Murmillo-Archiv

Dienstag, 5. März 2013

P. OVIDI NASONIS ARTIS AMATORIAE LIBER PRIMUS: PRAEFATIO: Si quis in hoc...
(I, 1-10)

OVID, der Frauenversteher!

Si quis (Wenn irgendeiner) in hoc (in diesem) artem (die Kunst) populo (Volk) non novit (nicht kennt) amandi (des Liebens),
hoc legat ((so) lese er dies) et lecto carmine (und nachdem er das Gedicht gelesen hat; nach Lektüre dieses Gedichtes; dadurch daß er...) doctus amet (liebe er als Sachverständiger).
arte (durch Kunst) citae (die schnellen) veloque (und durch das Segel) rates (die Schiffe) remoque (und durch das Ruder) moventur (werden sie bewegt),
arte (durch Kunstfertigkeit) leves currus (die leichten Wagen): arte (durch Kunst) regendus Amor (muß (auch) Amor=der Liebesgott gelenkt werden).
Curribus (Für die Wagen) Automedon (A.) lentisque (und für die geschmeidigen) erat aptus (war geeignet, tauglich) habenis (für die Zügel),
Tiphys (T.) in Haemonia puppe (auf dem haemonischen Schiff) magister erat (war der Steuermann):
me (mich) Venus (V.) artificem (als Künstler) tenero (dem zarten) praefecit (hat vorangestellt) Amori (dem Amor);
Tiphys et Automedon (T. und A.) dicar (mag (kann, soll) ich genannt werden) Amoris (der Liebe) ego (ich; ich dagegen möge...).
Ille quidem (Jener freilich; zwar; aber) ferus est (ist wild) et qui (und dieser (ist von der Art, daß; konsekutiv)) mihi saepe repugnet (leistet mir oft Widerstand; kämpft gegen mich an; sträubt sich gegen mich,Goldmann);
sed puer est (doch er ist (noch) ein Junge), aetas (sein Lebensalter) mollis (zart; geistig empfänglich; bildsam, Goldmann) et apta (und geeignet) regi (regiert, gelenkt zu werden, d. h. es ist lenkbar).
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Automedon: Wagenlenker des Achilles
Tiphys: Steuermann der Argo; diese wurde in Thessalien gebaut, wo auch Haemonia liegt.
praeficere=über etwas setzen, einem die Aufsicht, Führung übertragen, an die Spitze stellen.
et qui=et est, qui...=und er ist eine, der (derart, daß er)...
aetas mollis et apta regi: auch denkbar: das zarte Alter ist auch dafür geeignet, gelenkt zu werden
(Natürlich kann man sich auch im zarten Alter befinden, ohne geistig empfänglich zu sein, wie mir die Erfahrung oft zeigt.)
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Lest Ovid, der weiß, wie's geht!
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The SIR

Sonntag, 3. März 2013

STRENGE LECTIO (2): DATIV DES ZWECKS

"Der DATIV DES ZWECKS (DATIVUS FINALIS) bezeichnet den Zweck oder die Wirkung eines Vorgangs auf die Frage: wozu?
Er steht meist in Verbindung mit einem weiteren Dativ der Person..."
(BAYER-LINDAUER: LAT. GRAMMATIK)
1.) bei ESSE:
honori esse=zur Ehre gereichen (Ehre bringen)
detrimento esse=zum Schaden gereichen
(BAYER-LINDAUER)
exemplo esse=zur Lehre dienen, jemandem eine Lehre sein
laudi esse=zum Lob gereichen, eine Anerkennung bedeuten
usui esse=zum Nutzen sein; nützlich, förderlich sein
commodo esse=Vorteil bringen
gaudio esse=Freude machen
odio esse=zum Haß gereichen, gehaßt werden
curae esse=am Herzen liegen
(STEHLE)
"Oft steht bei einem Dativ des Interesses oder der inneren Anteilnahme ein zweiter auf die Frage: wozu? zur Angabe des ZWECKS bei Verben wie 'venire, deligere, mittere, relinquere..."
(STEHLE)
auxilio arcessere=zu Hilfe rufen
auxilio venire=zu Hilfe kommen
auxilio mittere=zu Hlfe schicken
(STEHLE)
praesidio relinquere (castris)=zum Schutze (des Lagers, für das Lager) zurücklassen
(bei einigen Ausdrücken des militärischen Bereichs, s. BAYER-LINDAUER)
"Ein prädikativer Dativ steht auch bei 'dare, tribuere' anrechnen zu..."
aliquid laudi dare (tribuere, vertere) alicui=einem etw. zum Lobe (Ruhme) anrechnen
(STEHLE)
alicui aliquid vitio dare=einem etwas als Fehler anrechnen
alicui aliquid crimini dare=einem etwas zum Vorwurf machen
(BAYER-LINDAUER)
So weit, so gut. Doch was sagt MENGE? MENGE ist das Evangelium unter den Grammatiken. Wenn MENGE sagt, die Welt ist eine Scheibe, dann ist das so!
"Der Dativ abstrakter Substantive steht zur Bezeichnung des ZWECKS oder der WIRKUNG auf die Frage wozu? (meist zusammen mit einem Dativ der Person, also doppelter Dativ) bei den Verben:
a) esse (nicht fieri) "gereichen, dienen zu etwas" (z.B. Est mihi aliquid laudi, honori, decori, dedecori, probro, infamiae, saluti, emolumento, detrimento, calamitati, impedimento, testimonio etc.
b) dare, ducere, tribuere, (vertere, habere) "anrechnen, auslegen als oder zu etwas"
(z.B. laudi, vitio, crimini, ignaviae etc.)
c) habere "haben zu" (z.B. quaestui praedaeque); dare "geben zu" (z.B. muneri, dono); accipere "bekommen zu" (z.B. praemio); arcessere "herbeirufen zu" (z.B. auxilio); venire, mittere, relinquere "kommen, schicken, zurücklassen zu" (z.B. axilio, praesidio); receptui canere "zum Rückzuge blasen" u.a. (cf. 67, 6-13).
Über diesen Dativ ist zu merken
1.) daß er nie im Plural steht, also nie 'donis dare';
(Da könnt ihr mal euren teacher auf die Probe stellen und fragen, ob das geht.)
2.) daß er keinen Genitiv bei sich hat...
3.) daß er kein Adjektiv bei sich haben darf mit Ausnahme eines quantitativen, d.h. eines solchen, welches einen Grad bezeichnet, z.B. Haec res mihi magnae (maiori, maximae, minori, minimae u.ä.) curae est. Falsch wäre also 'haec res tuo honori est' "diese Sache dient zu deiner Ehre" für 'haec res tibi honori est.'"
(Lehrer prüfen!)
(MENGE, Kap. 66, 2. Hälfte)
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decus, oris n.=Zierde, Schmuck, Ehre, Würde; Heldentat
dedecus=Schande, Schmach, Schandtat
probrum=Beschimpfung, Vorwurf, Schimpf, Schande, Schandtat, Unzucht!
infamia=schlechter Ruf, Schande
emolumentum=Vorteil, Nutzen
calamitas=Schaden, Unglück, Niederlage
impedimentum=Hindernis, pl. Gepäck, Troß
testimonium=Zeugenaussage, Beweis
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ignavia=Faulheit, Trägheit, Feigheit
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Eigener Satz: Discipuli mali ignavique parentibus semper dedecori, probro, infamiae sunt et erunt. Ergo: "Discite Donatum, pueri..."(s. letzter post). Oder ihr werdet es bereuen, denn der Tag wird kommen...
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The SIR


Samstag, 2. März 2013

STRENGE LECTIO (1): DER DATIVUS COMMODI RESPEKTIVE INCOMMODI

Folgende "schöne" DEFINITION (definieren ist immer gut!) habe ich im "guten alten" MENGE gefunden:
"Der DATIVUS COMMODI oder INCOMMODI steht auf die Frage "wem? für wen?" zur Bezeichnung der Person oder Sache, in deren Interesse, sei es zum Nutzen oder Schaden derselben, etwas geschieht..."
Dieser Satz ist zu verinnerlichen!
HERMANN MENGE: REPETITORIUM DER LATEINISCHEN SYNTAX UND STILISTIK, wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1979, S. 46 (2. Hälfte, Kap. 57.)
Das Buch ist anzuschaffen und durchzulesen!
Als Beispiel bringt MENGE gleich die alte bekannte Spießerwahrheit: NON SCHOLAE, SED VITAE DISCIMUS.=Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
DEFINITION nach THROM:
"Der dativus commodi und incommodi bezeichnet auf die Fage "für wen?" "zu wessen Nachteil?" die Person oder Sache, zu deren Vor-oder Nachteil etwas geschieht."
BEISPIELE:
1) Multa nobis necessaria sunt ad vivendum.=Viele Dinge (Vieles) sind (für) uns notwendig zum Leben.
(Dem widerspricht allerdings die stoische Weisheit: Ad bene vivendum non magno apparatu opus est.=Zum guten Leben (um gut zu leben), ist kein großer Aufwand nötig (bedarf es keines großen Aufwandes).
(d.h. u.a. daß der ganze sinnlose Plunder, den man zusammenkauft, nicht der Weg zur "perfetta letizia" (Glückseligkeit) ist. Kauft euch also lieber den MENGE, da habt ihr was fürs Leben!)
2) Homo non sibi soli natus est.=Der Mensch ist nicht für sich allein geboren. (STEHLE)
3.) Senex arbores non sibi serit.=Ein alter Mann pflanzt Bäume nicht für sich. (STEHLE)
4.) Tibi seris, tibi metis.=Für dich säst du und für dich erntest du. (RUBENBAUER/ HOFMANN)
5.) Roscius praedia coluit aliis, non sibi.=Roscius bewirtschaftete die Güter für andere, nicht für sich. (MENGE)
"Der Dat. commodi entspricht oft den deutschen Wendungen 'aus Rücksicht für, zu Ehren, zuliebe'..."
Bsp: Aemilio Lepido filii ludos funebres dederunt.=Zu Ehren des Aemilius Lepidus gaben seine Söhne Leichenfeierlichkeiten.-(MENGE)
(Hauptsache Stimmung!)
Dativ des Standpunktes: "...welcher vorzugsweise mit dem Participium gebildet wird, um (bes. bei Lokalangaben) zu bezeichnen, von welchem Standpunkte aus eine Angabe gilt oder sich ergiebt (sic!)..."
Bsp: Gomphi primum oppidum Thessaliae est venientibus ab Epiro.= G. ist die erste Stadt  Thessaliens "für die, welche von Epirus kommen"="wenn man von Epirus kommt" (MENGE).
"Zu bemerken ist auch der Dativ bei 'facere (fieri)' in der Bedeutung 'in Beziehung auf einen etwas thun (sic), etwas mit einem machen, anfangen..."
Bsp: Quid huic homini facies="was willst du mit diesem Menschen anfangen?"
(...fragte der Vater seine Tochter oder frage ich mich oft bei meinen Schülern.)
Quid mihi futurum est="was soll aus mir werden?"-(MENGE)
(nicht mehr viel, bin zu alt!)
Der dativus commodi steht bei Adjektiven wie
iucundus=angenehm
utilis=nützlich
aptus=passend
idoneus=geeignet
amicus=freundlich
par=gleich
similis=ähnlich
necessarius=nötig
facilis=leicht
(THROM)
"Der Dativ steht bei denjenigen Adjektiven (und Adverbien), welche nützlich, passend, angenehm, nötig, ähnlich, gleich, geneigt, nahe, treu, befreundet, leicht oder das Gegenteil bedeuten, um die Person oder Sache zu bezeichnen, in Beziehung auf welche die Eigenschaft Geltung hat..."
Bsp.e:
Senectus plerisque molesta et odiosa est.=Das Alter ist den meisten beschwerlich und verhaßt (unangenehm, zuwider).
Sapientis est naturae convenienter vivere. =Es ist eines weisen Mannes (Zeichen eines Weisen), übereinstimmend ("passend zur") mit der Natur zu leben (in Übereinstimmung mit der Natur zu leben)-(MENGE)
(Bei SENECA lesen wir: secundum naturam vivere=gemäß der Natur leben; stoischer Standpunkt!)
Der Dativ+esse:=vorhanden sein für=haben
Mihi est spes=Für mich besteht Hoffnung.=Ich habe Hoffnung.
Merke:  Mihi nomen est Paulus.=Mir ist der Name Paul.=Ich heiße Paul.
(besser als "boy named Sue", s. auch der bekannte song)
RUBENBAUER/ HOFMANN unterscheidet, um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, drei Sonderformen:
1.) DATIVUS ETHICUS: "bezeichnet beim Personalpronomen der 1. und 2. Person die besondere innere Anteilnahme des Sprechenden an der Handlung; der Gebrauch ist umgangssprachlich:
Tu mihi istius audaciam defendis?=Und da verteidigst du mir die Frechheit dieses Mannes?"
2.) DATIVUS IUDICANTIS: "bezeichnet den örtlichen oder geistigen Standpunkt, von dem aus die Aussage Gültigkeit hat, besonders bei einem Part. Präs.; in klassischer Sprache noch selten: ...
Ille mihi non est liber, cui mulier imperat.=Unfrei ist in meinen Augen, wer von einer Frau beherrscht wird."
(wörtl: Jener ist für mich (von mir aus betrachtet) nicht frei, dem eine Frau befiehlt=...den eine Freu beherrscht. Nix mit Gleichberechtigung!)
3.) DATIVUS AUCTORIS: "als Vertreter von ab m. Abl. zur Angabe der handelnden Person ist in Prosa nur beim Gerundiv üblich, sonst selten; Entstehung aus einer Bedeutungsverschiebung des Typs 'die Sache ist für mich wünschenswert, sichtbar' zu 'von mir gewünscht, gesehen':
hoc mihi faciundum est='das ist etwas für mich, meinerseits, von mir zu Tuendes', muß von mir getan werden
tibi consulatus quaerebatur=von dir wurde das Konsulat erstrebt
res mihi probatur (=placet)=eine Sache findet meinen Beifall"
(wörtl: wird von mir gebilligt (gefällt mir))
RUBENBAUER/ HOFMANN ordnet dem DATIV DES INTERESSES den DATIVUS POSSESSIVUS bei esse unter:
"Der dativus possessivus bei esse bezeichnet die Person, seltener die Sache, für die etwas vorhanden ist, der etwas gehört; bei materiellen Gütern wird jedoch, außer bei Kollektiva, habere oder possidere vorgezogen:..."
Bsp.e:
Victis nulla erat spes salutis.=Die Besiegten hatten keine Hoffnung auf Rettung."
(wörtl: den Besiegten war..)
Spes mihi est.=Ich habe die Hoffnung.-(THROM)
(Mir ist die Hoffnung)
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Vorne im MENGE steht:
Discite Donatum, pueri, puerilibus annis,
ne spretus iuvenes vos notet atque senes.
(Lernt euren DONAT, ihr Jungen ( Knaben), in jugendlichen Jahren (in "knäbischem"Alter),
damit er euch, verschmäht (verachtet; wenn ihr in verschmäht), nicht als Jugendliche und als alte Männer tadelt.)
JOANNES GLANDORPIUS (wer auch immer das war)
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The SIR






Freitag, 1. März 2013


QUELLEN ZUR CLADES VARIANA: ANNO 9 NACH

Die Quellenlage:
1.) griechische und römische Quellen:
MANILIUS
STRABO
VELLEIUS PATERCULUS
FLORUS
CASSIUS DIO
TACITUS
SUETON
1 GRABSTEIN
2.) germanische Quellen: Fehlanzeige! Die Germanen hatten es nicht so mit dem Schreiben! Kämpfen und hinterher Gelage abhalten war ihnen weitaus lieber (immer nach dem Motto: Lieber ein Krieger als ein Schreiberling!)

Die Quellen, die uns vorliegen, sind sehr unterschiedlich, einseitig und ungenau. Kaum jemand hatte exakte Kenntnis von Germanien. Ausnahmen bilden der Forschungsreisende POSEIDONIUS, TACITUS und VELLEIUS PATERCULUS. Letzterer war unter TIBERIUS lange in Germanien stationiert. Er wußte also, wovon er sprach.
ad MANILIUM: Dieser schrieb ein sicherlich ungenießbares astrologisches Lehrgedicht. Darin der folgende Satz:
"...so glühten damals, als nach Bruch des Bündnisses das wilde Germanien den Feldherren VARUS dahinraffte und mit dem Blute von drei Legionen die Gefilde rötete, überall in der ganzen Welt die drohenden Feuer. Die Natur...drohte das Ende der Dinge an..." (nach W. Capelle: Das alte Germanien)
(Der Mann macht einem Mut!)
ad STRABONEM: griech. Geograph, 63 v.-um 26 n., 17 Bücher über Geographie; Buch 7, Kap. 1,4 kurze    Erwähnung der Varusschlacht. Dort erfahren wir außerdem, wo DRUSUS GERMANICUS starb (irgendwo zwischen Saale und Rhein):
"Es gibt auch einen Fluß Saale: zwischen ihm und dem Rhein starb DRUSUS GERMANICUS, wie er erfolgreich Krieg führte. Er unterwaf nicht nur die meisten dieser Völker, sondern auch die der Küste vorgelagerten Inseln, zu denen auch BYRCHANIS (=BORKUM) gehörte, das er erst nach Belagerung einnahm."
(Was gibt es auf Borkum schon groß zu belagern? Da war damals nix, und heute gibt es dort auch nicht viel.)
ad VELLEIUM: Reiteroffizier, der Mann war also "vom Fach", Bericht über die Schlacht, geschrieben 29 n., also 20 years later (überliefert in einer Handschrift aus dem Kloster Murbach/ Elsaß, tendenziös: Arminius kommt gut weg, Varus schlecht!
Über Arminius, den er persönlich kannte, schreibt er:
"...ein junger Mann, von vornehmer Abkunft, persönlicher Tapferkeit, rascher Auffassung und einer genialen Klugheit, die jenseits der Begabung eines Barbaren liegt...Er war ein ständiger Begleiter auf unserem früheren Feldzuge gewesen..."
ad FLORUM: LUCIUS ANNAEUS FLORUS, Abriß der röm. Geschichte um 120 n., als Quelle unzuverlässig bis ungeeignet
ad CASSIUM: voller Name: CASSIUS DIO COCCEIANUS, Historiker, 155n.-235n., röm. Geschichte in 80 Büchern (!), ausgehend von der Gründung Roms bis zum Jahr 229 n., wichtige Quelle für die Kaiserzeit!
ad TACITUM: complete name: PUBLIUS CORNELIUS TACITUS, um 55 n.-um 120 n., Leitsatz: SINE IRA ET STUDIO (=ohne Zorn und Parteilichkeit, d.h. objektiv, wissenschaftlich schreiben), gegen den er jedoch oft verstößt!
Züge des GERMANICUS: s. ANNALES I und II (s. auch meine posts/ Übersetzungen).
ad SUETONIUM: korrekt GAIUS SUETONIS TRANQUILLUS (=der Gleichmütige, der Coole!), um 75 n.-ca. 140 n., gehörte zum PLINIUSKREIS, weltfremd, gelehrt, redlich und wahrheitsliebend! Tolle Kombination!
zur Varusschlacht: Augustus-Biographie, 23; Tiberius-Biographie, 16 f. (Züge des Tiberius: 9-11 n.)
zum GRABSTEIN: der berühmte Grabstein des MARCUS CAELIUS (BONNER LANDESMUSEUM):
M. CAELIO T. F(ILIO) LEM(ONIA) BON(ONIA)/ (C(ENTURIONI) I) O(RDNIS) LEG(IONIS) XIIX ANN(ORUM) LIII S(EMISSIS) / (OC)CIDIT BELLO VARIANO. OSSA (I)NFERRE LICEBIT P. CAELIUS T. (F(ILIUS)) LEM(ONIA) FRATER FECIT.
(Dem Marcus Caelius, dem Sohn des Titus, aus der (Tribus) Lemonia, aus Bologna, Centurio 1. Ranges der 18. Legion, 53 1/2 Jahre alt, fiel in der Varianischen Schlacht. Die Gebeine (Knochen) können bestattet werden (wörtl.: es wird erlaubt sein, möglich sein die Knochen zu bestatten ("hineinzutragen", erg. ins Grab)).
Publius Caelius, Sohn des Titus, aus der (Tribus) Lemonia "machte dies" (d.h. er errichtete das Grabmal).
Bei dem Grabmal handelt es sich um ein sog. Scheingrab (Kenotaph). Zeitgenössisches und einziges steinernes Denkmal der Schlacht sowie eine der frühesten fast genau datierbaren Inscriptiones in Germanien.
M. CAELIUS war Anführer der 1. KOHORTE oder einer anderen. "Vitis" als Rangabzeichen des Centurio. Möglicherweise war sein Rang auch "triarius ordo", somit wäre er Anführer einer Veteraneneinheit gewesen. Er war ja nicht mehr der Jüngste!-  Die LEGIO war in VETERA stationiert und ging zusammen mit der XVII und XIX LEGION unter.
Auf dem Grabstein sieht man außerdem noch die Portraits seiner Freigelassenen PRIVATUS und THIAMINUS (Privatus ist der zur Rechten der Marcus-der mit den Segelohren!). Beide Knechte hatten das zweifelhafte Vergnügen, nach ihrem Ableben im Grab des Patrons bestattet zu werden. Das ist doch was!
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The SIR

Oh nein, nicht auch das noch...

JETZT GREIFEN HISTORISCH GEWANDETE PLAYMOBILFIGUREN IN DAS GESCHEHEN EIN: 


Auf dem Youtube-Kanal "Murmillo1" (Gladiator) könnt Ihr ihren ersten Auftritt sehen! 


Mittwoch, 27. Februar 2013

DIE WEITEREN EREIGNISSE IN GERMANIEN (1): TACITUS: AB EXCESSU DIVI AUGUSTI I, 70
(zweiter Germanienfeldzug des GERMANICUS, Kap. 55-71, anno 15 n.)

Quid novi in Germania? Wie ging es weiter? Nachdem sich die 4 Legionen mühsam (mit Ach und Krach=aegerrime; adv. Superlativ) aus dem versumpften Wiesental herausgearbeitet (besser wäre"-gewurschtelt") hatten (s.o.)-es ging gerade noch einmal gut!-, wendet sich TACITUS nun wieder dem GERMANICUS zu, der an der Nordsee "Urlaub" machte:

At Germanicus (Doch Germanicus) legionum (der Legionen, von den Legionen), quas (die) navibus (mit Schiffen) vexerat (er transportiert hatte, befördert hatte; von "vehere, vexi, vectum"), secundam et quartam decimam (die 2. und die 14.) itinere terrestri (auf dem Landweg, auf einem Marsch zu Lande; endlos, das ist der Marsch!) P. Vitellio (dem P. Vitellius) ducendas tradit ("als zu führende übergab er sie"; er übergab sie ihm, um sie zu führen; damit er sie zu Land führe; Gerundiv; hier: final), quo (=ut eo=damit dadurch; wodurch) levior (leichter) classis (die Flotte) vadoso mari (auf dem seichten Meer; gemeint ist das Wattenmeer) innaret ("hineinschwamm"; also das Wattenmeer durchfuhr; keine gute Idee!) vel reciproco sideret (oder "auf dem Hin-und Zurückfließenden"=bei Ebbe und Flut "sich setzte"=auf Grund lief; besonders tragisch, da es keine Werkstatt um die Ecke herum gab! Auch kein ADAC!). Vitellius (V.) primum (zuerst) iter (einen Marsch; Weg) sicca humo (auf trockenem Boden) aut modice adlabente aestu (oder bei mäßig "herangleitender"; heranfließender; anschwellender (Goldmann) Flut) quietum habuit (er hatte einen ruhigen; bezogen auf Weg; konnte eine ruhige Kugel schieben!); mox (bald, dann) impulsu aquilonis (durch den "Anstoß", durch den Ansturm des Nordwindes; der Nordsturm; aquilus=der Verdunkelnde!), simul sidere aequinoctii (zugleich auch zu der Jahreszeit der Tag-und Nachtgleiche; also im Herbst, wo es langsam ungemütlich wird), quo (an welcher) maxime  tumescit Oceanus (der Ozean (das äußere Meer im Gegensatz zu "mare") besonders (am meisten; am stärksten, Goldmann) ansteigt (anschwillt), rapi agique agmen (wurde der Heereszug; das Heer zerrissen; auseinandergerissen, Goldmann; und hin-und hergetrieben; herumgeworfen; historische Infinitive im Passiv). Et opplebantur terrae (Und die Länder wurden "angefüllt"; das Land wurde überschwemmt; die Welt versank in den Fluten und im Chaos): eadem (dasselbe) freto litori campis (dem Meer, Strand, den Feldern) facies (Aussehen; alles bot denselben Anblick), neque discerni poterant (und sie konnten nicht unterschieden werden) incerta ab solidis (unsichere Stellen von den festen), brevia a profundis (seichte, nicht so tiefe, flache von tiefen).---
Dazu-wie immer-v. TIPPELSKIRCH:
"Während die Legionen des CÄCINA an den LANGEN BRÜCKEN um ihr Leben kämpften, zog das OBERE HEER nach Norden, ohne auf den Feind zu stoßen.
GERMANICUS selbst war mit zwei Legionen an Bord der Schiffe gegangen. Die beiden anderen Legionen-die II. und die XIV.-hatte er unter das Kommando des PUBLIUS VITELLIUS gestellt und diesem LEGATEN den Auftrag gegeben, durchs Land der Friesen, also entlang der Küste, zurück zum Rhein zu marschieren. Wahrscheinlich ging der Marsch dieser Truppe zunächst entlang dem Ostufer der Ems...Zu Anfang des Marsches war das Wetter noch warm und sonnig. Dann aber zogen hohe Wolkenschleier auf. Am folgenden Morgen färbte ein drohendes, brandiges Morgenrot den Himmel. Gegen Mittag stiegen jenseits des Flusses schwere Wolkengebirge über den Horizont. Eine knisternde Spannung lag in der Luft. Das alles waren Zeichen, welche die als Führer dienenden Chauken und Chamaven den Römern sehr wohl zu deuten wußten.
"THOR hat seine Stiere eingespannt! Noch vor Sonnenuntergang werden wir die Räder seines Wagens dröhnen hören!"
Das Sonnenlicht wurde trübe. Immer höher stiegen im Westen die Wolkenberge empor. Manchmal zuckte nun schon ein fahler Lichtschimmer darunter hin. Dann griffen lange Schattenfinger über den Fluß. Als aber der Saum der Wolken über den Marschierenden stand, fielen die ersten Böen ein. Ein dumpfes Poltern schallte herüber.
"Das ist er! Das sind die Räder seines Wagens!"
Es wurde dunkel. Dann aber wurde es für Augenblicke blendend hell-ein kilometerlanger Blitz fuhr quer über den Himmel. Schmetternd folgte der Donner. THOR, der Wetter-und Sturmgott der Germanen, hatte mit seinem Hammer MJÖLNIR zum ersten Male zugeschlagen.
Es war der Auftakt zu einem Inferno. Zuerst Blitz auf Blitz-dann Regen und Sturm--aber das war noch immer nicht das Schlimmste! Der Heerzug des VITELLIUS war ja inzwischen der Küste schon nahe gekommen. Und in der Weite des Nordmeeres ballte sich das Verderben zusammen. Vom Sturm getrieben, brach die Flut mit besonderer Heftigkeit über die Küste und in die Mündungen der Flüsse herein. (...) in dem Inferno, in dem man nicht sagen konnte, wo das Meer endete und das Land begann! Wie sollte man erkennen, wo unter der Flut der Boden war? Wo sollte man sich festklammern, wenn die Wellen heranstürmten?
Die schweren Rüstungen zerrten die Soldaten in die Strudel. Gepäck, tote Pferde, menschliche Leichen trieben daher.---
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Der reinste Wetterbericht!
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THOR, the hammer!
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Welcome in Germany!
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das Wort "terra"  heißt eigentlich "das Trockene; vgl. griech. "tersaino" u. lat. "torrere"=dörren, trocknen; s. Stowasser!)
torrere, eo, torrui, tostus; davon kommt unser "Toast"!
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The one and only SIR

Dienstag, 26. Februar 2013

MARCUS TULLIUS CICERO: DE OFFICIIS I, 16: Ut enim quisque...(11. Klasse)

Ut enim quisque (Wie; sobald nämlich jeder (für sich)) maxime perspicit (ganz besonders erkennt; sehr deutlich sieht; wahrnimmt; durchschaut), quid (was) in re quaque ( in jeder Sache) verissimum sit (das "Wahrste" ist; sei; genau die Wahrheit ist), quique (und wer) acutissime (sehr scharfsinnig) et celerrime (und äußerst schnell) potest et videre (sowohl sehen kann) et explicare rationem (als auch die vernünfige Begündung entwickeln kann), is (dieser) prudentissimus (für sehr klug; blitzgescheit) et sapientissimus (und sehr weise; einsichtig; verständig) rite haberi solet (pflegt mit Recht gehalten zu werden; wird gewöhnlich...gehalten). Quocirca (Daher) huic (für diesen; diesem) quasi materia (gleichsam die Materie; gewissermaßen der Stoff), quam tractet (die/ den er behandeln möchte; in der er tätig ist; um sie zu behandeln..? final) et in qua versetur (und in der er verweilt; sich aufhält), subiecta est veritas (ist die Wahrheit "darunter gelegt"; m. E. zugrunde gelegt; d.h. er muß ihr als Richtschnur folgen!)
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11. Klasse (s.o.), falls ihr überhaupt soweit kommt!
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Philologisches Hilfsmittel: Lat. Lesebuch; Kommentar (Diesterweg), Frankf. 1971.
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The SIR (aka the philologos)