Murmillo-Archiv

Freitag, 31. Mai 2013

HERMANN MENGE: 461-498: ADVERBIA

461:
certo=mit Gewißheit, sicher
Sapientia est nihil ita expectare quasi certo futurum.
(Nach meiner Meinung soll dies bedeuten: Die Weisheit besteht darin, nichts so zu erwarten, als ob es künftig sicher sei.)
In der besseren Prosa nur in Vernindung mit "scire"!
certe: a) bekräftigend: sicherlich, jedenfalls
          b) mit Beschränkung bestätigend: doch sicherlich, doch wenigstens
certo scio=ich weiß es gewiß, mit Bestimmtheit
certe scio=wirklich, ich weiß es, ich weiß in der Tat; verlaß dich darauf, ich weiß es
postremum=zum letztenmal
Hodie postremum me vides.
postremo=zuletzt, schließlich (bezeichnet das Ende einer Sache (=ad extremum, unklass. ad postremum) oder für das letzte Glied einer Aufzählung (=denique)
vere=wahrheitsgemäß, richtig
De hac re vere iudicasti.
vere dicere
vero: a) Konjunktion: aber, vollends
         b) Versicherungspartikel: in Wahrheit, wahrlich, wahrhaftig
         c) bekräftigend: ja wohl, allerdings
primum/ primo=zum erstenmal
primum=erstlich (bei Aufzählung: primum-deinde-tum-denique)
primo=initio (anfänglich)
continuo=unmittelbar darauf, sofort, sogleich
continenter=in einem fort, ununterbrochen
consulte=auf wohlüberlegte Weise, mit Bedacht
(also so, wie meine Schüler nicht vorgehen!)
consulto=absichtlich
dextra (scil. parte)=zur rechten Hand
dextre=auf gewandte, geschickte Weise
recta (scil. via)=geradewegs
recte=in richtiger Weise, mit Recht
commode=in gehöriger, passender Weise
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HERMANN MENGE: REPETITORIUM DER LATEINISCHEN SYNTAX UND STILISTIK, Darmstadt 1979.
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Niemand blickt tiefer als Menge. Ergo:
Lest "euren Menge", Schüler, sonst trifft euch Jupiters Blitz!
R.

Donnerstag, 30. Mai 2013

WIE WAREN EIGENTLICH DIE "AUXILIA" AUFGESTELLT? PHIL BARKER WEISS ES WIE IMMER GANZ GENAU...
(denn er war dabei; ich leider nicht)
Wie immer bei militärhistorischen Fragen ist PHIL BARKER die richtige Adresse.
"AUXILIARY INFANTRY" (TRUPPENSTÄRKE DER EINHEITEN):
"A COHORS QUINGENARIA had 6 CENTURIAE and a COHORS MILLIARIA had 10. A COHORS EQUITATA added 4 TURMAE of cavalry if QUINGENARIA and 8 TURMAE if MILLIARIA."
Und er fährt fort:
"The suggestion first made in the original edition of this book that all CENTURIAE had an official strength of 80 rank-and-file and all TURMAE an establishment of 30 has since become universally accepted by archaeologists and historians."
Dennoch gebe es davon abweichende Theorien, die in Büchern vor 1972 vertreten werden. Dabei habe man versucht, die Zahlen mit den Angaben des HYGINUS in Einklang zu bringen, der eine QUINGENARIA mit exakt 500 Mann und eine MILLIARIA mit 1000 Mann angibt.
BEFEHLSHABER:
"A COHORS QUINGENARIA was usually commanded by a PRAEFECTUS COHORTIS."
Wurde eine solche Einheit jedoch mit dem Bürgerrecht geehrt (damals empfand man dies noch als Ehre!), bekam sie den Status der LEGIONES (s. auch den Zusatz "CIVIUM ROMANORUM") und als KOMMANDEUR höchstwahrscheinlich einen TRIBUNUS.
INTERNE ORGANISATION: "was the same as that of their legionary and cavalry equivalents."
ARTILLERIE: "Auxiliary Cohortes did not have any artillery of their own, but the men were trained in its use in garrisons."
DRILL (das, was meinen Schülern fehlt!): "Infantry formations and drill were like those of legionary infantry..." (und da war man nicht zimperlich!)
FUNKTION: "...the main difference being that auxiliaries were regarded as especially suitable for work in difficult terrain such as in woods or over steep hills. Their training must therefore have emphasised mobility and flexibility rather than rigid formation keeping. Except for those units primarily armed with the bow, they were mainly hand-to-hand fighters, though their lighter missiles, shields and armour would put them at a disadvantage to Legionarii in that respect."
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PHIL BARKER: THE ARMIES AND ENEMIES OF IMPERIAL ROME (Organization, tactics, dress and weapons. 146 illustrations and 200 shield patterns).
Ich kann das Werk nur empfehlen!
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R.

WIEVIEL KELTENSTÄMME GIBT ES EIGENTLICH?

Antwort: jede Menge, also viele (permulti).

Eine genaue Antwort ist schwer möglich, ungefähr aber 73-98.
Nach Tacitus waren es exakt 87, nämlich 64 in Gallien und 23 im Rest der Welt (macht 87).

Wie bei den Germanen wimmelte es auch bei den Kelten geradezu von Stämmen!
Es gab sogar keltisch-germanische Mischstämme, die heute schwer zuzuordnen sind.

griech. Bezeichnung: ethne; phylai
lat. Bezeichnung: civitates; gentes; populi
Spanien: 4
Irland: 5
Galatien: 6
Oberitalien: 8
Gallien: 50-75; Tacitus,Ann III, 44: 64

Jeder Stamm hatte 50 000-200 000 Mann.
Die größeren Stämme wurden in Gaue (pagus; tribus) unterteilt.

PLINIUS, V, 146: Galater: 6 gentes sowie 195 populi ac tetrarchiae
                  III, 116: Boier (in Italien): 112 tribus
STRABON, XII, 5,1: Galater: 3 Stämme zu je 4 tetrarchiae.
CAESAR, I, 12: Helvetier: 4 pagi

Es gab auch "Unterstämme" wie die "Volcae Arecomici" und die "Volcae Tectosages". Diese konnten sich, wenn sie fit waren, in "richtige" Stämme verwandeln. Die Insubrer z.B. waren ursprünglich ein Gau der Haeduer. Dann haben sie aber irgendwann genug gehabt von den Haeduern und haben ihren eigenen Verein aufgemacht. Doch es gab auch Loser: Die Tiguriner waren einst ein eigener Stamm, später aber zu Zeiten Caesars nur noch ein Gau der Helvetier. Es gab sogar Könige, die nur einen halben Stamm regierten. Besser als nichts. Es gibt schlimmere Jobs.
Laut dem Geographen und Historiker Strabon wurden die Kelten in Gallien schon früh nach der Eroberung durch Caesar romanisiert.

Mein Berufsziel sei fortan: Keltischer Kleinkönig!-"Make me your king and I'll rule you with an iron fist!" Oder: "King for a day, fool for a lifetime." (Song von "Faith no more").-
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Quelle: ALEXANDER DEMANDT: DIE KELTEN, München 2002 (Beck), S. 64 (Kap. 8: Das Stammeswesen).-
(Siehe auch mein älterer post zu den Stämmen Galliens!)

Es grüßet alle Kelte', zuhause und im Felde
Euer R., ein Kelte.
(Poeta non sum!)

Mittwoch, 29. Mai 2013

LATEIN UND ENGLISCH

Britannien war römische Provinz von 43 n.-409 n. Dann gingen die Römer nach dem Motto: Der letzte macht das Licht aus. Als die Sachsen davon Wind bekamen, daß die Insel jetzt schutzlos sei (die Kelten hatten sich nämlich unter römischer Herrschaft das Kämpfen abgewöhnt), fuhren sie übers Meer und besetzten die Insel.
Der lange "Aufenthalt" der Römer schlug sich auch im englischen Wortschatz nieder. So gehen z. B. Ortsnamen auf -ceaster natürlich auf lat. castra=das Lager zurück. Beispiele:
Exanceaster, Wintanceaster, Gleawecestre, Grantaceaster, Ledecestre (in Mercia; westlich von East Anglia, das von den Angeln besetzt wurde). Weiter nördlich konnte ich keine weiteren Ortsnamen dieses Typus finden. Dies hängt sicher damit zusammen, daß die Römer nie die ganze Insel dominiert haben, sondern (mehr oder weniger) nur den südlichen Teil. Die Romanisierung Britanniens war längst nicht so total wie die Galliens!
Weitere Beispiele:
Lincoln: in der 2. Silbe des Wortes steckt lat. colonia
Ortsnamen auf -wich: lat. vicus (Harwich, Greenwich=Dorf im Grünen; wie schön!)
-port: lat. portus=Hafen
Beispiele aus dem Bauwesen:
lat. calx; ahd. kalk; ae. (altenglisch) cealk; engl. chalk (auch: Kreide)
lat. tegula; ahd. ziagala; ae. tihele; engl. tile
lat. postis; ahd. phost; ae. post; engl. post (=Pfosten)
"Caupones" sind Weinhändler und Schankwirte (meist zwielichtiger Natur!); ags. (angelsächs.) "ceapian" heißt "kaufen"; vgl. engl. cheap.
Gartenbau:
lat. pisum; engl. pea (=Erbse)
lat. caulis; engl. cole, cauliflower (=Kohl); es gibt den Namen "Kaulitz"
597 landete der Missionar AUGUSTIN. Durch das Christentum gelangten viele Wörter aus dem kirchlichen Bereich ins Englische:
lat. candela; engl. candle
lat. episcopus; engl. bishop
lat. praedicare; engl. to preach (darin waren die Missionare besonders gut!)
Wie klang Altenglisch: Textprobe aus einer Predigt AELFRICS (gest. 1025):
"...for than the gewyrd nis nan thing buton leas wena"="...because fate is nothing but a false notion"
(wena: vgl. dt. wähnen)
Man sieht, die "monks" hielten nicht sonderlich viel vom heidnischen "fatum"; engl. fate (=Schicksal).
Doch ich antworte euch mit BERNARD CORNWELL: Wyrd bid ful araed=Dem Schicksal entgeht niemand...auch nicht so ein Mönchlein! "Fate's warning"!
(Es gab übrigens eine Musikgruppe dieses Namens, die recht komplizierte Musik machte.)
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Quelle: CARL VOSSEN: MUTTER LATEIN UND IHRE TÖCHTER.-
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R.

Dienstag, 28. Mai 2013

HANS-GEORG GADAMER
(1900 - 2002)


Hans-Georg Gadamer war ein deutscher Philosoph, der sich v. a. mit philosophischer Hermeneutik befasste.

Hier ist die Reihe "Gadamer erzählt die Geschichte der Philosophie" auf Youtube:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6

Donnerstag, 23. Mai 2013

"SIEHEST DU NICHT, WIE ICH SELBER SO SCHÖN UND GROSS AN GESTALT BIN"
HOMER, ILIAS XXI, 108 (Übersetzung nach VOSS)

Dieses Zitat findet sich in der Schrift "Die Haarpflege", die der völlig irre KAISER DOMITIAN geschrieben hat. Allerdings relativiert er den Ausspruch ein wenig, indem er hinzufügt, daß er den Verlust seiner Haare tapfer trage und daß es nichts Vergänglicheres gebe als die Schönheit. Wir sind gerührt von so viel Heldenmut und Tiefsinn!
DOMITIAN war alles andere als schön. Er hatte "null Haare", also eine Glatze, einen dicken Bauch und auch noch dünne Beine! Wahrlich, eine schwere Prüfung!
Some facts about DOMITIAN:
1.) richtiger Name: TITUS FLAVIUS DOMITIANUS
2.) Sohn des VESPASIANUS
3.) Buder des TITUS
4.) In seiner Jugend heuchelte er Eifer für die Wissenschaften (wie die meisten Schüler heute!).
5.) "Domitian war von übersteigerter sexueller Aktivität; seine überaus häufigen Kopulationen bezeichnete er als 'Ringkämpfe im Bett'".
MICHAEL GRANT: ROMS CAESAREN, Bindlach 1985 (Gondrom), S. 296.
6.) Er war von "finsterer Wachsamkeit"; GRANT, S. 299.
7.) Er schien auch einen etwas abgedrehten Humor zu besitzen: Einmal bewirtete er Senatoren und Ritter in einem Zimmer, in dem alles bis aufs letzte pechschwarz war. Dann wurde neben jedem Gast ein Grabstein aufgestellt, der dessen Namen und ein Lämpchen trug! (Wie niedlich!) Als nächstes kamen nackte Lustknaben herein, die schwarz geschminkt waren. Gleichzeitig dozierte DOMITIAN über die Themen "Tod und Blutvergießen". Ein netter, gelungener Abend!
8.) Anfangs zog er sich stundenweise zurück, nur um Fliegen zu fangen.
SUETON: LEBEN DER CAESAREN, DOMITIAN, KAP. 3.
9.) Er ließ die Philosophen aus Rom und aus Italien ausweisen. (Endlich mal eine gute Tat! Wahrscheinlich fielen die ihm mit ihrem Geschwätz auf die Nerven.)
10.) Bei Feldzügen ließ er sich meist mit der Sänfte tragen.
11.) DOMITIAN wurde von seinem Kammerherrn und Sekretär Stephanus mit einem Dolch in der Leistengegend verwundet, als der ihm gerade ein Dokument überreichte. Es kam zu einem Kampf, bei dem sich DOMITIAN erbittert wehrte und versuchte, dem ungetreuen secretarius die Augen auszukratzen. Dann kam ein zweiter Verschörer hinzu, das war's dann.
SUETON schreibt:
"Ermordet wurde Domitian am achtzehnten September, in seinem fünfundvierzigsten Lebensjahr und im fünfzehnten Jahr seiner Regierung. Sein Leichnam wurde auf einer ganz gewöhnlichen Bahre von Totengräbern hinausgetragen, und seine Amme Phyllis erwies ihm in ihrer Villa an der Latinischen Straße die letzten Ehren. Seine Reste brachte sie heimlich in den Tempel des Flavischen Geschlechts und mischte sie unter die Asche Iulias, der Tochter des Titus, die sie ebenfalls aufgezogen hatte." (Kap. 17)
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Banales Ende!
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R.

Mittwoch, 22. Mai 2013

RÖMERORTE IN DEUTSCHLAND (1): LAURIACUM (LORCH)

Lage: Ostalpengebiet; an der schönen Donau
Funktion: Legionsfestung; Standlager
Zivilsiedlung: aus einer keltischen Siedlung und dem Lagerdorf entstanden; östlich des heutigen Lorch (1300 Quadratmeter großes Forum; Basilika!)
(Funde von Tellern mit Resten von Weinbergschnecken! Ebenso Geflügelknochen.)
Gründer: Kaiser Marc Aurel!
Besatzung: die italische 2. Legion
Lage der Festung: auf Uferterrasse; zwischen Enns und Lorch
Vorläufer: ein Auxiliarkastell
Dauer: bis Ende 5. Jh. (das Lager überlebte also den Zusammenbruch; vielleicht hatte man den noch nicht registriert)
Größe: 20 Hektar (erst nach Aufgabe der Zivilsiedlung behelfsmäßig bebaut; überall herrschen schiefe Winkel vor!)
ca. 303 n: Martyrium des heiligen Florian; s. auch MARTYROLOGIUM HIERONYMIANUM (garantiert erbaulich; als Bettlektüre für Kinder geeignet; sweet dreams!):
(Darin erfahren wir, daß der heilige Mann ein friedvolles Leben als Pensionär führte (er war Kanzleivorsteher in CETIUM). Da hörte er von einer Christenverfolgung in LAURIACUM. Als guter Märtyrer in spe eilte er sofort dorthin. Er ging sogar zum Statthalter AQUILINUS  und sagte dem, daß er ein ganz toller Christ sei. Keine gute Idee! Der scheint davon wenig angetan gewesen zu sein und forderte den designierten Heiligen auf, den heidnischen Göttern und dem Kaiser zu opfern. Sturköpfig, wie Heilige nun mal sind, weigerte der sich beharrlich. Auch keine gute Idee! Schließlich wurde der Heilige von der Ennsbrücke ins Wasser gestürzt, mit einem Stein um den Hals, damit es auch funktionierte.
"Dies ereignete sich in Ufer-Noricum im Orte Lauriacum in den Tagen, da Diocletian und Maximian als Feinde antraten." (4. Mai 303))
343 n: Bischofssitz (Amen!)
In den chaotischen Zeiten des Zusammenbruchs nahm die Festung Flüchtlinge aus dem zerstörten Passau und Künzing auf.
488 n: Abzug der Besatzung (genug ist genug!); dennoch behauptete sich das Municipium
9. Jh: karolingische Pfalz ("geschichtliche Kontinuität")
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R. PÖRTNER: MIT DEM FAHRSTUHL IN DIE RÖMERZEIT, Gütersloh 1987 (Prisma), S. 236 ff.
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So, liebe Schüler, wenn ihr schön brav seid, liest euch der Onkel noch etwas aus dem MARTYROLOGIUM vor...
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R.