Murmillo-Archiv

Sonntag, 31. März 2013

OVIDIUS: ARS AMATORIA III, 433-440: IN LINGUA ANGLICA: Eine kleine Stilübung für unsere amerikanischen Freunde!

Beware of the men declaring themselves for beauty culture
and who put their hair in an artificial way:
what they told you, they have told a thousand girls!
Their love is wandering and not staying at one place.
What shall the woman do, when the man's sweeter than herself
perhaps and even could have more men?
Scarcely you'll believe me, but just do it: Troia would still remain,
if it had used the advices of king Priamos.
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Hütet euch vor Männern mit Haargel, denn sie sind so schmierig wie ihre Frisur!
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by The SIR
OVIDIUS: ARS AMATORIA III (ANWEISUNGEN FÜR FRAUEN), 433-440:

Nehmt euch in acht vor hohlen Schönlingen!
(Am Parfüm und den Kettchen sollt ihr sie erkennnen!)

Sed vitate (aber meidet; geht aus dem Weg) viros (die Männer; den Männern) cultum formamque professos (Pflege; Schmuck und Schönheit bekennend; die sich zu...bekennen)
quique (und die) suas (ihre) ponunt (legen) in statione (in Stellung=hier: kunstvoll) comas (Haare):
quae (was) vobis dicunt (sie euch sagen), dixerunt (haben sie schon gesagt) mille puellis (1000 Mädchen);
errat (sie schweift umher) et in nulla sede (und an keinem "Wohnsitz"; Ort) moratur (verweilt; hält sich auf) Amor (ihre Liebe).
femina (die Frau) quid faciat (was soll sie tun), cum sit vir levior (wenn der Mann eventuell "glatter"; zarter ist) ipsa (als sie selbst)
forsitan (vielleicht) et (auch; sogar) plures (mehr) possit habere  (könnte er haben) viros (Männer; erg: als sie)?
vix mihi credetis (ihr werdet es mir kaum glauben), sed credite (doch glaubt es einfach): Troia maneret (Troja würde noch dauern; Bestand haben; existieren; stehen),
praeceptis Priami (die Lehren; Ratschläge des Priamos) si foret usa (wenn es benutzt hätte; gehört hätte auf) sui (seines; erg: Königs; Bezugswort:"Priami").-
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Also hört auf die Ratschläge des OVIDIUS, sonst ergeht es euch wie Troja!
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sit; possit: Potentialis
"in statione" heißt übrigens auch: "in Fechterstellung"
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The SIR

Freitag, 29. März 2013

WAS VESPASIAN UNTER KULTUR VERSTEHT:

"Tags darauf hielt VESPASIAN die übliche Musterung im Lager ab. Er sprach zu den Soldaten auf seine grobe Art und erklärte ihnen, sie müßten hinfort sich damit begnügen, sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen, und die Briten in Ruhe zu lassen. 'Habt ihr das begriffen, ihr Tölpel?' brüllte er. 'Jeder Brite ist euer Vater oder Bruder, jedes Britenweib ist eure Mutter, jedes noch so leckere Jüngferlein eure liebe Schwester. (...) Denkt daran, daß die Briten Barbaren sind. Gütig und voll Nachsicht müßt ihr sie eure Sitten lehren. Bringt ihnen bei zu würfeln, Wein zu saufen und bei den römischen Göttern zu fluchen. Das ist der Schritt zur höheren Bildung. Wenn euch ein Brite auf die eine Backe schlägt, dann haltet ihm auch die andere hin. Meiner Treu, ich habe mir sagen lassen, es gibt da jetzt einen neuen gefährlichen Aberglauben, der verlangt, daß man's so macht, ob ihr es glauben wollt oder nicht. Aber haltet die andere Backe jedenfalls nicht zu oft hin, sondern tragt eure Meinungsverschiedenheiten lieber auf britische Art durch Ringkämpfe, Hindernisläufe oder Ballspiele aus."
MIKA WALTARI: MINUTUS DER RÖMER, Bergisch Gladbach 1993, S. 146.
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Ich glaube, wenn Vespasian einem auf die eine Backe schlug, hatte der keine Gelegenheit mehr, ihm die andere hinzuhalten.
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SIR R
OVIDIUS: ARS AMATORIA III, 473-482: LIEBESBRIEFE (10. Klasse)

(Mädels, laßt die Typen zappeln, denn sie haben es nicht besser verdient!)

...mora (die Verzögerung) semper (immer) amantes (die Liebenden)
incitat (stachelt an; spornt an), exiguum si modo tempus (wenn sie nur eine winzige (kleine) Zeit) habet ("hat"; dauert).
sed (doch) neque (weder) te facilem (daß du "leicht" seist; daß du leicht zu haben seist; daß er mit dir leichtes Spiel habe) iuveni (dem jungen Mann) promitte (versprich) roganti (dem bittenden)
nec tamen (noch) e duro (aus Härte (?); hart; es könnte auch "ei duro" heißen: diesem Lästigen; Hartnäckigen), quod petit ille (was jener/ er erbittet; worum er bittet; was er zu erreichen sucht), nega (verweigere; schlage ab):
fac timeat (mach, daß er fürchtet) speretque simul (und zugleich hofft; laß ihn fürchten und zugleich hoffen; Goldmann), quotiensque (und wie oft (auch immer) remittes (du ihn zurückschicken wirst; wegschicken wirst),
spesque (sowohl die Hoffnung) magis (mehr) veniat (komme=werde; soll werden; auch: zum Vorschein kommen) certa (sicher; Sinn: seine Hoffnung soll zuversichtlicher werden; vgl. Goldmann; fester) minorque metus (als auch die Furcht geringer).
munda (gepflegte; nette; elegante) sed e medio (aber "aus der Mitte"=aus dem normalen Sprachgebrauch) consuetaque verba (und gewohnte Worte; vertraute; Goldmann), puellae (ihr Mädchen),
scribite (schreibt): sermonis publica forma (die allgemeine; alltägliche Art der Rede; des Gesprächs) placet (gefällt).
a (ach), quotiens (wie oft) dubius (ein zweifelnder; schwankender) scriptis (durch Schriften; hier: Briefe) exarsit (entbrannte; erglühte in Liebe) amator (Liebhaber; darauf bezogen: dubius)
et nocuit (und hat geschadet) formae (der Gestalt) barbara lingua (eine unkultivierte Sprache; eine vulgäre Ausdrucksweise) bonae (der guten; schönen; Bezugswort: formae)!
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KOMMENTAR:
edurus=ziemlich hart; e duro: Tmesis!
veniat: auch: in Zustände und in Lagen kommen, geraten; erscheinen, hervorkommen; zum Vorschein kommen, sich zeigen; hier: werden!
e medio: also nicht geschwollen
sermonis publica forma: normale Redeweise; ungekünstelt
et nocuit...: Wenn manche das Maul aufmacht, dann ist man schon bedient!
forma=Schönheit
KRITISCHER APPARAT der OXFORDAUSGABE:
promittent (Rs); promittunt (as) promittant (As).
eduro (RAo), divisit Madvig: ex toto (s) ille (RAo): ore; (Pa?), und eduro...ore Heinsius.
(R: Parisinus Latinus 7311 (Regius), saec. ix. in Gallia exscriptus. Continet A.A., Rem., Am. epigr.-I ii 19, I ii 25-50. Contuli.)
P. OVIDI NASONIS AMORES- MEDICAMINA FACIEI FEMINEAE- ARS AMATORIA- REMEDIA AMORIS edidit brevique adnotatione critica instruxit E. J. KENNEY, OXONII 1977.
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So sei es!
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SIR R

Donnerstag, 28. März 2013

MIKA WALTARI: MINUTUS DER RÖMER: LUGUNDA, DIE HASENPRIESTERIN

Lepus europaeus (Feldhase)

Nach seiner Ankunft in Britannien begibt sich MINUTUS "stante pede" (sofort) nach LONDINIUM, wo er AULUS PLAUTIUS trifft, den "commander-in-chief" der Provinz, dem insgesamt 4 Legionen unterstehen.
Dieser erhielt von KAISER CLAUDIUS die Order, nach Rom zu kommen, da ihm ein Triumph zustehe. Doch PLAUTIUS hält dies für eine Farce. Auch wirft man ihm vor, er habe sich bereichert.
"Als ob einer sich in diesem Land bereichern könnte! Roms Geld verschwindet hier wie in einem Faß ohne Boden. Claudius muß einen Triumph feiern lassen, damit man in Rom glaubt, Britannien sei befriedet. Aber dieses Land kann niemand befrieden. Hier wird es immer wieder Aufruhr geben."
PLAUTIUS teilt MINUTUS der Legion des FLAVIUS VESPASIANUS zu, den er wie folgt charakterisiert:
"Er ist mein erfahrenster Krieger und mein zuverlässigster Legat, ein bißchen schwerfällig, aber ruhig und besonnen. Seine Herkunft ist sehr bescheiden, und seine Sitten sind derb und volkstümlich, ansonsten ist er ein Ehrenmann. Mehr als Unterfeldherr wird er wohl nie werden, aber die Kriegskunst kannst du unter ihm erlernen, wenn du wirklich deshalb hierhergekommen bist." (VESPASIAN wurde, ganz nebenbei bemerkt, Kaiser!)
MINUTUS teilt nun (freiwillig!) das harte Leben der einfachen Legionäre. Eine gallische Reiterabteilung, die zu seiner Garnison gehört, nimmt ihn auf einen Beutezug mit. Bei der Beuteverteilung wird ihm eine junge Britin vom Stamm der Icener zugeteilt. Die Veteranen der Einheit meinen:
"Wenn einer von uns sie nimmt, steckt sie ihm bloß einen Dolch in die Gurgel, sobald sie die Hände frei hat. Du aber bist ein vornehmer Jüngling mit feinen Manieren und kannst sogar Griechisch. Du gefällst ihr bestimmt besser."
Die Veteranen geben ihm noch diese wohlgemeinten Ratschläge:
"Zu allererst einmal müsse ich sie jeden Morgen und jeden Abend prügeln, um ihr die Mucken auszutreiben, sagten sie und gaben mir noch andere Ratschläge, die ich aber nicht auf sauberem Papier niederschreiben mag."
Ein Baumeister, der die Landessprache leidlich spricht, erklärt:
"Sie will sich weder waschen noch kämmen, weil sie deinen Absichten mißtraut. Wenn du sie anrührtst, bringt sie dich um, das schwört sie bei der HASENGÖTTIN."
Doch MINUTUS will sich keine Probleme aufhalsen. Er will deshalb LUGUNDA laufenlassen. No woman, no cry!
"Der Baumeister schüttelte den Kopf und gestand mir, er habe mich schon für verrückt gehalten, als er sah, wie ich freiwillig mit den Legionaren (sic) schuftete, aber daß es so schlecht mit mir stehe, hatte er sich nicht gedacht."
Von VESPASIAN erfährt nun MINUTUS, daß LUGUNDA von den DRUIDEN zur HASENPRIESTERIN auserwählt wurde.
"Daß LUGUNDA zur Priesterin auserkoren war, hatte ich nicht geahnt. Ich hatte zwar bemerkt, daß sie kein Hasenfleisch essen konnte, ohne sich zu erbrechen, und sie duldete auch nicht, daß ich HASEN mit der Schlinge fing, aber ich hatte das nur für eine Barbarenlaune gehalten..."
Nach längerer Abwesenheit sieht er LUGUNDA wieder:
"In diesem Sommer nahm ich in der kürzesten Nacht in einem Rundtempel aus mächtigen Steinen an einer Sonnenanbetung teil...Die größte Überraschung aber war für mich LUGUNDA, die während des Winters zur jungen Frau herangewachsen war. Ich traf sie in ihrem HASENHOF. Sie trug den weißen Mantel der HASENPRIESTERINNEN und ein silbernes Band im Haar. (...) Als sie dann aber wieder zu mir kam, mich anlächelte und mir ihren LIEBLINGSHASEN zu halten gab, schmolz mein Zorn...Rom schien mir nur ein Traum, als ich in der Wärme des britischen Sommers im Grase saß und den zappelnden HASEN zwischen meinen Knien hielt.
Plötzlich trat LUGUNDA zu mir, legte ihre Wange an meine, riß dann aber den HASEN an sich und beschuldigte mich mit blitzenden Augen, ich hätte das Tier absichtlich gequält."
Nur ganz selten ist sie freundlich zu MINUTUS:
"Nimm mich mit, wenn du fortgehst. Ich folge dir, wohin du willst. Ich verlasse meinen Stamm und sogar meine HASEN."
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Was für ein Kompliment! MINUTUS ist ihr wichtiger als ihre Hasen, wenn auch nur ein wenig und nur in diesem Moment. Ansonsten sind die Viecher ihr Lebensinhalt.-
Eine Irre! Armer MINUTUS. Manche Männer haben das seltene Glück, immer an Irre zu kommen. (Das gilt natürlich auch umgekehrt.)
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Wie man sieht, ein amüsanter Roman, in dem man gleichzeitig viel über Geschichte lernen kann (so man denn will). Warum solche Bücher im Unterricht nicht gelesen oder wenigstens herangezogen werden, erschließt sich mir nicht. Statt dessen wird die "top ten" der langweiligsten Bücher behandelt. Manche Lehrer scheinen geradezu eine Affinität zu langweiligem Kram zu haben. So wurde ich z.B. mit Kafka, Böll, Brecht und Grass gefoltert. Schon damals konnte ich mit moderner Kunst nichts anfangen. Ich kann es heute immer noch nicht.
Mein Deutschunterricht war (vorsichtig formuliert) "sub omnibus canonibus" und hat mir fast das Lesen ausgetrieben. Gruß an meine Deutschlehrer. Nicht umsonst steht auf manchen Schulbänken: Hier kämpfte ein großer Geist vergeblich mit dem Schlaf.-
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zu Kafka: Wenn man keine "Depris" hat, dann kriegt man welche. Völlig ausweglos, vgl. "Gib's auf, gib's auf!" Wenn man dem Leben anhängt und verhaftet ist, dann sollte man sich so ein Zeug nicht "reinziehen" (da gibt es Besseres!). Überhaupt weigere ich mich beharrlich, Dinge zu lesen, die mich "runterziehen", also krankes Zeug (das angeblich immer so wertvoll sein soll). Ich lese nur Bücher, die belehrend, erbaulich ("uplifting"), heroisch und spannend sind (wie z.B. Gustav Schwab: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums).
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SIR R
GREAT BRITAIN IS A NICE COUNTRY: MIKA WALTARI: MINUTUS DER RÖMER
KAP. 3: BRITANNIEN
Es gibt Bücher, die man getrost zweimal lesen kann. Dazu zählt für mich der hervorragende wie ungemein geistreiche Roman "MINUTUS DER RÖMER" von MIKA WALTARI (geb. 1908 in Helsinki). Darin wird "das abenteuerliche Leben des MINUTUS LAUSUS MANILIANUS in der Zeit von 46 bis 70 n. Chr." beschrieben (s. Cover der Ausgabe von Bastei-Lübbe, Rückseite).
KAP. 3 beginnt mit der Ankunft des MINUTUS "in good old Britain":
"Ich erreichte Britannien bei Anbruch des Winters und wurde von Stürmen, Nebel und eiskalten Regenschauern empfangen. Wie jeder Besucher Britanniens weiß, wirkt dieses Land bedrückend."
Das Klima ist ein wenig schaurig und der Gesundheit abträglich. Auch die Bewohner lassen zu wünschen übrig. Diese haben nämlich etwas unangenehme Gewohnheiten:
"Wer in Britannien nicht an Lungenentzündung stirbt, holt sich zumindest einen Rheumatismus, den er sein Lebtag nicht mehr los wird, sofern ihm nicht ohnehin die Briten in einem ihrer Weißdornhaine den Kopf abschlagen oder ihn zu einem ihrer Priester, den Druiden, schleppen, die aus den Eingeweiden von Römern das künftige Schicksal ihres Stammes zu lesen pflegen. All dies erzählten mir Legionare (sic!), die schon dreißig Jahre gedient hatten."
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Und die müssen es ja wissen!-Also: All in all a nice place to be. Nice weather, nice people!...some with strange habits, however. Visit Britain, It's always worth-while. If you're assaulted by tribal warriors, just say: "Don't worry, be lucky" or "I always look on the bright side of life".
Alles nicht so schlimm, Kopf hoch, wird schon werden.
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The SIR
DIE NEUE MURMILLO-SHOW: DIESMAL MIT ANTIKEN SCHLAUMEIERSPRÜCHEN!


DER LINK:   Murmillo-Show: Lateinische Sentenzen