Murmillo-Archiv

Donnerstag, 7. Februar 2013

TITUS LIVIUS: AB URBE CONDITA, (1. DEKADE), LIB. V, 37: DIE SCHLACHT AN DER ALLIA (390 v.): Teil1
(...)
Sed antecedente fama (Doch während das Gerücht vorauslief) nuntiisque Clusinorum deinceps (zunächst  durch die Boten der Clusiner) inde aliorum populorum (von da an die anderer Völker; sodann...)
(oder: und die Botschaften zunächst der Clusiner, von da an die der anderen Völker)
plurimum terroris (sehr viel Schrecken; gen. partitivus) Romam celeritas hostium tulit (trug die Schnelligkeit der Feinde nach Rom), quippe quibus (denen ja) velut  tumultuario exercitu raptim ducto (nachdem gleichsam ein rasch zusammengerafftes Heer geführt worden war; gleichwie, nachdem...; wie bei einem...) aegre ad XI lapidem (kaum bis zum 11. Grenzstein) occursum est (entgegengelaufen worden ist; entgegenmarschiert worden ist), qua flumen Allia (wo der Fluß Allia) Crustuminis montibus (in den "crustuminischen" Bergen; von den...) praealto defluens alveo (in einem sehr tiefen Flußbett herabfließend), haud multum infra viam (nicht viel (weit) unterhalb des Weges; der Straße) Tiberino amni miscetur (sich mit dem Fluß (Strom) Tiber vermischt; dat.; in den Tiber mündet). Iam omnia (Schon alles) contra circaque (gegenüber und ringsherum) hostium plena erant (war voll von Feinden), et nata in vanos tumultus gens (und der Volksstamm, zu prahlerischem Aufruhr geboren) truci cantu (mit wildem Gesang) clamoribusque variis (und verschiedenartigem Geschrei) horrendo cuncta complevaerant sono (hatte alles mit schrecklichem Lärm erfüllt; Plural, da ein Stamm aus vielen Individuuen besteht).
---
So waren sie halt, die alten Gallier!
Crustumerium: sabinische Stadt nördlich von Rom.
---
Immer mehr Lehrer fordern wieder (zu Recht?), daß der Schüler in der Lage sein müsse, LIVIUS zu bewältigen. Dahinter steht, daß das Niveau unbedingt zu halten sei und das Abitur verdient werden müsse.
Die Realität sieht leider weniger erfreulich(=betrüblich) aus. Die meisten Zöglinge sind ja schon von Caesar geistig überfordert, und viele kleine Geister würden am liebsten schon  auf dem Lehrbuchniveau von der Fahne gehen.
Wer also LATEIN in der Oberstufe wählt, muß damit rechnen, mit LIVIUS konfrontiert zu werden, was den meisten nicht sehr bekommen wird (das verspreche ich euch jetzt schon, ohne Prophet zu sein!).
Denn von den drei Historikern CAESAR, TACITUS, LIVIUS, gilt LIVIUS  als der schwerste!
(NEPOS zählt nicht!)
---
Euer Imperator


OVIDIUS: METAMORPHOSEN XI, 774-795: AESACUS (TEIL 2; FORTSETZUNG):...quam Troius heros...

Der Text war Abiturprüfung in Baden-Württemberg 1998, Leistungskurs, 4-stündig (Poetische Texte, Interpretation). Er möge hier als Entscheidungshilfe dienen, ob man Latein für die Oberstufe wählen solle oder nicht.
Liebe Freunde der lateinischen Sprache, hier ist nun das Ende der Aesacusgeschichte.

...quam Troius heros
insequitur (diese (die Nymphe) verfolgt der troische Held) celeremque metu (und die durch Furcht Schnelle) celer urget amore (bedrängt der durch Liebe Schnelle; treibt in die Enge).
Ecce latens herba coluber (Siehe, eine Schlange, die sich im Gras versteckt; verbirgt) fugientis adunco
dente pedem strinxit (streifte mit ihrem gebogenen Zahn den Fuß der Fliehenden; biß in...) virusque in corpore liquit (und ließ ihr Gift in ihrem Körper zurück);
cum vita (zusammen mit dem Leben) suppressa fuga est (ist die Flucht aufgehalten worden): amplectitur amens (er umarmt von Sinnen)
exanimem (die Entseelte) clamatque (und schreit): "Piget, piget esse secutum!" (Es reut mich, es reut mich gefolgt zu sein!...sie verfolgt zu haben!).
Sed non hoc timui (Doch dies habe ich nicht gewollt), neque erat mihi vincere tanti (und es war mir nicht so viel wert zu siegen; der Preis war zu hoch!)
Perdidimus miseram nos te duo (Wir beide/ zwei haben dich Arme vernichtet; zugrunde gerichtet): vulnus ab angue (die Wunde von der Schlange),
a me causa data est (von mir ist die Ursache gegeben worden). Ego sum sceleratior illo (Ich bin frevelhafter als jene; schuldiger),
qui tibi morte mea (der ich dir durch meinen Tod) mortis solacia mittam (Trost für deinen Tod schicke; schicken möchte; obwohl ich dir...; concessiv; sühnen möchte)."
Dixit et e scopulo (Sprach's und von der Klippe), quem rauca subederat unda (die die tosende Welle unterhöhlt hatte; die die brausende Woge ausgehöhlt hatte),
se dedit in pontum (stürzte er sich ins Meer); Tethys miserata cadentem
molliter excepit (Tethys fing, weil sie Mitleid hatte; aus Mitleid; den Fallenden sanft auf) nantemque per aequora pennis
texit (und bedeckte; bekleidete; den durchs Meer Schwimmenden mit Federn), et optatae non est data copia mortis (und die Möglichkeit des gewünschten Todes ist nicht gegeben worden).
Indignatur amans (Der Liebende entrüstet sich) invitum vivere cogi (gezwungen zu werden, gegen seinen Willen zu leben; daß er gezwungen wird...)
obstarique animae (und daß der Seele im Wege gestanden wird; daß sie daran gehindert wird) misera de sede (aus dem elenden Wohnsitz) volenti (der wollenden; scil. Seele; obwohl sie es will)
exire (herauszugehen); utque novas umeris adsumpserat alas (und wie er an den Schultern neue Flügel angenommen hatte; bekommen hatte),
subvolat (fliegt er in die Höhe) atque iterum (und zum zweiten Mal) corpus super aequora mittit (wirft er den Körper über die Meeresfläche hin).
Pluma levat casus (Das Gefieder macht den Fall leicht; erleichtert; vermindert). Furit Aesacus (Aesacus rast vor Wut) inque profundum (und in die Tiefe)
pronus abit (vorwärts geneigt geht er weg; stürzend; er stürzt kopfüber) letique viam (und den Weg zum Tod) sine fine retemptat (versucht er ohne Grenzen; Ende; wieder).
Fecit amor maciem (Die Liebe bewirkte Magerkeit); longa internodia crurum ("lange Gelenkhöhlungen der Beine"; svw. lange Beine zwischen den Gelenken),
longa manet cervix (es bleibt ein langer Hals), caput est a corpore longe (und der Kopf ist vom Körper fern);
aequor amat (er liebt das Meer), nomenque manet (und der Name bleibt), quia mergitur (weil er untertaucht; medium pass.), illi (jenem).
---
d.h. der Name "mergus"=Taucher-, Wasservogel kommt von daher, daß er taucht.
Es handelt sich hier also um einen sog. aitiologischen Mythos. Ovid erklärt, woher der Tauchervogel und sein Name kommt.
Wer's glaubt, wird selig!
---
Der Text enthält folgende stilistische Besonderheiten: Epanalepse (Geminatio), Inversion, Hyperbata, Chiasmus, Antithese, Rahmenstellung, Alliteration, Polyptoton.
(siehe auch mein Essay: Das Polyptoton und seine Bedeutung für das praktische Leben und die moralische Reifung des Zöglings; Hofheim im Ried, New York, 1977.)
---
SIR R



Mittwoch, 6. Februar 2013

DIE EREIGNISSE IN GERMANIEN (7): DIE LANGEN BRÜCKEN (3): TACITUS: AB EXCESSU DIVI AUGUSTI I, 65: Nox per diversa...

Es folgte eine unruhige Nacht. Die Germanen taten dies, was sie neben dem Kämpfen am besten konnten: fressen, saufen und gröhlen. Das Tal und die Wälder waren von den Freudengesängen der Germanen erfüllt. Wahrscheinlich sangen sie allesamt falsch nach einigen Bieren zuviel.
Ganz anders die Stimmung bei den Römern: Von Party keine Spur. Wahrscheinlich "ging ihnen die Muffe eins zu tausend"!
"Nox (die Nacht) per diversa (aus verschiedenen Gründen) inquies ((war) unruhig), cum barbari (als/ weil die Barbaren) festis epulis (bei Festmahlen), laeto cantu (mit fröhlichem Gesang) aut truci sonore (oder mit wildem Lärm) subiecta vallium (die Niederungen; Talgründe; subiectus=unterhalb liegend) ac resultantis saltus (und die wiederhallenden Waldberge) complerent (erfüllten), apud Romanos (bei den Römern) invalidi ignes (schwache Feuer), interruptae voces (unterbrochene Laute), atque ipsi (und sie selbst) passim adiacerent vallo (lagen überall am Wall), oberrarent tentoriis (irrten bei den Zelten herum), insomnes magis (mehr schlaflos) quam pervigiles (als wachsam)."
Man sieht: ARMINIUS wußte für Stimmung zu sorgen. Immer lustig!
Der Feldherr der Römer dagegen hatte keine "sweet dreams". Er träumte nämlich, daß der unglückliche VARUS blutbefleckt aus dem Sumpf auftauchte, ihm die Hand entgegenstreckte und ihn rief.
Welcome to your nightmare!
"Coepta luce (Bei Tagesanbruch; "bei begonnenem Licht") missae in latera legiones (die auf die Seiten gestellten Legionen), metu an contumacia (aus Furcht oder Eigensinn; Trotz; Widerspenstigkeit), locum deseruere (verließen den Platz; Ort), capto propere campo (nachdem eilig ein Feld besetzt worden war) umentia ultra (jenseits der Sümpfe)."
---
Die hatten halt keine Lust mit nassen Füßen zu kämpfen.
Dazu v. TIPPELSKIRCH:
"Tacitus war kein Soldat; mag sein, daß er darum den wahren Grund für den Abmarsch der Flügellegionen nicht erkannte. In der Tat hatte ihr Abmarsch unmittelbar keine schlimmen Folgen für die beiden anderen Legionen, denn die Germanen nutzen den Abzug der Legionen an den beiden Flügeln nicht aus--"
Doch ARMINIUS war ja nicht blöd. Er griff erst an, als sich die Ordnung der Römer aufzulösen begann.
---
ARMINIUS war ein guter Mann und ein fähiger Anführer. Hätte bei ihm sofort mitgemacht. Leider 2000 Jahre zu spät!
ARMINIUS hatte Charisma und "fortune". Dies geht unseren heutigen Politkern oft ab. (Anm. der Anm: Gegen einen Mann wie Arminius wirken sie deshalb eher wie traurige Witzfiguren. Sad, but true!)
---
SIR R


Dienstag, 5. Februar 2013

DIE EREIGNISSE IN GERMANIEN (6): AN DEN LANGEN BRÜCKEN (2): TACITUS, AB EXCESSU DIVI AUGUSTI, I, 63f.: Caecina dubitanti...

"Caecina dubitanti (Dem zweifelnden Caecina; der im Zweifel war), quonam modo (auf welche Art denn) ruptos vetustate pontes (die durch Alter zerbrochenen Brücken) reponeret (er sie wiederherstellen sollte) simulque (und zugleich) hostes propulsaret (die Feinde zurückschlagen könnte/ sollte), castra metiari (ein Lager abzustecken) in loco (an der Stelle) placuit (gefiel ihm; bezogen auf "Caecina dubitanti"), ut opus (damit sie die Arbeit; das Werk; scil. an den Brücken) et alii proelium inciperent (und andere den Kampf beginnen konnten)."
TACITUS, I, 63.
Alles schön und gut, doch die Germanen hielten nicht viel vom Aktivismus und von den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Römer und griffen immer wieder an. Besonders auf die Schanzarbeiter hatten sie es abgesehen. Für die Legionäre, denen das Wasser schon fast bis zum Hals stand und die immer mehr im morastigen Gelände versanken, wurde es zunehmend ungemütlich.
"Et cuncta (Und alles) pariter Romanis adversa (war für die Römer in gleicher Weise ungünstig; widrig): locus uligine profunda (ein Ort von "tiefer Feuchtigkeit"; mit einem tiefen Morast), idem ad gradum instabilis (derselbe=ebenso für den Schritt instabil; schwankend), procedentibus lubricus (schlüpfrig für die Vorwärtsschreitenden); corpora gravia loricis (die Körper schwer durch die Brustpanzer); neque librare pila (und auch nicht die Pilen=Wurfspeere schwingen; im Gleichgewicht halten) inter undas poterant (konnten sie zwischen den Gewässern). Contra Cheruscis sueta (Dagegen; hingegen (waren) den Cheruskern gewohnt) apud paludes proelia (Kämpfe in den Sümpfen), procera membra ((sie hatten) hohe; hochgewachsene; schlanke Glieder= Körper), hastae ingentes (ungeheuer große Lanzen) ad vulnera facienda (um Wunden zu machen=verursachen, schlagen) quamvis procul (wenn auch noch so (sehr); obgleich aus der Ferne, von fern=aus jeder beliebigen Entfernung!)"
TACITUS, I, 64.
Dann kam die Nacht. Doch die Germanen legten sozusagen eine Nachtschicht ein und leiteten die Bäche von den Höhen in die Niederungen. Dies hatte zur Folge, daß aufgeworfene Erde und Verschanzungen weggeschwemmt wurden. Doppelte Arbeit für die Legionäre. Doch Caecina blieb "cool". Schließlich hatte er schon 40 Dienstjahre auf dem Buckel und einiges erlebt.
"Quadragesimum id stipendium (Das 40. Dienstjahr) Caecina (C.) parendi aut imperitandi (des Gehorchens und Kommandierens="teils in niedrigen, teils in höheren Stellen", Goldmann) habebat (hatte), secundarum ambiguarumque rerum sciens (der günstigen und der schwankenden; mißlichen; unsicheren Verhältnisse kundig; erfahren in...) eoque interritus (und daher unerschrocken; unerschütterlich; "cool"; sagte ich doch!)."
TACITUS, I, 64.
Hören wir, was "Freund" v. TIPPELSKIRCH zu verkünden hat:
"Am nächsten Tag mußten die Arbeiten an den Brücken und Dämmen fortgesetzt werden. Wiederum mußten Sicherungstruppen hinein in Dickicht und Sumpf. Dort wimmelte es jetzt nicht nur von Schlangen und Mücken, sondern auch von nackten, rötlich blonden Schlagetoten. Und noch eins kam hinzu: die Pfützen und Tümpel waren über Nacht größer geworden. An vielen Stellen, wo gestern noch fester Grund gewesen war, erstreckte sich nun ungangbarere Sumpf. Es war ein Rätsel. Denn das Wetter war noch immer trocken und warm. Es blieb ein Rätsel, bis die Legionäre in der kommenden Nacht wiederum Axtschläge, und diesmal in größerer Nähe vernahmen. Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen: die Germanen fällten Bäume, um mit ihnen die Bäche und den Fluß aufzustauen. Darum stieg das Wasser! Darum wurde Sumpf, was vordem Weg gewesen war."
Clever, meinen wir!
Doch was tat Caecina. Er überlegte erst einmal. "Was tun", sprach Zeus. Dann kam ihm die rettende Idee. Er mußte den Feind in den Wäldern aufhalten, um Zeit für den Abtransport der Verwundeten und der schweren Teile des Heereszuges zu gewinnen. Also stellte er zwischen den Sümpfen und den Bergen eine schmale Kampflinie auf:
"nam medio montium et paludum (denn in der Mitte zwischen den Bergen und den Sümpfen) porrigebatur planities (erstreckte sich; dehnte sich eine Ebene aus), quae tenuem aciem pateretur (die eine dünne Kampflinie zuließ). Deliguntur  legiones (Die Legionen werden ausgewählt; als Legionen) quinta dextro lateri (die fünfte für die rechte Seite) undevicesima in laevum (die 19. nach links), primani ducendum ad agmen (die Soldaten der ersten Legion, um den Heereszug zu führen) vicensimanus adversum secuturos (die 20. gegen die Verfolger; Nachfogenden)."
TACITUS I, 64.
Man sieht, die Römer waren Sicherheitsdenker ("controlfreaks" würden wir heute sagen). Ihre Stärke lag in der Ordnung und im Drill. Dies garantierte für Sicherheit und erhöhte Schlagkraft-jedenfalls in der Theorie. Doch, wie wir alle wissen, ist die Realität ein wenig anders als die Marlboro-Werbung. Das zeigt die "clades Variana" ganz deutlich. Und auch hier (in unserem Beispiel) war es recht brenzlig.
Manöverkritik: Es ist ein grober Planungsfehler, die Marschroute durch ein sumpfiges Wiesental zu wählen. Daß die langen Brücken längst verrottet waren, hätte man wissen müssen. Wenn man schon so blöd ist und da durchmarschiert, hätte man vorher ordentlich aufklären sollen, d.h. mit Reitern (Aufklärern) die Wälder durchkämmen müssen. Sonst wird das nix, Mister Caecina!
---
Euer Imperator (der das alles besser gemacht hätte, und zwar mit deutscher Gründlichkeit!)




Montag, 4. Februar 2013

DIE EREIGNISSE IN GERMANIEN (5): AN DEN LANGEN BRÜCKEN (1): TACITUS: AB EXCESSU DIVI AUGUSTI I, 63: Mox reducto ad Amisiam...

Mittlerweile war es Herbst geworden und das Wetter wurde immer schlechter. Es war Zeit für die Flotte, sich auf den Heimweg zu machen. GERMANICUS beschloß daher, zum Schiffslager an der EMS zu marschieren. Wahrscheinlich führte ihn sein Weg durch die Senke zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge hindurch in Richtung auf das heutige Osnabrück. Überall gab es Auwälder und Sümpfe. Das war sicher nicht lustig und keine vergnügliche Klassenfahrt. Endlos, das ist der Marsch!
Dann gelangte das Heer an den Fluß HASE, wo das Land der CHAMAVEN begann. Diese waren ein Teilstamm der CHAUKEN.
Vom Lager an der EMS kam schließlich dem UNTEREN HEER auf der HASE ein Flotte von Kähnen entgegen, die Proviant geladen hatten. Von da sollte das UNTERE HEER nach VETERA zurückgeführt werden. Der Chef des Vereins war der schon erwähnte LEGAT CAECINA.
Das OBERE HEER hatte es besser erwischt. Es sollte per Schiff zurückfahren.
Dann wurde wieder einmal marschiert. Marschrichtung: Südwest. Endlos ist der Marsch!
1. Marschtag: durch offenes Gelände; Marschlager in der Nähe bewaldeter Höhenzüge
2. Marschtag durch die Wälder; am Nachmittag: Meldung durch Reiterspitze, man habe DIE LANGEN BRÜCKEN erreicht.
Diese bestanden aus Knüppeldämmen und Brücken durch ein langgezogenes, versumpftes Wiesental hindurch, das von bewaldeten Höhen begrenzt war. Das Tal war an manchen Stellen sehr eng, an anderen breit (bis zu 3 km). Durch das Tal hindurch floß ein kleiner Fluß, der sich immer wieder verzweigte. Von den Höhen flossen Bäche herab, die in diesen mündeten.
Gebaut hatte die Anlage der STATTHALTER LUCIUS DOMITIUS AHENOBARBUS (um die Zeitenwende). Seitdem war sie mehr oder weniger zerfallen. Deswegen mußte sie erst einmal instand gesetzt werden. Also: die Werkzeugkoffer auf!
TACITUS berichtet Ann. I, 63:
Mox reducto ad Amsiam exercitu (Nachdem dann (hernach) das Heer an die Ems zurückgeführt worden war), legiones classe (die Legionen durch die Flotte), ut advexerat (wie er sie herbeigebracht hatte), reportat (bringt er sie zurück). Caecina (C.), qui suum militem ducebat (der sein Heer führte), monitus (gemahnt), quamquam (obwohl) notis itineribus (auf bekannten Wegen) regrederetur (er zurückkehrte), pontes longos (die langen Brücken) quam maturrime superare (möglichst zeitig; schnell; zu überschreiten). Angustus is trames (Dieser (war) ein enger Seitenweg; Pfad) vastas inter paludes (zwischen weiten Sümpfen) et quondam (und einst) a L. Domitio (von L. Domitius) aggeratus (dammartig aufgeschüttet; aufgedämmt). Cetera limosa (Das Übrige war schlammig; schlammiges Erdreich), tenacia gravi caeno (zäh durch "schweren Schmutz"=zäher,  tiefer Morast) aut rivis incerta erant (oder aufgrund von Bachläufen unsicheres Gelände); circum silvae paulatim adclives (ringsum gab es allmählich ansteigende Wälder), quas tum ARMINIUS implevit (die damals; jetzt; Arminius "ausfüllte"=besetzt hielt; Goldmann), compendiis viarum (auf kurzen Wegen; Richtwegen; wörtl: "auf Ersparnissen/ Vorteilen der Wege") et cito agmine (und durch schnellen Marsch) onustum sarcinis armisque militem (unser durch (Marsch-)Gepäck und Waffen beladenes Heer) cum antevenisset (weil er ihm=dem Heer zuvorgekommen war)."
VON TIPPELSKIRCH erzählt an dieser Stelle die Geschichte eines SIGNIFERS der XXI. LEGION, der den Auftrag hatte, mit 10 Mann den rechten Talrand auszukundschaften. An einem Tümpel sahen die Legionäre eine mindestens 2 Meter lange Ringelnatter. Das Tier verweilte kurz. Dann verschwand es wieder im Tümpel. Zunächst dachten die Legionäre, die Schlange sei vor ihnen geflohen. Doch dann hörten sie, wie sich etwas im Schilf bewegte. Dann flog ein Wurfspeer und ein Horn ertönte. Es waren die Germanen.
In der darauffolgenden Nacht sahen die Posten des Lagers die Wachtfeuer der Germanen.
Es muß eine unheimliche Stimmung gewesen sein!-Willkommen im schönen Germanien!
---
Der Imperator

ERNENNUNG

Mein COLLEGA wird in Anbetracht seiner Verdienste um die GETREIDEVERSORGUNG (ANNONA) hiermit und für alle Zeiten in den Rang eines KURULISCHEN ÄDILS respektive PRAEFECTUS ANNONAE erhoben. So sei es!

Euer Imperator


Habet Dank, o IMPERATOR!

Euer Collega

Sonntag, 3. Februar 2013


GETREIDEVERSORGUNG IM RÖMISCHEN REICH



Die Getreideversorgung wurde im Römischen Reich vom Praefectus annonae kontrolliert.

Mit Annona meinte man in der Antike die Getreidezufuhr nach Rom oder in die Landstädte (Municipien).
Annona war ursprünglich der jährliche (Getreide-)Ertrag. Der Begriff Annona civica bezog sich auf die Getreide- und Naturalienlieferungen aus dem Ausland (Sardinien, Sizilien; Nordafrika, Ägypten).

Die Aufsicht über die Getreidevorräte in Rom oblag der Cura annonae. Diese Aufgabe wurde in republikanischer Zeit von den kurulischen Ädilen wahrgenommen. Nach dem Zweiten Punischen Krieg nahm die Bevölkerung in Rom zu und der Getreideanbau ab. Deshalb musste der Getreidebedarf auch aus Sardinien und Sizilien, später aus Nordafrika und noch später aus Ägypten gedeckt werden.
Der Staat sollte für eine ausreichende Getreidemenge zu einem überschaubaren Preis sorgen. Mit der ausgehenden Republik und Beginn des Prinzipats gab es auch kostenlose Getreidespenden.
Eine grosse Rolle spielten bei der Durchsetzung dieser Getreidegesetze Gaius Sempronius Gracchus und Publius Clodius Pulcher. Caesar hat dann die Zahl der Empfangsberechtigten aus Kostengründen gesenkt (auch politisch), Augustus wieder erhöht. Unter Augustus wurde die Getreideversorgung dann weiter professionalisiert. Augustus liess Magazine anlegen und Marken ("tessera [-ae]") an Bedürftige austeilen.
Eine weitere Professionalisierung und Ausweitung fand unter Septimius Severus und Aurelianus statt. Unter Diokletian wurde der Naturalhandel erneut wichtig, weil es zu einer Geldentwertung kam und unter Konstantin wurde der Reichsschwerpunkt in den Osten verlegt und die Lebensmittelversorgung diversifiziert.

Die Getreideversorgung wurde immer auch als Politikum eingesetzt. Die Herrscher der Republik wollten - zumal in den Bürgerkriegen des 1. Jhd.s v. Chr. - Teile der Bevölkerung auf ihre Seite ziehen und die Anhänger des Gegners unter Druck setzen. So blockierte Pompeius Häfen, um seine Gegner von der Getreidezufuhr abzuschnüren. Im Prinzipat versuchten nicht nur Kaiser wie Augustus, die Bevölkerung durch Getreidezufuhr für sich einzunehmen, sondern auch Familien aus den alten politischen Eliten.



DETAILLIERTE DARSTELLUNG:

Die Cura annonae hatte die Aufgabe, die stadtrömische Bevölkerung mit Getreide zu versorgen.
"In der entwickelten Form bezeichnet die Cura annonae die Einziehung des Getreides in den Provinzen (Ägypen und Nordafrika), den Transport des Getreides nach Rom sowie die Lagerung und freie Verteilung an etwa 200.000 Menschen in der Stadt." (Neuer Pauly)

Die Abhängigkeit Roms von den Getreidelieferungen aus der Provinz verschärfte sich nach dem Zweiten Punischen Krieg ab dem 2. Jhd. v. Chr., weil die Bevölkerung immer stärker anwuchs, während der Getreideanbau abnahm. Die politische Administration griff daher immer stärker in die Getreideversorgung ein.
Als erster Schritt wurde die nach dem Ersten Punischen Krieg 241 v. Chr. (227 Prätur -> Provinz) erworbene Provinz Sizilien 210 v. Chr. neu geordnet und musste Getreide als Steuer zahlen. Ähnlich verhielt es sich mit Sardinien und Korsika (237 v. Chr; Provinz seit 227). Nach dem Dritten Punischen Krieg geschah dasselbe 146 v. Chr. mit der Provinz Africa.
Damit war zwar die Getreideversorgung weitgehend sichergestellt, doch nun stellte sich die Verteilungsfrage: Das zur Verfügung stehende Getreide war für die Stadt Rom, ggf. für die Municipien und für die Legionen bestimmt. Darüber hinaus musste aber geklärt werden, wer innerhalb Roms Zugang zum Getreide erhielt.
Damit war die Logistik der Getreideversorgung mit politisch-sozialen Spannungen verknüpft.



Die von den Gracchen angestossenen Reformgesetze wirkten sich deshalb auch in der Getreideversorgung aus: Das Frumentargesetz von Gaius Sempronius Gracchus setzte den Getreidepreis auf 6 1/3 as pro modius für römische Bürger fest und plante den Bau von öffentlichen Getreidespeichern. Damit wollte er den Forderungen der "plebs urbana" entgegenkommen. Bei den Senatoren war dagegen das Thema der öffentlichen Getreideversorgung unbeliebt, obwohl der Druck der Bevölkerung sehr gross war (von 81 - 73 v. Chr. wurde die Versorgung sogar unterbrochen).
Einen weiteren Schub für die öffentliche Getreideversorgung kam durch die lex Clodia frumentaria des Publius Clodius Pulcher im Jahre 58 v. Chr. Das von der Republik verteilte Getreide war nun weitgehend umsonst. Als sich trotzdem weitere Ausschreitungen andeuteten, übertrug der Senat im Folgejahr Pompeius umfassende Vollmachten für 5 Jahre. Die Zahl der Getreideempfänger stieg in den nächsten Jahren zunächst beträchtlich, bis Caesar sie 46 v. Chr. aus Kostengründen und vielleicht auch als Massnahme gegen seine politischen Gegner von 320.000 auf 150.000 reduzierte. Unter Augustus schwankte die Zahl: Zuerst wurde sie wieder auf die vorcaesarianische Zahl angehoben und dann nach einem "recensus" auf 200.000 verringert. Dort blieb sie lange konstant. Als Konstantinopel im 4. Jhd. Hauptstadt der Östlichen Reichshälfte wurde, wurde auch hier eine kostenlose Getreideversorgung eingeführt.

Als Augustus seine Macht konsolidiert hatte, erkannte er, dass er auch die Getreideversorgung optimieren musste. Als sich 22 v. Chr. aufgrund von Versorgungsmängeln Unruhen der "Plebs urbana" andeuteten, übernahm er nach dem Vorbild des Pompeius die curatio annonae. Die Aufsicht über die Getreideversorgung wurde zuerst zwei ehemaligen (gewesenen) Prätoren und dann zwei Consularen übertragen. Erst in den letzten Regierungsjahren des Augustus wurde ein Praefectus annonae ernannt. Dieser Posten wurde üblicherweise von einem Ritter (eques) bekleidet und war für diesen Stand eines der wichtigsten Ämter. Mit der Zeit entstand eine professionelle Verwaltung, die die Getreideempfänger in Listen erfasste und Berechtigungsmarken, sogenannte "tesserae frumentariae" ausstellte. Das auf dem Seeweg gelieferte Getreide wurde in Magazinen, den sogenannten Horreen (horreum, horrea) gespeichert.
Durch die Bestimmungsmacht, wer Zugang zu solchen Listen haben durfte, erwuchs auch eine politische Macht der Verantwortlichen. Auf jeden Fall wollten die Herrscher in der Republik und dann die Kaiser mit diesen Versorgungsmassnahmen grosse Teile der Bevölkerung für sich einnehmen. Die Einwohnerzahl Roms in der augusteischen Zeit wurde auf ungefähr 800.000 geschätzt. Bei der Verteilung ging es aber nicht in erster Linie um Bedarf, sondern um sozialen Status der Empfänger.
Eine Ration von 5 modii (ca. 33 kg) reichte monatlich für knapp 2 Personen aus. Verteilt wurde das Getreide nur an in Rom ansässige Vollbürger. Frauen, Sklaven und Kinder bis 10 oder 13 Jahren (zumindest bis Trajan) waren ausgeschlossen.
Man geht daher davon aus, dass 200.000 empfangsberechtigten römischen Bürgern 600.000 nicht empfangsberechtigten Bürgern gegenüberstanden.
Es ging aber nicht nur um die Aufnahme in eine Liste von Empfangsberechtigten, sondern auch um die Frage, inwieweit sich die einer hohen Sterblichkeit unterworfene stadtrömische Bevölkerung zahlenmässig durch Zuwanderer ausgleichen konnte. Viele der Zuwanderer waren Freigelassene. So versuchten sie, für sich und ihre Nachkommen Zugang in die plebs frumentaria zu erlangen. Viele mussten trotzdem Getreide auf dem Markt zukaufen.

Der grösste Teil des in Rom verteilten Getreides stammte aus Ägypten und Nordafrika. In der Spätantike wurde das Getreide aus Ägypten aber meistens für Konstantinopel verwendet.
Das Getreide konnte auf verschiedene Arten eingezogen werden: Entweder war es eine Steuer oder es war eine Pacht für öffentliches Land oder es handelte sich um Ertrag aus den Ländereien des Prinzeps. Um Engpässe zu vermeiden, konnte Getreide auch am Markt eingekauft werden.
Auch der Transport über See musste von der Verwaltung organisiert werden. Es ging dabei um einige hundert Schiffsladungen, die meistens von privaten Schiffseignern (navicularii) organisiert wurden. Die Principes waren dabei bemüht, die wichtige Versorgung durch Bindungen der Schiffseigner an die Annona sicherzustellen, was mit Pflichten und Privilegien verbunden war.
Die Getreidelieferungen waren auf Zwischenstationen angewiesen, die in Puteoli und Ostia lagen. Zwischenspeicher (horrea) lagen in Ostia und Rom. (Ostia wurde aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage unter Claudius und Trajan ausgebaut.)
Die Ausgabe des Getreides erfolgte anfangs einmal im Monat an verschiedenen Plätzen. In der Mitte des 1. Jhd.s konzentrierte sich die Verteilung zunehmend auf die Porta Minucia und konnte auch innerhalb des Monatsinvervalles erfolgen. Die einzelnen Rationen wurden an Toren (ostium, Pl.: ostia) ausgegeben. Bei insgesamt 45 Toren wurden an jedem Tor ungefähr 150 - 200 Getreideempfänger abgefertigt. In späteren Jahrhunderten waren die Getreidelieferungen nicht nur auf Getreide beschränkt: Unter Septimius Severus wurden sie durch Olivenöl ergänzt, unter Aurelianus auch durch Brot, Wein und Schweinefleisch. Dafür wurden weitere Verwaltungsapparate aufgebaut. Mit der Ergänzung der Getreideverteilung durch Brot gerieten einmal auch die Bäckereien unter staatliche Aufsicht und zweitens wurde die Verteilung auf viele verschiedene Stellen aufgeteilt ("gradus"; "panis gradilis").
=====
QUELLENLAGE:

Die Quellenlage in Bezug auf die schriftlichen Quellen ist äusserst dürftig. In Titus Livius' Werk "Ab urbe condita" über die Geschichte Roms finden sich einige Stellen, die die Getreideversorgung erwähnen. Sie sind aber in die Erzählungen der politisch-militärischen Gesamtgeschichte eingeflochten und enthalten wenig genaue Angaben. Beispiele sind: II, 9; II, 34 und X, 11. Aber selbst diese spärlichen Quellen stammen nur aus den ersten 15 Büchern des Livius, die sich noch mit der Römischen Geschichte bis zum Ersten Punischen Krieg beschäftigen.
Über die weiteren Protagonisten der Getreideversorgung wie Gaius Sempronius Gracchus und Publius Clodius Pulcher liegen ebenfalls Quellen vor. Gaius Gracchus wird in Plutarchs Parallelbiographien (Βιοι παραλληλοι) beschrieben. Bei Publius Cornelius ist die Quellenlage schwer, weil er v. a. von seinen politischen Gegnern wie Cicero beschrieben wird. Während er von manchen als Akteur des Volkes gesehen wird, ist er für andere ein gewaltverherrlichender und triebgesteuerter politisierender Rowdy.
Bei Augustus, der die Getreideversorgung grossflächig reorganisierte, findet sich viel Eigenlob in seinem Tatenbericht "Res gestae Divi Augusti" (Monumentum Ancyranum). Auch im Werk "De vita Caesarum" des Sueton gibt es Hinweise über Augustus' Leistungen. Wir finden aber keine genauen Hinweise auf seine administrativen Reformen der Getreideversorgung.

Über die Verwaltung der Getreideversorgung gilt auch Cassius Dio als Quelle. In 57,10,5 beschreibt er, wie der Kaiser vorschrieb, welche Beträge zu liefern sind. (Dafür gab es eine eigene Bürokratie in Alexandria.)


Livius:
II. [9] Inde P. Valerius iterum T. Lucretius consules facti. Iam Tarquinii ad Lartem Porsennam, Clusinum regem, perfugerant. Ibi miscendo consilium precesque nunc orabant, ne se, oriundos ex Etruscis, eiusdem sanguinis nominisque, egentes exsulare pateretur, nunc monebant etiam ne orientem morem pellendi reges inultum sineret. Satis libertatem ipsam habere dulcedinis. Nisi quanta ui ciuitates eam expetant tanta regna reges defendant, aequari summa infimis; nihil excelsum, nihil quod supra cetera emineat, in ciuitatibus fore; adesse finem regnis, rei inter deos hominesque pulcherrimae. Porsenna cum regem esse Romae tutum, tum Etruscae gentis regem, amplum Tuscis ratus, Romam infesto exercitu uenit. Non unquam alias ante tantus terror senatum inuasit; adeo ualida res tum Clusina erat magnumque Porsennae nomen. Nec hostes modo timebant sed suosmet ipsi ciues, ne Romana plebs, metu perculsa, receptis in urbem regibus uel cum seruitute pacem acciperet. Multa igitur blandimenta plebi per id tempus ab senatu data. Annonae in primis habita cura, et ad frumentum comparandum missi alii in Volscos, alii Cumas. Salis quoque uendendi arbitrium, quia impenso pretio uenibat, in publicum omne sumptum, ademptum priuatis; portoriisque et tributo plebes liberata, ut diuites conferrent qui oneri ferendo essent: pauperes satis stipendii pendere, si liberos educent. Itaque haec indulgentia patrum asperis postmodum rebus in obsidione ac fame adeo concordem ciuitatem tenuit, ut regium nomen non summi magis quam infimi horrerent, nec quisquam unus malis artibus postea tam popularis esset quam tum bene imperando uniuersus senatus fuit.

9. Als nächstes wurden Publius Valerius zum zweiten Mal und Titus Lucretius zum Konsul gemacht. Bis zu dieser Zeit haben die Tarquinier bei... 
Next Publius Valerius (for the second time)1 and Titus Lucretius were made consuls.2 By this time the Tarquinii had sought refuge with Lars [p. 247]Porsinna, king of Clusium. There they mingled advice3 and entreaty, now imploring him not to permit them, Etruscans by birth and of the same blood and the same name as himself, to suffer the [2] privations of exile, and again even warning him not to allow the growing custom of expelling kings to go unpunished. Liberty was sweet enough in itself. [3] Unless the energy with which nations sought to obtain it were matched by the efforts which kings put forth to defend their power, the highest would be reduced to the level of the lowest; there would be nothing lofty, nothing that stood out above the rest of the state; there was the end of monarchy, the noblest institution known to gods or men. [4] Porsinna, believing that it was not only a safe thing for the Etruscans that there should be a king at Rome, but an honour to have that king of Etruscan stock, invaded Roman territory with a hostile army. [5] Never before had such fear seized the senate, so powerful was Clusium in those days, and so great Porsinna's fame. And they feared not only the enemy but their own citizens, lest the plebs should be terror-stricken and, admitting the princes into the City, should even submit to enslavement, for the sake of peace. [6] Hence the senate at this time granted many favours to the plebs. The question of subsistence received special attention, and some were sent to the Volsci and others to Cumae to buy up corn. Again, the monopoly of salt, the price of which was very high, was taken out of the hands of individuals and wholly assumed by the government. Imposts and taxes were removed from the plebs that they might be borne by the well-to-do, who were equal to the burden: the poor paid dues enough if they reared children. [7] Thanks to this [p. 249]liberality on the part of the Fathers, the distress4 which attended the subsequent blockade and famine was powerless to destroy the harmony of the state, which was such that the name of king was not more abhorrent to the highest than to the lowest; [8] nor was there ever a man in after years whose demagogic arts made him so popular as its wise governing at that time made the whole senate.
=
X. [11] T. Manlio consuli prouincia Etruria sorte euenit; qui uixdum ingressus hostium fines, cum exerceretur inter equites, ab rapido cursu circumagendo equo effusus extemplo prope exspirauit; tertius ab eo casu dies finis uitae consuli fuit. Quo uelut omine belli accepto deos pro se commisisse bellum memorantes Etrusci sustulere animos. Romae cum desiderio uiri tum incommoditate temporis tristis nuntius fuit. Consulis subrogandi comitia ex sententia principum habita: M. Valerium consulem omnes [sententiae] centuriae[que] dixere, ut patres ab iubendo dictatore deterruerint, quem senatus dictatorem dici iussurus fuerat. Tum extemplo in Etruriam ad legiones proficisci iussit. Aduentus eius compressit Etruscos adeo ut nemo extra munimenta egredi auderet timorque ipsorum obsidioni similis esset; neque illos nouus consul uastandis agris urendisque tectis, cum passim non uillae solum sed frequentes quoque uici incendiis fumarent, elicere ad certamen potuit. Cum hoc segnius bellum opinione esset, alterius belli, quod multis in uicem cladibus haud immerito terribile erat, fama, Picentium nouorum sociorum indicio, exorta est: Samnites arma et rebellionem spectare seque ab iis sollicitatos esse. Picentibus gratiae actae et magna pars curae patribus ab Etruria in Samnites uersa est. Caritas etiam annonae sollicitam ciuitatem habuit uentumque ad inopiae ultimum foret, ut scripsere quibus aedilem fuisse eo anno Fabium Maximum placet, ni eius uiri cura, qualis in bellicis rebus multis tempestatibus fuerat, talis domi tum in annonae dispensatione praeparando ac conuehendo frumento fuisset. Eo anno—nec traditur causa—interregnum initum. Interreges fuere Ap. Claudius, dein P. Sulpicius. Is comitia consularia habuit; creauit L. Cornelium Scipionem Cn. Fuluium consules. Principio huius anni oratores Lucanorum ad nouos consules uenerunt questum, quia condicionibus perlicere se nequiuerint ad societatem armorum, Samnites infesto exercitu ingressos fines suos uastare belloque ad bellum cogere. Lucano populo satis superque erratum quondam: nunc ita obstinatos animos esse ut omnia ferre ac pati tolerabilius ducant quam ut unquam postea nomen Romanum uiolent. Orare patres ut et Lucanos in fidem accipiant et uim atque iniuriam ab se Samnitium arceant; se, quamquam bello cum Samnitibus suscepto necessaria iam facta aduersus Romanos fides sit, tamen obsides dare paratos esse.
11. The campaign in Etruria fell to the consul T. Manlius. He had scarcely entered the hostile territory when, as he was wheeling his horse round in some cavalry exercises, he was flung off and almost killed on the spot. [2] Three days later the consul ended his life. The Etruscans derived encouragement from this incident, for they took it as an omen, and declared that the gods were fighting for them. [3] When the sad news reached Rome, not only was the loss of the man severely felt, but also the inopportuneness of the time when it occurred. [4] The senate were prepared to order the nomination of a Dictator, but refrained from doing so as the election of a successor to the consul went quite in accordance with the wishes of the leading patricians. Every vote was given in favour of M. Valerius, the man whom the senate had decided upon as Dictator.[5] The legions were at once ordered to Etruria. Their presence acted as such a check upon the Etruscans that no one ventured outside their lines; their fears shut them up as closely as though they were blockaded. [6] Valerius devastated their fields and burnt their houses, till not only single farms but numerous villages were reduced to smoking ashes, but he failed to bring the enemy to action.
[7] While this war was progressing more slowly than had been anticipated, apprehensions were felt as to another war which, from the numerous defeats sustained formerly on both sides, was not unreasonably regarded with dread. The Picentes had sent information that the Samnites were arming for war, and that they had approached the Picentes to induce them to join them. [8] The latter were thanked for their loyalty, and the public attention was diverted to a large extent from Etruria to Samnium.
[9] The dearness of provisions caused widespread distress amongst the citizens. Those writers who make Fabius Maximus a curule aedile for that year assert that there would have been actual famine if he had not shown the same wise care in the control of the market and the accumulation of supplies which he had so often before displayed in war.
An interregnum occurred this year —tradition assigns no reason for it. [10] The interreges were Ap. Claudius and P. Sulpicius. The latter held the consular elections, at which L. Cornelius Scipio and Cn. Fulvius were returned.
At the beginning of their year a deputation came from the Lucanians to lay a formal complaint against the Samnites. [11] They informed the senate that that people had tried to allure them into forming an offensive and defensive alliance with them, and, finding their efforts futile, they invaded their territory and were laying it waste, and so, by making war upon them, trying to drive them into a war with Rome. [12] The Lucanians, they said, had made too many mistakes already; they had now quite made up their minds that it would be better to bear and suffer everything than to attempt anything against Rome. [13] They implored the senate to take them under its protection and to defend them from the wanton aggressions of the Samnites. They were fully aware that it Rome declared war against Samnium their loyalty to her would be a matter of life and death, but, notwithstanding that, they were prepared to give hostages as a guarantee of good faith.

Cassius Dio: 57,10
10 1 Not only did he magnify Augustus in the manner stated, but also when completing the buildings which Augustus had begun without finishing them he inscribed upon them the other's name; and in the case of the statues and the shrines which were being erected to Augustus, whether by communities or by private individuals, he either dedicated them himself or instructed one of the pontifices to do so. 2 This principle of inscribing the original builder's name he carried out not only in the case of the buildings erected by Augustus, but in the case of all alike that needed any repairs; for, although he restored all the buildings that had suffered injury (he erected no new ones whatsoever except the temple of Augustus), yet he claimed none of them as his own, but restored to all of them the names of the original builders. 3 While expending extremely little for himself, he laid out very large sums for the common good, either rebuilding or adorning practically all the public works and also generously assisting both cities and private individuals. He enriched numerous senators who were poor and on that account no p137longer wished to be members of the senate; 4 yet he did not do this indiscriminately, but actually expunged the names of some for licentiousness and of others even for poverty when they could give no satisfactory reason for it. All the money that he bestowed upon people was counted out at once in his sight; for since under Augustus the officials who paid over the money had been wont to deduct large sums for themselves from such donatives, he took good care that this should not happen in his reign. 5 All these expenditures, moreover, he made from the regular revenues; for he neither put anybody to death for his money nor confiscated, at this time, anybody's property, nor did he even resort to tricky methods of obtaining funds. In fact, when Aemilius Rectus once sent him from Egypt, which he was governing, more money than was stipulated, he sent back to him the message: "I want my sheep shorn, not shaven."
=====
LITERATUR:

In der Forschungsliteratur ist die Themenbearbeitung breit gefächert. Ältere Werke beschäftigen sich gerne mit der Anzahl der Empfänger. An diesem Bereich hat der Forscher Jean-Michel Carrié geforscht.
Die neuere Forschung konzentriert sich eher auf ökonomische und soziologische Fragen. Peter Garnsey untersuchte die Sozialstruktur und Ernährungsgewohnheiten der römischen Bevölkerung. Geoffrey Rickman untersuchte die Getreideversorgung und ging dabei auf viele technische Fragen ein. Weitere Autoren sind Hinnerk Bruhns (Einbeziehung der ärmeren Bevölkerungsschichten), Josef Els (allgemeine Nahrungsversorgung), Paul Erdkamp (Verteilungsfragen), Ullrich Fellmeth (allgemeine Wirtschaftsgeschichte, politische Bedeutung der Getreidespenden) und Catherine Virlouvet (detaillierte sozialökonom. Analyse).

Bruhns, Hinnerk/Wilfried Nippel: Max Weber und die Stadt im Kulturvergleich; Göttingen 2000
Erdkamp, Paul: The Grain Market in the Roman Empire. A Social, Political and Economic Study; Cambridge 2009
Garnsey, Peter: Famine and Food Supply in the Graeco-Roman World. Responses to Risk and Crisis; Cambridge 1988
Fellmeth, Ulrich: Pecunia non olet. Die Wirtschaft der antiken Welt; Darmstadt 2008
Herz, Peter: Studien zur römischen Wirtschaftsgesetzgebung. Die Lebensmittelversorgung; Stuttgart 1988
Höbenreich, Evelyn: Annona. Juristische Aspekte der stadtrömischen Lebensmittelversorgung im Prinzipat; Graz 1997
Rickman, Geoffrey: The Corn Supply of Ancient Rome; Oxford 1980
Virlouvet, Catherine/Brigitte Marin: Nourrir les cités de Méditerrannée: Antiquitée - temps modernes;
Paris 2004