; Annehmlichkeit) naturam ipsam movet (die Natur selbst bewegt; beeinflußt; auf die Natur einwirkt) et cum iucunditate quadam (und mit einer (gewissen) Annehmlichkeit; einem angenehmen Gefühl) percipitur sensibus (durch die Sinne wahrgenommen wird), sed maximam voluptatem illam habemus (sondern für den höchsten Genuß halten wir jenes), quae percipitur (der wahrgenommen wird; den man bekommt) omni dolore dertacto (dadurch daß jeder Schmerz beseitigt worden war; wird; durch die Beseitigung jeglichen Schmerzes; Kummers; jeglicher Betrübnis). Nam quoniam (Denn da ja), cum privamur dolore (wenn wir vom Schmerz befreit werden), ipsa liberatione et vacuitate omnis molestiae gaudemus (wir uns freuen gerade (allein schon) an der Befreiung und Freiheit (am Entbundensein) von aller Bekümmernis; Beschwerde; Beschwernis), omne autem id (all dies aber), quo gaudemus (wodurch wir uns freuen), voluptas est ( die Freude; Lust ist), ut omne (wie alles), quo offendimur (wodurch wir verletzt; gekränkt werden), dolor (der Schmerz (ist)), doloris omnis privatio recte nominata est voluptas (wird die Befreiung von jedem Schmerz richtig; in richtiger Weise; zu Recht Lust; Lebensfreude genannt). Ut enim (wie nämlich), cum cibo et potione (wenn durch Speise und Trank) fames sitisque depulsa est (der Hunger und der Durst vertrieben ist), ipsa detractio molestiae (diese Beseitigung der Beschwernis) consecutionem affert voluptatis ( die Folge der Lust; als Folge die Freude herbeibringt), sic in omni re (so in jeder Sache; Hinsicht) doloris amotio (die Entfernung des Schmerzes) successionem efficit voluptatis (bewirkt die Nachfolge der Freude; als Folge die Freude; Lebenslust).
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Glück=Freisein von Irrtum und Unwissenheit.
Glück=Abwesenheit von Unglück (Schmerz).
Glück=Unlustvermeidung bzw. -beseitigung.
Glück=Freisein von Unlust.
Glück=Nicht-Unglück.
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Ihr habt Glück, daß es "murmillo1" gibt. Großes Glück!
Und hier noch etwas zum Aufbauen: Glück-gibt es nicht.
Und: Was ist schwarz und steht vor der Tür?-Eure Zukunft bzw. die nächste Lateinarbeit.
Have a nice day! Don't worry, be happy!
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by TRIBUNUS

MIT CICERO DURCH DIE NACHT: DE FINIBUS I, 33

MULTA NOCTE.

(...)
Et harum quidem rerum (Und von diesen Dingen freilich; allerdings) facilis est et expedita distinctio (gibt es eine leichte und freie (ungehinderte) Unterscheidung). Nam libero tempore (Denn in einer (der) freien Zeit; günstigen Lage; günstigen (Zeit-) Umständen), cum (wenn; dadurch, daß) soluta nobis est eligendi optio (uns eine freie (ungebundene; zwanglose) Möglichkeit (Wahl; Wunsch) des Auswählens ist; wenn...wir haben), cumque nihil impedit (und wenn nichts hindert (uns festhält), quo minus id (wodurch wir das weniger; daß wir das), quod maxime placeat (was besonders gefällt), facere possimus ( machen können), omnis voluptas assumenda (muß (kann) jedes Vergnügen ergriffen angenommen werden), omnis dolor repellendus (jeder Schmerz zurückgestoßen; zurückgewiesen; abgewehrt werden). Temporibus autem quibusdam (In  gewissen Zeiten aber; allerdings unter gewissen Umständen) et aut officiis debitis (und entweder durch (bei) geschuldete(n) Pflichten; schuldige; gebührende Pflichterfüllung) aut rerum necessitatibus (oder durch die Notwendigkeit der Dinge; durch Sachzwänge; Notlage) saepe eveniet (wird es oft geschehen; vorkommen), ut et (daß sowohl) voluptates repudiandae sint (die Sinnengenüsse zurückzuweisen sind) et molestiae non recusandae (und die Beschwerlichkeiten nicht abgelehnt werden dürfen; man darf sich ihnen nicht verweigern!). Itaque earum rerum (Daher; also dieser Dinge) hic tenetur a sapiente delectus (diese Auswahl wird vom Weisen getroffen; "gehalten") , ut aut reiciendis voluptatibus (daß entweder durch die Zurückweisung (Verwerfung) von Vergnügen) maiores alias consequatur (er andere größere erlangt) aut perferendis doloribus (oder durch das Ertragen von Schmerzen) asperiores repellat (schlimmere; größere abwehrt).-
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Spaßbremse Cicero, so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick. Doch in Wirklichkeit will uns Cicero nicht den Spaß am Leben verderben, sondern nur darauf hinweisen, daß man unter dem ehernen Gesetz der "anágke" bisweilen nicht den Vergnügungen nachgeben darf und Mühen ertragen muß. Das ist echt römisch gedacht! Früher dachte man übrigens auch bei uns so. Die heutige weichgespülte Spaßgeneration ist aber nicht mehr hart genug, um sich Gewalt anzutun, wie es NIETZSCHE z.B. fordert ("Werdet hart!" etc.).
Das Ziel eines solchen Vorgehens ist es nun, kein "Minus", sondern ein "Plus" zu machen. Daher trifft der Weise die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten:
a) er verzichtet auf momentane Vorteile, um größere zu erlangen
b) er erträgt Ungemach, um schlimmeres zu vermeiden.
Er will also-getreu dem Motto des Soldatenkönigs- "ein Plus machen"!
An alle nichtsnutzigen Schüer: Habt ihr heute schon "ein Plus gemacht"?-Nein?-Dann wird euch der Zorn des Soldatenkönigs gewiß sein! Et la colère du Roi est terrible!
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by TRIBUNUS (Ende Durchsage)

Sonntag, 2. März 2014

AD COLLEGAM TREVERICUM - CUM RESPONSIONE

1) Danke für das Angebot, doch ich habe beschlossen, "handy-frei" zu leben, wohlwissend, daß dies für viele kein Leben ist. Werde aber morgen "mein Weib" fragen, ob die eins möchte.
2) Auto: Früher war alles besser. Der alte VW lief wie ein deutscher Panzer.
3) Rechnungen: Donald Duck (eines meiner großen Vorbilder) zahlt Rechnungen eigentlich nie!
4) Ganzschriften: Als ich einem meiner Profs einmal sagte, ich hätte mir einen "bestof" von Herodot gekauft, kam der bedrohlich nahe und sagte: Sie müssen GANZSCHRIFTEN lesen; GANZSCHRIFTEN! Haben Sie das verstanden?-Die meisten der heutigen "discipuli inferiores" lesen natürlich keine Ganzschriften mehr, nicht einmal auf deutsch, obwohl sie das besser täten. Der Grund dafür ist natürlich deren erbärmliche Faulheit, die wiederum eine Form der Dummheit darstellt. Doch am Ende bekommen die zum Glück die Rechnung dafür präsentiert.
5) Der Artikel über die Kyrenaiker ist gar trefflich. Außerdem schön und gut sowie auch wahr. Alles dünkt mich nun denn gar wohl gesagt und recht.
6) Diese verdammte Werbung , daß ich Windows reparieren soll, verfolgt mich sogar bis hierher. Wenn ich sie wegklicke, haut es mich oft ganz raus. Trotz Virenscan. Was tun, sprach Zeus? Möge sein Blitzstrahl diese kleinen, billigen Typen vernichten!
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Es lebe das Imperium!

RESPONSIO


  • Bin länger am Hauptwohnsitz und schreibe dort via Telearbeit meine Verse. 
  • Ist "Mischael" jetzt doch plötzlich auf Youtube?!?
  • Ist die lateinische Werbung gut?
  • ad 1: Ok./iO.
  • Der VW Käfer und der VW Bulli. Meine Nachbarn hatten sowas für die Mittelaltermärkte. 
  • Ich musste zahlen, um Mahngebühren zu "sparen". 
  • ad Ganzschriften: Er hat zwar nicht zu 100% Unrecht, aber Profs können leicht reden, wenn sie für ihr Hobby auch noch bezahlt werden.
  • Die Kyrenaiker werden als "5. Philosophenschule" unterschätzt. Offiziell gab es nur 4 Hauptschulen. Ich habe mich schon als Schüler gewundert, dass die Kyrenaiker immer unter "ferner liefen" genannt werden.
  • Der Blitzstrahl des Zeus ist ein Ansatz, ein anderer wäre AntiVir + Spybot - Search & Destroy.
    Damit kannst du mehr Viren spanken als nur mit einem Programm (aber auch nicht zu viele nehmen!).
  • Ich habe mein "Ballpumpenproblem" neu geordnet und biete 1 Pumpe als Langzeitleihe auf 2 Jahre.
  • Habe jetzt einen tollen handgrossen Bouncingball gefunden und neue Schorle- und Teesorten. 


Es lebe das Imperium, aber Tod den Viren!

DE CHATTIS: SECUNDUM R. PÖRTNERUM ("IANITOREM")

RUDOLFUS PÖRTNERUS, ille auctor (scriptor) doctissimus, de Chattis, natio bellicosa Germanorum, hoc nobis narrat:
Dimidio secundo saeculi primi p. Chr. n. Chatti inquietissima (seditiosa) et fortissima civitas Germanorum erant. Quorum virtus in re militari, prudentia, ars militaris versatilis et ratio pugnandi (belli gerendi ratio) prope more Romanorum a Tacito praedicantur. Post mortem Arminii Chatti, hostes veteres Cheruscorum, potestatem novam consecuti sunt. Itaque Romanis magis oneri erant quam iis gratum erat (placitum erat). Ergo Domitianus, ille imperator insanus, contra eos bellavit (illis bellum indicavit; intulit). Anno 83. p. Chr. n. (cum) legionibus quinque, una cohorte praetorianorum auxiliisque inopinantes Chattos aggressus est (improviso Chattos oppressit; subitam incursionem in eos suscipit; suscepit). Domitianus procul (ab) hostibus vitam iucundam luxuriosamque egisse voluptatibus omnino deditus fertur. Ad exercitum (horribile dictu; memoratu) in lectica venit.  Postremo anno 89 p. Chr. n. iterum adversus Chattos bellum gerebat (ad bellum profectus est; arma ferebat adversus Chattos) M. Ulpio Traiano, imperatore postero, comitato (comitatus). Bellum in Chattos factum initium illius limitis praeclari fuisse (omnibus) notum est.
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TEXT BY TRIBUNUS
(scriptum proprium)
Hail Cesar!
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Samstag, 1. März 2014

KYRENAIKER

LINKS:
Epikureer (Kepos)
Stoiker (Stoa)

Die Kyrenaiker bildeten eine antike Philosophenschule, die von Aristipp(os) von Kyrene gegründet wurde.
Aus der Zeit nach Sokrates sind v. a. 4 Philosophenschulen bekannt, die Akademie (Akademiker), der Peripatos, die Stoa und der Kepos. Es gab aber noch einige mehr.
Von den Kyrenaikern sind leider keine Ganzschriften erhalten. Es existieren aber noch einige Fragmente.
Ausserdem verfügen wir über zahlreiche Testimonien (Berichte über Leben und Lehre) aus der Antike.
Einige Hinweise gibt auch die Suda, ein byzantinisches Lexikon.

Die Kyrenaiker haben alle eine gemeinsame Theoretische Grundkonzeption. Zur weiteren - auch theoretischen - Unterteilung kann man aber die Familie des Begründers Aristipp von weiteren Vertretern trennen. Einige sehen in deren Lehren sogar eigene Unterschulen.
Zur philosophisch aktiven Familie des Begründers gehören Aristippos von Kyrene, seine Tochter Arete von Kyrene und deren Sohn Aristippos der Jüngere. Die anderen Vertreter wären Hegesias, Annikeris und Theodoros von Kyrene). Darüber hinaus gibt es noch einige heute fast unbekannte Vertreter wie Antipater von Kyrene, Paraibates und Aristoteles von Kyrene.

Auch die ungefähre zeitliche Einordnung der Schule ist möglich. Aristipp von Kyrene war noch ein Schüler des Sokrates, also gehört er in das 5. und 4. Jhd. Seine Tochter und sein Enkel gehören in das 4. Jhd.
Die weiteren kyrenaischen Nachfolger überschneiden sich in ihrem Wirken mit den Nachkommen Aristipps, wirken aber noch bis in das 3. Jhd. fort. Danach fiel es den Kyrenaikern schwer, sich gegen die Anhänger des Platon und des Aristoteles sowie gegen Stoiker und Epikureer zu behaupten.


Die Lehre der Kyrenaiker: Ethik, Epistemologie, Naturphilosophie

Die Lehre der Kyreniker war, wie gesagt, ziemlich einheitlich. Einige Abgrenzungslinien sind aber erkennbar.
Im Zentrum steht die Ethik. Darin orientiert sich die Schule des Aristippos an dessen Lehrmeister Sokrates.
Andere Bereiche der Philosophie wie die Erkenntnislehre (Epistemologie), die Dialektik oder die Naturphilosophie kommen vor allem dann zum Tragen, wenn sie für die Ethik von Relevanz sind.
Eine Beschäftigung mit der Naturphilosophie und speziell der Physik allein galt als wenig nützlich.

Die Ethik wurde in fünf Teilbereiche unterteilt:

- Von dem, was zu erstreben (airetṓn) und zu meiden (pheuktṓn) ist.
- Von den Empfindungen (pathṓn).
- Von den Handlungen (práxeōn).
- Von den Ursachen (aitíōn). [Physik?]
- Von den Beweisen (píseōn).

Man sieht hier, dass einige Punkte auch auf nicht-ethische Disziplinen führen. Bei der Erörterung der "Ursachen" kamen vermutlich auch naturphilosophische und physikalische Themen zur Sprache, bei den Beweisen auch dialektische und logische. Die kyrenaische Erkenntnistheorie ist in Testimonien belegt.


Ethik

Das System der kyrenaischen Ethik geht von der bereits erwähnten Einteilung in fünf Teilbereiche aus.
Die Eigenschaften gut und schlecht sind ausserdem für die Kyrenaiker nur an Empfindungen zu finden. 
Erkenntnistheoretisch kann es ja keine guten und schlechten Dinge geben. 
Gute Empfindungen werden bei den Kyrenaikern mit lustvollen (hēdú) gleichgesetzt, schlechte mit schmerzvollen (lypērón). Das sehe man daran, dass alle Lebewesen die Lust suchten und den Schmerz zurückwiesen. Demnach ist die Lust das "höchste Gut" und das "Ziel all unseres Tuns (télos)". 
Physikalisch betrachtet seien Lust und Schmerz Bewegungen (Qu: Diogenes Laertios, Sextus Empiricus).
Sanfte Bewegungen werden als lustvoll, rauhe als schmerzhaft empfunden. Einige Kyrenaiker gingen auch von einem dritten Zustand aus, in dem keiner der beiden Empfindungen verspürt werde.
Diese Lustphilosophie wird heute allgemein als Hedonismus bezeichnet. In der philosophischen Diskussion wurde immer wieder darüber gestritten, wie intensiv die Lust und das Streben nach ihr sein sollten.


Im Gegensatz zu den anderen philosophischen Strömungen der Zeit war für die Kyrenaiker die Glückseligkeit (eùdaimonía) nicht das Ziel allen Tuns. Die Eudaimonie war für sie nämlich ein kaum erreichbarer Zustand der ewigen Aneinanderreihung von Lustempfindungen. Stattdessen solle man zeitlich begrenzte Lustempfindungen erreichen. Die Kyrenaiker liessen es dabei offen, wie die Lust erreicht werden könne und ob die Gesellschaft dieses billige. Sie trennten hier nicht "anständig" und "unanständig". 
Die als höchstes Gut angesehene körperliche Lustempfindung war für die Kyrenaiker ein körperlicher und seelischer Prozess. Ein von aussen kommender Impuls löst dabei eine innere Bewegung aus. 

Laut Diogenes haben die Kyrenaiker auch eine als tiefer stehend gedachte rein seelische Form der Lust gekannt, die chará. Dazu gehörten der Patriotismus und der Kunstgenuss. 

Da für die Kyrenaiker die Lust das höchste Gut war, schrieben sie anderen Dingen einen geringeren Wert zu. Reichtum, Freundschaft und Einsicht (phrónēsis) erhalten ihren Wert dann, wenn sie auf Lust bezogen sind. 
In manchen Fällen sieht man z. B. besser ein, dass es besser ist, gesellschaftliche Situationen einzuhalten, auch wenn diese willkürlich sind. 

Man sollte aufgrund dieser Einsicht auch bestimmte Gefühle wie Neid, Verliebtheit und Aberglauben meiden, da sie mit Schmerz verbunden sind. Diese Gefühle seien aufgrund leerer Einbildungen entstanden, von denen man sich auch durch Einsicht befreien könne. 
Neid ist auch eine Einbildung. Verliebtheit ist auch eine Einbildung, weil man glaubt, man könne nicht ohne die Zuneigung einer anderen Person auskommen. Aberglaube ist auch eine Einbildung, nämlich dass man mächtigeren und strafenden Wesen untergeordnet sei. 
Eine andere Art von Gefühlen sind Kummer (lýpē) und Angst (phóbos). Hierbei handelt es sich um keine leeren Einbildungen, sondern um natürlich (physikṓs) zustande gekommene Gefühle.  
Auch
Cicero berichtet in seinen Tusculanae Disputationes, dass man Kummer manchmal vorhersehen und abwenden könne. Dieses Vorherbedenken wird lateinisch "praemeditatio" genannt. Neben mentalem Training empfahlen die Kyrenaiker aber auch körperliches Training (áskēsis).

Aristippos von Kyrene soll als erster den Begriff der Menschlichkeit (anthropismós) in die Philosophie eingeführt haben. Laut mehrerer Quellen hat er auch einen Kosmopolitismus vertreten (Xenophon, Teles von Megara und Plutarch).

Als Hedonisten hatten die Kyrenaiker einen grossen Einfluss auf Epikur und die Epikureer. Da sie nicht zu den 4 "klassichen" Philosophenschulen des Hellenismus gehörten, sind sie bei dieser Thematik leider hinter den Epikureeismus zurückgetreten.


Erkenntnislehre (-theorie)
Die kyrenaische Erkenntnislehre wird bei Sextus Empiricus beschrieben. Im Zentrum steht die These: "Allein die Empfindungen (páthē) werden erkannt und sind untrüglich, von den Dingen, die die Empfindungen hervorgerufen haben, ist dagegen keines erkennbar und untrüglich." Daran ändert sich auch nichts, wenn verschiedene Menschen die gleiche Aussage über die Beschaffenheit eines Dinges tätigen und diese mit "gemeinsamen Wörtern/Begriffen" (koinà onómata) bezeichnen. Nach Ansicht der Kyrenaiker sind zuverlässige Aussagen über die Beschaffenheit der Dinge unmöglich und die Dinge unerkennbar.
Das Zustandekommen von Empfindungen wird als körperlich-seelischer Vorgang betrachtet. Durch die Einwirkung äusserer Gegenstände und Ereignisse werden im Körper Bewegungen (kinḗseis) ausgelöst. Diese werden über die Sinnesorgane in die Seele übermittelt und kommen dort als Empfindungen an. Die Kyrenaiker haben angeblich Sätze wie "Ich sehe etwas Weisses" durch "Ich werde geweisst" ersetzt, um zu zeigen, dass der betreffende Gegenstand nicht die Eigenschaft "weiss" hat. Dieser Ansatz entspricht Erkenntnissen der modernen Optik, nach der eine Farbe keine feste Eigenschaft eines Gegenstandes ist. Allerdings hängt die Farbwahrnehmungen nicht nur vom empfangenen Subjekt ab, sondern auch von der Wellenlänge des auf den Gegenstand auftreffenden Lichtes und von der Oberfläche des Gegenstandes. Allgemeiner sagten die Kyrenaiker: "Ich werde von etwas in einer bestimmten Weise bewegt."