Murmillo-Archiv
Sonntag, 10. August 2014
DIE WESTGERMANEN: "ACKERNAHE BESCHEIDENHEIT"
Weiter lesen wir bei EMIL NACK, daß die WESTGERMANEN, anders als die Ostgermanen, ihrer Heimat treu blieben. Ihr Wohngebiet lag zwischen Nordsee und Mittelgebirgen (2. H. 1. JT. v. Chr.). Später breiteten sie sich bis in die Alpentäler aus. Gemäß TACITUS, "Germania" 2, zerfielen sie in drei große Kultverbände:
1.) INGÄVONEN (Nordsee)
2.) HERMINONEN (obere und mittlere Elbe)
3.) ISTÄVONEN (zwischen Rhein und Weser)
Die Westgermanen, so Nack, haben ihr Gebiet auf Kosten der Illyrer und Kelten erweitert.
ad 1) Ihr bedeutendstes Volk waren die SACHSEN. Diese fuhren zusammen mit den ANGELN nach Britannien und gründeten dort Reiche. Das Hauptheiligtum des Kultverbandes lag vermutlich in einem Hain auf einer Nordseeinsel. Dort wurde NERTHUS, eine Wachstumsgöttin, verehrt.
ad 2) Sie lebten, so Nack, "im Innern Deutschlands zuerst in ackernaher Bescheidenheit ziemlich unbeachtet". Sie erfüllten "den schicksalhaften Auftrag, das Vorfeld der Alpen mit Alemannen und Bayern zu kolonisieren und die alemannische Vorhut am tiefsten in die Alpentäler hinein gegen den romanischen Süden vorzuführen." Mächtigster Stamm: die SUEBEN (zwischen Elbe und Oder); gemeinsames Heiligtum: in einem Hain des Kriegsgottes ZIU; auch die CHERUSKER sowie die CHATTEN gehörten zu diesem Kultverband.
ad 3) Aus ihnen entstanden später die FRANKEN (3. Jh. n.). Ihr Heiligtum wurde von den MARSEN verwaltet (Hauptgottheit: Tanfana).
(Die Marsen: Es handelt sich hierbei (natürlich) um einen Germanenstamm zwischen oberer Ruhr und oberer Lippe und nicht um Marsmenschen!)
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EMIL NACK, GERMANIEN, S. 53 f.
DIE OSTGERMANEN: VERLUST DER "VÄTERSCHOLLE"-"DRÄNGENDE SEHNSUCHT NACH DER FERNE"-"UNHEILVOLLE VERWICKLUNGEN"
Bei EMIL NACK lesen wir, daß die OSTGERMANEN von 800 v. bis 500 n. Chr. das Weichselland besetzt hielten. Ihr größter Stamm waren die GOTEN. Diese kamen gemäß ihrer Stammessage aus Südskandinavien (vgl. Götaland). Von dort seien sie an die Bernsteinküste gekommen.
"Gedeckt durch ihren schirmenden Schutz gegen Einfälle von Asien her, konnten ihre westlichen Brüder sich ungestört entwickeln und ihre welthistorischen Angriffe gegen Kelten und Römer vorbereiten." (Recht so!)
Sie seien, so Nack, "beweglichen und lebhaften Geistes gewesen". Im 2. Jh. nach hätten sie "nicht aus Landnot, sondern aus Ruhmsucht und Herrschgier" ihre "Heimatscholle" verlassen und seien nach Ost-und Südeuropa gezogen. Dabei gerieten sie "in unheilvolle Verwicklungen mit den Hunnen". Am Mittelmeer "errichteten" sie "mächtige Reiche", allerdings "von beschränkter Dauer". Sie "erloschen endlich unter der sengenden südlichen Sonne." Also ein Flop auf der ganzen Linie!
Die ostgermanische Sprache ist verloren. Nur das Gotische ist uns durch die Bibelübersetzung des Bischofs WULFILA erhalten.
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EMIL NACK: GERMANIEN; Länder und Völker der Germanen, Verl. Ueberreuter, 1958, 1977, Wien, Heidelberg, S. 52.
"Gedeckt durch ihren schirmenden Schutz gegen Einfälle von Asien her, konnten ihre westlichen Brüder sich ungestört entwickeln und ihre welthistorischen Angriffe gegen Kelten und Römer vorbereiten." (Recht so!)
Sie seien, so Nack, "beweglichen und lebhaften Geistes gewesen". Im 2. Jh. nach hätten sie "nicht aus Landnot, sondern aus Ruhmsucht und Herrschgier" ihre "Heimatscholle" verlassen und seien nach Ost-und Südeuropa gezogen. Dabei gerieten sie "in unheilvolle Verwicklungen mit den Hunnen". Am Mittelmeer "errichteten" sie "mächtige Reiche", allerdings "von beschränkter Dauer". Sie "erloschen endlich unter der sengenden südlichen Sonne." Also ein Flop auf der ganzen Linie!
Die ostgermanische Sprache ist verloren. Nur das Gotische ist uns durch die Bibelübersetzung des Bischofs WULFILA erhalten.
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EMIL NACK: GERMANIEN; Länder und Völker der Germanen, Verl. Ueberreuter, 1958, 1977, Wien, Heidelberg, S. 52.
Freitag, 8. August 2014
VIEL WICHTIGER: WER BEHÄLT DEN ÜBERBLICK?
Auf dem Nachbarblog "Novatlan" entsteht gerade neben einer historischen Bilddatei eine Personendatei, die nach dem Aufbau schrittweise auf die anderen Blogs im Netzwerk übertragen werden soll.
Personen-Pool
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WER WAR PROFESSOR HERBERT KÜHN?
HERBERT KÜHN (geb. 29. 4. 1895 in Beelitz bei Potsdam) war ein Professor für Vorgeschichte bzw. für prähistorische Archäologie. 1923: Habilitation an der Universität Köln; 1929 a. o. Professor, 1946 ordentlicher Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität in Köln; zwei Rufe an amerikanische Universitäten.
Prof. Kühn schrieb viele interessante wie auch fundierte Bücher über Frühgeschichte:
1.) Die Malerei der Eiszeit
2.) Die Kunst der Primitiven
3.) Kunst und Kultur der Vorzeit
4.) Buschmannkunst
5.) Vorgeschichtliche Kunst Deutschlands
6.) Die germanischen Bügelfibeln der Völkerwanderungszeit in der Rheinprovinz
7.) Tat und Versenkung
8.) Gegenwart und Vorzeit
9.) Vom Sinn der Vorgeschichte
10.) Auf den Spuren des Eiszeitmenschen
11.) Das Problem des Urmonotheismus
12.) Die Felsbilder Europas
13.) Die Kunst Alteuropas
14.) Das Erwachen der Menschheit
15.) Der Aufstieg der Menschheit
16.) Die Entfaltung der Menschheit
17.) Eiszeitmalerei
18.) Abstrakte Kunst der Vorzeit
19.) Germanische Kunst der Völkerwanderungszeit
20.) Persönlichkeit und Gemeinschaft
21.) Das Antlitz Indiens
22.) Vorgeschichte der Menschheit
23.) Eiszeitkunst
24.) Die germanischen Bügelfibeln der Völkerwanderunsgzeit in Süddeutschland
25.) Erwachen und Aufstieg der Menschheit
26.) Herausgeber: IPEK, Jahrbuch für prähistorische und ethnographische Kunst
(Bibliographie aus "Wenn Steine reden".)
Die Bücher von Prof. Kühn sind grundgelehrte Werke und gleichzeitig ein veritabler Lesegenuß!
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Prof. Kühn schrieb viele interessante wie auch fundierte Bücher über Frühgeschichte:
1.) Die Malerei der Eiszeit
2.) Die Kunst der Primitiven
3.) Kunst und Kultur der Vorzeit
4.) Buschmannkunst
5.) Vorgeschichtliche Kunst Deutschlands
6.) Die germanischen Bügelfibeln der Völkerwanderungszeit in der Rheinprovinz
7.) Tat und Versenkung
8.) Gegenwart und Vorzeit
9.) Vom Sinn der Vorgeschichte
10.) Auf den Spuren des Eiszeitmenschen
11.) Das Problem des Urmonotheismus
12.) Die Felsbilder Europas
13.) Die Kunst Alteuropas
14.) Das Erwachen der Menschheit
15.) Der Aufstieg der Menschheit
16.) Die Entfaltung der Menschheit
17.) Eiszeitmalerei
18.) Abstrakte Kunst der Vorzeit
19.) Germanische Kunst der Völkerwanderungszeit
20.) Persönlichkeit und Gemeinschaft
21.) Das Antlitz Indiens
22.) Vorgeschichte der Menschheit
23.) Eiszeitkunst
24.) Die germanischen Bügelfibeln der Völkerwanderunsgzeit in Süddeutschland
25.) Erwachen und Aufstieg der Menschheit
26.) Herausgeber: IPEK, Jahrbuch für prähistorische und ethnographische Kunst
(Bibliographie aus "Wenn Steine reden".)
Die Bücher von Prof. Kühn sind grundgelehrte Werke und gleichzeitig ein veritabler Lesegenuß!
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WENN STEINE REDEN: FUENCALIENTE (2)
Wie wir bereits erwähnt haben, stammen die Felsbilder von Fuencaliente aus der Zeit zwischen 4000 und 2000 v. Chr. Wie konnte sich die Farbe so lange Zeit halten? HERBERT KÜHN gibt darauf folgende Antwort: Erstens gab es an manchen Stellen Überhänge, so daß die Bilder vor der Witterung geschützt sind. Dennoch gibt es genug freie Stellen. Zweitens geht die Farbe mehrere Millimeter ins Gestein hinein und hat sich mit ihm verbunden.
Der Fries hat eine Gesamtlänge von 21, 6 m. KÜHN schreibt:
"Es gibt nichts Wirkliches, nichts Reales-es ist eine Welt der Vorstellung, der Begriffe, der Ideen. Innerhalb der Kunst der Vorzeit Europas kann das nur eine spätere Epoche sein. Die Abstraktion ist immer später als das Reale, in der Sprache, im Denken ebenso wie in der Kunst."
Hauptsächlich sind es Gestalten der Menschen, es gibt nur drei Tiere:
"Auch die Tierbilder sind abkürzend, verändernd, blockhaft, aber sie treten zurück. In der Kunst der Eiszeit herrschten sie vor, in dieser Kunst des Neolithikums sind sie kaum noch vorhanden."
Und weiter heißt es:
"Es ist nicht mehr die Welt der Jäger, es ist die Welt der Ackerbauer."
Die Menschen dieser Zeit versammelten sich auf den Höhen, sie stiegen nicht mehr hinab in die Höhlen. Der Grund war dieser:
"Der Mensch jener Zeit steht vor der Frage der Existenz, vor der Frage von Geburt und Tod. Seine eigenen Kräfte reichen nicht aus, das Dasein zu bewältigen, also braucht er die Hilfe er Gottheit."
Die Bilder sind Gebete um Fruchtbarkeit.
Weiterhin dargestellt sind: 4 Bäume; Regenwolke (waagrechter Strich mit senkrechten Linien); Kreise mit Strichen nach außen (Hütten mit Menschen?).
"Doch die Gestalten der Menschen sind klar zu erkennen, aber es sind Gestalten in Symbolen, in Zeichen, in einer Art Schrift." (vgl. auch die frühesten Hieroglyphen; das Zeichen "ti"=Mensch in der frühesten chinesischen Schrift).
Manche Gestalten tragen Kopfschmuck (Häuptlinge; Priester). Männliche und weibliche Gestalten stehen oft nebeneinander; Breuil deutete dies als Indiz für die Einehe!
Über die Zeichen äußert sich Kühn wie folgt:
"Aber diese Zeichen sind die Ursprache der Menschheit, die Urschrift des Geistes, sie sind die Ursymbole von Leben und Tod, von Sein und Nichtsein."
Die Menschen jener Zeit standen , so Kühn, ehrfürchtig vor diesen Bildern, die sie als etwas Heiliges ansahen. Über die Priester lesen wir:
"...sie malten sie flehten, sie sangen, sie beschworen, sie tanzten. Es ging um Fruchtbarkeit in trockenen Jahren, es ging um das Leben, um das Bestehen, um das Sein.
Mit diesen Bildern sprachen sie zu der Gottheit..."
Kühn gibt eine zweite Deutung der Kreise mit den Strichen: Familien bzw. "Gruppen, die zusammen leben".
Und der Professor schwärmt:
"...wir fühlen uns nahe den Urgedanken der Menschheit."
Und schwärmt weiter am Schluß des Kapitels:
"Und wir empfinden ganz das In-sich-Vollendete dieser Kunst, die das Ganze aussagt in der Zusammenfassung. Der Mensch ist immer vollendet in seiner Hinwendung zum Urgrund aller Dinge, zur Wurzel des Seins." (Herbert Kühn)
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Also: immer schön den Urgrund suchen!
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by centurio
Der Fries hat eine Gesamtlänge von 21, 6 m. KÜHN schreibt:
"Es gibt nichts Wirkliches, nichts Reales-es ist eine Welt der Vorstellung, der Begriffe, der Ideen. Innerhalb der Kunst der Vorzeit Europas kann das nur eine spätere Epoche sein. Die Abstraktion ist immer später als das Reale, in der Sprache, im Denken ebenso wie in der Kunst."
Hauptsächlich sind es Gestalten der Menschen, es gibt nur drei Tiere:
"Auch die Tierbilder sind abkürzend, verändernd, blockhaft, aber sie treten zurück. In der Kunst der Eiszeit herrschten sie vor, in dieser Kunst des Neolithikums sind sie kaum noch vorhanden."
Und weiter heißt es:
"Es ist nicht mehr die Welt der Jäger, es ist die Welt der Ackerbauer."
Die Menschen dieser Zeit versammelten sich auf den Höhen, sie stiegen nicht mehr hinab in die Höhlen. Der Grund war dieser:
"Der Mensch jener Zeit steht vor der Frage der Existenz, vor der Frage von Geburt und Tod. Seine eigenen Kräfte reichen nicht aus, das Dasein zu bewältigen, also braucht er die Hilfe er Gottheit."
Die Bilder sind Gebete um Fruchtbarkeit.
Weiterhin dargestellt sind: 4 Bäume; Regenwolke (waagrechter Strich mit senkrechten Linien); Kreise mit Strichen nach außen (Hütten mit Menschen?).
"Doch die Gestalten der Menschen sind klar zu erkennen, aber es sind Gestalten in Symbolen, in Zeichen, in einer Art Schrift." (vgl. auch die frühesten Hieroglyphen; das Zeichen "ti"=Mensch in der frühesten chinesischen Schrift).
Manche Gestalten tragen Kopfschmuck (Häuptlinge; Priester). Männliche und weibliche Gestalten stehen oft nebeneinander; Breuil deutete dies als Indiz für die Einehe!
Über die Zeichen äußert sich Kühn wie folgt:
"Aber diese Zeichen sind die Ursprache der Menschheit, die Urschrift des Geistes, sie sind die Ursymbole von Leben und Tod, von Sein und Nichtsein."
Die Menschen jener Zeit standen , so Kühn, ehrfürchtig vor diesen Bildern, die sie als etwas Heiliges ansahen. Über die Priester lesen wir:
"...sie malten sie flehten, sie sangen, sie beschworen, sie tanzten. Es ging um Fruchtbarkeit in trockenen Jahren, es ging um das Leben, um das Bestehen, um das Sein.
Mit diesen Bildern sprachen sie zu der Gottheit..."
Kühn gibt eine zweite Deutung der Kreise mit den Strichen: Familien bzw. "Gruppen, die zusammen leben".
Und der Professor schwärmt:
"...wir fühlen uns nahe den Urgedanken der Menschheit."
Und schwärmt weiter am Schluß des Kapitels:
"Und wir empfinden ganz das In-sich-Vollendete dieser Kunst, die das Ganze aussagt in der Zusammenfassung. Der Mensch ist immer vollendet in seiner Hinwendung zum Urgrund aller Dinge, zur Wurzel des Seins." (Herbert Kühn)
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Also: immer schön den Urgrund suchen!
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by centurio
Mittwoch, 6. August 2014
"WENN STEINE REDEN": DIE FELSBILDER VON FUENCALIENTE (SÜDSPANIEN)
Über die Felsbilder von FUENCALIENTE existiert ein Aufsatz von ABBÉ BREUIL. Man erzählt, daß es dort gefährlich sei und schlimme Dinge in der Nacht geschehen würden. Dort sollen nämlich, so sagt man, die Geister der alten Goten mit den Arabern kämpfen. Die Bilder seien Figuren der Geister, der "demonios"! Schon in früheren Zeiten hätten die Leute den Ort gemieden.
Die Bilder befinden sich auf zwei großen Blöcken. Es handelt es sich dabei um "stilisierte, imaginative Gestalten von Menschen, von Dämonen, von Geistern, von unwirklichen Wesen." (Herbert Kühn). Die Felsbilder sind "ganz abstrakt, losgelöst von aller Wirklichkeit", "Sinnbilder des Menschen, Symbole, Zeichen, Chiffren, Ideen, schriftartige Formen." Sie ähneln plastischen Idolen des NEOLITHIKUMS, also der Zeit von 4000-2000 v. Chr. Wir befinden uns also in der Zeit des Ackerbaus. Die Bilder sind als Gebete um Fruchtbarkeit zu verstehen. Und die Fruchtbarkeit ist selbst, so Kühn, ein abstrakte Idee.
HERBERT KÜHN schreibt:
"Diese Zeit lebt im Abstrakten, im Gedachten, im Symbol, in der Idee. So ist es die Idee Mensch, die gestaltet wird, die Idee des Verstandes, des Geistes." Der Mensch ist abstrakt dargestellt, er wird "ein Zeichen der Schrift, genauso wie in den ältesten Hieroglyphen Ägyptens, genauso wie in den ältesten Schriftzeichen Chinas für den Begriff Mensch."
Und Kühn fährt fort: ""Es finden sich Winkelmuster für das Wasser, so wichtig für den Ackerbau, und kammartige Zeichen: die Wolke, aus der es regnet."
1783 schnitt LÒPEZ DE CÁRDENAS, Pfarrer von Montero, ein Stück der Bilder heraus. Der Geistliche verfaßte außerdem einen Bericht über die Felsbilder. MANUEL DE GÓNGORA MARTÍNEZ verwendete diesen Bericht für sein Buch über die prähistorischen Altertümer von Andalusien (1868).
Wie kommt es, daß sich ein Pfarrer anno 1780 um Felsbilder kümmerte? Kühn erklärt dies so: Es ist immer an solchen Orten bekannt, daß es Stätten des Kultes sind. Oft wirken dort Hexen Liebes-und Rachezauber. Die Leute, die daran teilnehmen, gehen später zur Beichte. Dadurch wird das wissenschaftliche Interesse des Pfarrers geweckt.
1910 berichtete VINCENTE PAREDES dem ABBÉ BREUIL, daß der Dichter LOPE DE VEGA (1562-1635) Felsbilder erwähnt, die bei dem Ort LAS BATUECAS bei SALAMANCA zu finden seien. Die Bilder "stammen aus alten, vergessenen Zeiten, aus Zeiten, als noch stärkere und größere Tiere in dem Tale lebten als jetzt." Sie haben die Kraft zu schaden. Die Bilder stellen Dämonen dar, böse Geister leben in ihnen. Daher wurde, um diese zu bannen, ein Kloster gebaut (Celberca, 1599). 1697 warnt ein Pater vor den Dämonen und davor, ihnen zu nahe zu kommen. Diese sind nämlich, so der Mann Gottes, Nachfahren der alten Goten, die hier vor den Arabern Zuflucht gesucht haben. Dort wurde angeblich auch ein Satanskult ausgeübt! Daher muß man den Ort tunlichst meiden (off limits!).
Wie man sieht, gibt es an beiden Orten, sowohl in Fuencaliente als auch in Las Batuecas exakt die gleichen Legenden! Paredes hat übrigens Breuil auch auf Fuencaliente hingewiesen sowie auf das Buch von Góngora.
"Es sind also alte Berichte, die zu der Entdeckung führten, aber es ist so wie immer beim Auftauchen neuer Gedanken, neuer Tatsachen, sie müssen auf den Menschen stoßen, der sie zu verwerten weiß".
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HERBERT KÜHN: WENN STEINE REDEN
Die Bilder befinden sich auf zwei großen Blöcken. Es handelt es sich dabei um "stilisierte, imaginative Gestalten von Menschen, von Dämonen, von Geistern, von unwirklichen Wesen." (Herbert Kühn). Die Felsbilder sind "ganz abstrakt, losgelöst von aller Wirklichkeit", "Sinnbilder des Menschen, Symbole, Zeichen, Chiffren, Ideen, schriftartige Formen." Sie ähneln plastischen Idolen des NEOLITHIKUMS, also der Zeit von 4000-2000 v. Chr. Wir befinden uns also in der Zeit des Ackerbaus. Die Bilder sind als Gebete um Fruchtbarkeit zu verstehen. Und die Fruchtbarkeit ist selbst, so Kühn, ein abstrakte Idee.
HERBERT KÜHN schreibt:
"Diese Zeit lebt im Abstrakten, im Gedachten, im Symbol, in der Idee. So ist es die Idee Mensch, die gestaltet wird, die Idee des Verstandes, des Geistes." Der Mensch ist abstrakt dargestellt, er wird "ein Zeichen der Schrift, genauso wie in den ältesten Hieroglyphen Ägyptens, genauso wie in den ältesten Schriftzeichen Chinas für den Begriff Mensch."
Und Kühn fährt fort: ""Es finden sich Winkelmuster für das Wasser, so wichtig für den Ackerbau, und kammartige Zeichen: die Wolke, aus der es regnet."
1783 schnitt LÒPEZ DE CÁRDENAS, Pfarrer von Montero, ein Stück der Bilder heraus. Der Geistliche verfaßte außerdem einen Bericht über die Felsbilder. MANUEL DE GÓNGORA MARTÍNEZ verwendete diesen Bericht für sein Buch über die prähistorischen Altertümer von Andalusien (1868).
Wie kommt es, daß sich ein Pfarrer anno 1780 um Felsbilder kümmerte? Kühn erklärt dies so: Es ist immer an solchen Orten bekannt, daß es Stätten des Kultes sind. Oft wirken dort Hexen Liebes-und Rachezauber. Die Leute, die daran teilnehmen, gehen später zur Beichte. Dadurch wird das wissenschaftliche Interesse des Pfarrers geweckt.
1910 berichtete VINCENTE PAREDES dem ABBÉ BREUIL, daß der Dichter LOPE DE VEGA (1562-1635) Felsbilder erwähnt, die bei dem Ort LAS BATUECAS bei SALAMANCA zu finden seien. Die Bilder "stammen aus alten, vergessenen Zeiten, aus Zeiten, als noch stärkere und größere Tiere in dem Tale lebten als jetzt." Sie haben die Kraft zu schaden. Die Bilder stellen Dämonen dar, böse Geister leben in ihnen. Daher wurde, um diese zu bannen, ein Kloster gebaut (Celberca, 1599). 1697 warnt ein Pater vor den Dämonen und davor, ihnen zu nahe zu kommen. Diese sind nämlich, so der Mann Gottes, Nachfahren der alten Goten, die hier vor den Arabern Zuflucht gesucht haben. Dort wurde angeblich auch ein Satanskult ausgeübt! Daher muß man den Ort tunlichst meiden (off limits!).
Wie man sieht, gibt es an beiden Orten, sowohl in Fuencaliente als auch in Las Batuecas exakt die gleichen Legenden! Paredes hat übrigens Breuil auch auf Fuencaliente hingewiesen sowie auf das Buch von Góngora.
"Es sind also alte Berichte, die zu der Entdeckung führten, aber es ist so wie immer beim Auftauchen neuer Gedanken, neuer Tatsachen, sie müssen auf den Menschen stoßen, der sie zu verwerten weiß".
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HERBERT KÜHN: WENN STEINE REDEN
Freitag, 1. August 2014
DIE BETTWANZE (BED BUG), LAT. CIMEX LECTULARIUS
Bettwanzen galten früher neben Läusen, Flöhen und Zecken als Ekto-Parasiten (von außen angreifende P.) par excellence. Doch mit der Zeit gerieten sie bei jüngeren Mitbürgern in Vergessenheit und man kannte sie höchstens noch aus alten Büchern oder von Erzählungen der Großeltern.
Aber Vorsicht: Seit kurzem holen Cimex lectularius & Co. wieder zum Schlag aus!
VIDEO >> Bettwanzen-Alarm: Die Rückkehr der kleinen Blutsauger
CIMEX LECTULARIUS IN DER FAMILIE DER CIMICIDAE
Die Bettwanze (lat. Cimex lectularius, engl. Bed Bug) gehört zur Familie der Plattwanzen (Cimicidae), die manchmal ihrerseits ungenau als Bettwanzen bezeichnet werden. Sie ist darauf spezialisiert, bei den Schlafplätzen von gleichwarmen (homoiothermen) Lebewesen wie dem Menschen zu leben und sich von deren Blut zu ernähren. Bettwanzen sind Parasiten und Zivilisationsfolger.
Die Familie der Cimicidae hat auch andere unangenehme Zeitgenossen hervorgebracht wie die Fledermauswanze (Leptocimex boueti/Cimex adjunctus), die auf Englisch Bat Bug genannt wird. Im Deutschen wird oft der lateinische Name bevorzugt. Der Cimex adjunctus saugt gerne an Fledermäusen, verschmäht aber auch Menschen nicht. Sie sieht so ähnlich wie die Bettwanze aus und kommt z. B. in warmen Gegenden wie Afrika vor, manchmal aber auch in den USA und Schottland.
Zurück zur Bettwanze: Die erwachsenen Tiere sind um die 5 mm lang (deutliche Unterschiede) und sehr dünn. Die Farbe ist beigebraun und nach der Blutnahrung dunkel rotbraun. Das Tier ist bis zur Mahlzeit sehr dünn bzw. flach ("platt").
Die Vorderflügel sind zu kleinen Schuppen zurückgebildet, die Hinterflügel fehlen ganz. Das Tier weist eine gewisse Behaarung auf.
Bettwanzen besitzen kleine Facettenaugen (siehe Abbildung), aber keine Punktaugen (Ocellen). Bei nicht flugfähigen Insekten fehlen diese sowieso oft.
Die Bettwanze ist nahezu ein Kosmopolit. Sie kommt aber nur bedingt in kühlen und hohen Lagen vor. Das heißt aber nicht, dass die Wanze nicht für eine gewisse Zeit Kälte oder Nahrungsmangel ertragen könnte.
Die Bettwanze sucht meistens den Menschen auf, aber auch ihn umgebende Haustiere sowie Vögel und Fledermäuse. Es wird angenommen, dass sie aus Zentralasien stammend über höhlenbewohnende Vögel oder Fledermäuse auf den Menschen übertragen wurde. Dann nistete sich die Bettwanze in Kleinasien und Südeuropa ein, wo sie Einzug in die dortigen Sprachen fand.
Bsp. Latein (Georges): cīmex, micis, m. (zu altind. yāma-ḥ, schwarz(grau)
Fundstellen: Liv. Andr. com. 1; Catull. 32, 2; Varr. r. r. 1, 2, 25; Petr. 98, 1; Mart. 11, 32, 1; Hor. sat. 1, 10, 78.
Der Begriff wurde auch als Schimpfwort verwendet, besonders bei Horaz (Satiren):
Men' moveat cimex Pantilius? - Mich kränkte die Wanze Pantilius?
In Nordeuropa war es ihr lange zu kalt und nicht wohnlich genug. Erst in der frühen Neuzeit mit besserer Behausung marschierte sie hier wacker voran.
Als Überträger der Wanzen gelten Flugtiere, sie können sich aber auch selbst bewegen oder werden in Möbelstücken und mit sonstigem Hausrat verschleppt.
Bettwanzen sind nachtaktive Blutsauger, die wohl auf Kohlendioxid und Geruch des Wirtes reagieren. Die Nahrungsaufnahme dauert mehrere Minuten.
Mit Hilfe eigener Geruchsstoffe können die Wanzen sich auch untereinander verständigen, also anlocken oder bei Gefahr vertreiben.
Nach ihrer Blutmahlzeit verstecken sie sich wieder in Holzritzen o. ä., wo sie auch ihre Eier ablegen. Viele Wanzen kommen in Matratzen oder Bettgestellen vor.
GEFAHRENSZENARIO UND ABWEHR
Die Wanzen verursachen nicht nur Juckreiz und Blutverlust. Sie können auch viele gefährliche Krankheiten in sich tragen. In wie weit sie diese auch auf den Menschen übertragen können, ist noch nicht ganz erforscht. Bei Hepatitis gilt das aber als wahrscheinlich.
Gefunden wurden in Wanzen die Erreger von Hepatitis (verschiedene Varianten), AIDS/HIV, Q-Fieber und anderen Krankheiten.
Bettwanzen müssen daher unnachgiebig bekämpft und rücksichtslos ausgerottet werden. Das ist besonders deshalb wichtig, weil sich ihre Populationen wieder erholen. Gründe dafür sind internationaler Tourismus, Resistenzenbildung, zu weiche Schädlingsbekämpfung ("Verluschung") und neue Armut.
Vorbeugend kann man also seine Reisetätigkeit einschränken und versuchen, auch die Mobilität der Möbel einzuschränken! Nachsorgend muss die chemische Keule her, ggf. in Kombination mit einer Wärmeentwesung.
Früher griff man bei der Wanzenbekämpfung zum Mittel der Vergasung oder sonstigen chemischen Ausrottung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden so große Erfolge in der Wanzenbekämpfung erzielt, z. B. mit DDT. Allerdings ging man dabei mit Mensch und Natur nicht gerade zimperlich vor.
Inzwischen ist man bei der Bekämpfung von Schadinsekten vorsichtiger geworden, was zwar Mensch und Haustiere schont, aber auch mit zum "Revival" der Bettwanze geführt hat. Außerdem haben sich Resistenzen gebildet, so dass manche Stämme schon das > 100fache der ursprünglich letalen Giftdosis aushalten!
Ein Beispiel für eine Schwächung der Bekämpfung: Seitdem man Kakerlaken nicht mehr vergast, sondern nur noch mit Giftködern bekämpft, kann sich die Bettwanze wieder fleißiger vermehren, weil bei ihr die Köder nicht so wirken.
Es gibt aber noch weitere Gründe für die Erholung der Wanzenpopulationen - oben haben wir einige aufgezählt - so dass inzwischen Weltstädte wie New York wieder in Wanzenangst leben müssen!
Neben dem Vergiften kommt auch bzw. wieder die Wärmeentwesung in Betracht, bei der die Bettwanzen durch eine für 1,5 Tage auf 55°C erhöhte Zimmertemperatur vernichtet werden.
Ein traditioneller Trick zum Schutz der Betten ist ihre Einrahmung mit Bohnenblättern ("Balkan-Trick"). Diese verfügen über feine Härchen und Stacheln, in denen sich die Wanzen verheddern und sterben. Zur Zeit versucht man, diese "Wanzenstopper" synthetisch nachzubauen.
QUELLEN:
Wikipedia
Eigene Untersuchungen
(Karl Ernst) Georges. Ausführliches Handwörterbuch (Lateinisch - Deutsch)
Claudia Imfeld: Wanzen auf dem Vormarsch; in: Tages-Anzeiger, 22.05.2010
Claudia Fromme: Wanzen, der Feind in meinem Bett; in: SZ, 25.02.2007
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